Berlin/Köln - Kontrollanrufe sind tabu: Eifersucht ist kein Zeichen von Liebe

Kontrollanrufe sind tabu: Eifersucht ist kein Zeichen von Liebe

Von: Aliki Nassoufis, dpa
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Bei Gewalt ist definitiv Schluss: Doch auch ständige Anrufe und Nachfragen können schon einengen und die Beziehung belasten. Foto: dpa

Berlin/Köln. Ständige Kontrollanrufe und ewiges Herumnörgeln an den Freunden: Wenn der Partner keine Freiräume lässt, sondern einen immerzu einengt, kann das schon bald richtig nerven.

Manchmal nimmt das Kontrollverhalten sogar gewalttätige Züge an - wie anscheinend bei der Sängerin Rihanna. Sie soll von ihrem Freund Chris Brown so schwer geschlagen worden sein, dass er dafür jetzt vor Gericht steht. Doch oft ist es nicht so einfach, eine einengende Beziehung von heute auf morgen zu verändern oder gar zu beenden. Sich damit abfinden sollte man allerdings auch nicht.

„Häufig spielt bei so einem Verhalten Eifersucht eine große Rolle”, sagt der Jugendpsychiater Oliver Bilke aus Berlin. Eifersucht sei etwas ganz Normales. „Sie gehört zum Menschen dazu”, erklärt der Chefarzt der Vivantes Kliniken für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik. „Wer etwas errungen hat - dazu gehört auch eine Beziehung -, möchte das auch schützen und verteidigen.” Besonders Jungen wollten so ihr Revier verteidigen.

Allerdings kommt es bei Eifersucht auf das richtige Maß an, wie die Diplom-Psychologin Elisabeth Raffauf aus Köln erklärt. „Wenn sie kontrollierend wird, wird es problematisch.” Dann sollte man das Problem auf jeden Fall bald ansprechen und dem Partner klarmachen, dass sein Verhalten stört. Daher könne es sinnvoll sein, zu sagen: „Wenn du mich stündlich anrufst, nervt mich das” oder „Ich möchte meine Freunde auch mal alleine treffen - das heißt nicht, dass ich dich nicht mehr liebe”.

Sinnvoll sei, dem Partner zu versichern, dass man ihn liebt. Denn möglicherweise sei die Eifersucht ein Zeichen dafür, dass der Freund oder die Freundin sich darüber unsicher ist, sagt Raffauf. Viele glaubten aber auch, dass es ein Beleg ihrer Liebe ist, wenn sie eifersüchtig sind. „Wenn sie jedoch verstehen, dass so ein Verhalten einengt, sind sie möglicherweise eher bereit, damit aufzuhören.”

Nicht immer ist allerdings Eifersucht im Spiel. „Jugendliche müssen oft erst lernen, in einer Beziehung dem Partner zu vertrauen”, sagt der Diplom-Psychologe Bernhard Broekman aus Wiesbaden. Immerhin ist eine Liebesbeziehung eine relativ neue Erfahrung. „Da kann es schnell passieren, dass jemand die Liebe des anderen immer wieder überprüfen will - und dieses Verhalten vom anderen aber als einengend empfunden wird.”

Einengen könne für jeden Menschen etwas anders bedeuten, erklärt Broekman. Daher sei es sinnvoll, zu klären: „Was will ich, und was will der andere?”. „Beide Partner müssen miteinander aushandeln, wie sie sich gegenseitig vertrauen können und wie viel Absprache dafür nötig ist”, rät der Diplom-Psychologe. Denn vielleicht ahnt der Partner ja gar nicht, dass es einen einengt, wenn er immer wissen will, mit wem man gerade wo ist. Beide sollten absprechen, wie viel Zeit sie mit dem anderen verbringen, wie oft sie miteinander telefonieren und wie viel Freiraum sie sich gegenseitig geben wollen.

Schwieriger wird es, wenn der Partner einen krankhaften Überwachungszwang hat oder sogar gewalttätig wird. „Das geht auf keinen Fall, das sollte sich niemand gefallen lassen”, sagt Broekman. „So eine Beziehung sollte beendet werden.” Natürlich könne jeder einmal wütend werden, doch Schläge seien immer tabu.

„Das Schwierige ist, dass es vielen Menschen - auch Erwachsenen - trotzdem schwer fällt, sich zu trennen, weil sie den Partner dennoch lieben oder weil er ihnen leidtut”, schildert Broekman. „Doch sobald man so ein Verhalten hinnimmt, passiert es vielleicht wieder - und so sollte sich niemand erniedrigen lassen.”

Hilfe holen

Wenn der Partner stalkt oder sogar Gewalt anwendet, sollte unbedingt Hilfe von außen geholt werden. „Alleine ist das sehr schwierig”, sagt die Diplom-Psychologin Elisabeth Raffauf aus Köln. „Daher sollten am besten Freunde, die Eltern oder Experten von Beratungsstellen hinzugezogen werden.” Außerdem sei möglicherweise eine psychologische Beratung sinnvoll. „Das kann helfen, um besser mit der Situation klarzukommen.”
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