Kleinkindern spielerisch über Trotzreaktionen hinweghelfen

Von: ddp
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Berlin. Schon Kleinkinder können einen enormen Dickschädel haben. Manche liefern sich vom morgendlichen Anziehen bis zum Zähneputzen am Abend durchweg ermüdende Machtkämpfe mit Mama und Papa.

„Viele Eltern sind von Anfang an nicht klar genug und zeigen nicht, dass ihre Ansagen ernst gemeint sind”, sagt Sybille Herold, Diplom-Psychologin aus Berlin und Autorin mehrerer Erziehungsratgeber. Je klarer die Eltern ihre natürliche Autorität repräsentierten, desto besser akzeptiere das Kind die Regeln.

Um sich dem Nachwuchs gegenüber durchzusetzen, müsse man sich klar entscheiden: „Ich will, dass mein Kind jetzt das tut, was ich von ihm erwarte.” Manchmal helfe es, auch in der Situation deutlich zu sagen: „Hier bin ich der Bestimmer.” Auch die Formulierung des Appells ist wichtig. „Man sollte nicht fragen, sondern eine klare Anweisung geben”, sagt Herold. Also nicht: „Würdest du dir bitte mal deine Strümpfe anziehen?”, sondern: „Zieh dir bitte jetzt deine Strümpfe an!”.

Falls das Kind der Aufforderung nicht folgt, sollte man herausfinden, was es daran hindert. „Vielleicht ist das Kind abgelenkt und kommt deshalb nicht dazu, sich die Strümpfe anzuziehen. Dann sollte man mit ihm an einen ruhigeren Ort gehen”, sagt Herold. Oder man sollte sich überlegen, welchen Trumpf man noch im Ärmel hat. „Man kann beispielsweise ein Kuscheltier mit einbeziehen, das die Situation spielerisch begleitet. So wird das Kind auch erst mal von seinem Kampfprogramm abgelenkt.” Oder man macht noch mal eine kleine Pause, schaut sich im Garten die Eichhörnchen an, und startet dann einen neuen Versuch. Manchmal helfe es auch, einen kleinen Wettbewerb zu starten. „Dazu stellt man einen Kurzzeitwecker, und wenn das Kind es schafft, sich anzuziehen, bevor er geklingelt hat, ist noch Zeit, eine Geschichte vorzulesen”, schlägt Herold vor. Wichtig sei, dass man sich nicht von der heftigen Reaktion des Kindes anstecken lässt. Je lauter es wird, desto ruhiger sollte man selbst reagieren, betont die Erziehungsexpertin.

Vor allem bei Kindern, die ein hohes Autonomiebedürfnis haben, helfen auch Alternativangebote oft weiter, sagt Herold. „Dann darf das Kind beispielsweise entscheiden, ob es heute das gelbe oder das grüne Shirt anziehen möchte oder ob es zum Frühstück später Kakao oder lieber Cornflakes geben soll”, sagt Sybille Herold. So habe es das Gefühl, auch etwas bestimmt zu haben.

Um Trotzanfälle bei Kleinkindern etwas zu entschärfen, sollte man sich außerdem schon vorab überlegen, wie man schwierige Momente besser gestalten könnte. „Wenn das Anziehen morgens oft Probleme bereitet, dann sollte man dafür mehr Zeit einplanen - so nimmt man schon Stress aus der Situation”, sagt Herold.
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