Kindern türkischer Familien wird selten vorgelesen

Von: dapd
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Kind lesen
Damit aus dem Kleinen eine Leseratte wird, sollte seine Neugier geweckt werden. Foto: ddp

Berlin. Kindern in türkischen Familien wird wenig vorgelesen, auch Geschichten bekommen sie selten erzählt: Dies ist ein zentrales Ergebnis einer repräsentativen Studie zum Vorlese- und Erzählverhalten in Familien mit Migrationshintergrund, die die Stiftung Lesen am Donnerstag in Berlin veröffentlichte.

Demnach liest jedes dritte Elternpaar aus der Türkei nie vor (Durchschnitt bei Migranteneltern: 17 Prozent) , sogar jedes zweite erzählt nie Geschichten (Durchschnitt: 29 Prozent). Die aus der Türkei stammenden Menschen stellen mit 1,7 Millionen die größte in Deutschland lebende Ausländergruppe.

Der Studie zufolge ist das Vorleseverhalten in Migrantenfamilien aber sehr unterschiedlich: Die Tradition sei in Familien aus Osteuropa und Russland, den arabischen Ländern sowie dem ehemaligen Jugoslawien weit verbreitet, dann folgten Familien aus West- beziehungsweise Südeuropa. So gaben 88 Prozent der aus Osteuropa stammenden Eltern an, mindestens einmal die Woche vorzuelesen, bei den Vätern und Müttern aus dem arabischen Ländern und dem ehemaligen Jugoslawien praktizieren dies jeweils 86 Prozent. „Das zeigt, wir dürfen nicht pauschal den Blick auf die Migranten werfen, sondern müssen differenzieren”, sagte Simone Ehmig von der Stiftung Lesen.

Bildung weniger entscheidend als Herkunft

Auch wenn die Bildung berücksichtigt wird, bleiben Eltern mit türkischem Migrationshintergrund beim Vorleseengagement hinter den anderen Gruppen zurück. So lesen 83 Prozent der „niedrig” Gebildeten aus Osteuropa mindestens einmal die Woche vor, bei den hochgebildeten aus der Türkei stammenden Eltern sind es nur 63 Prozent. Unter den Geschichten erzählenden Müttern und Vätern mit türkischem Migrationshintergrund und niedriger Bildung erzählen zwei Drittel auf Türkisch. Aber auch hochgebildete Osteuropäer und Eltern aus der ehemaligen UdSSR erzählen der Studie zufolge häufig in ihrer Herkunftssprache oder entscheiden je nach Geschichte. Zudem erfinden Eltern aus arabischen Ländern überdurchschnittlich häufig frei Geschichten.

Ein großer Familienverband mit mehreren Generationen in einem Haushalt bedeutet nicht, dass viele Lese- und Vorleseakteure am Werk seien, sagte Ehmig. Ähnlich wie bei deutschen Eltern seien es vor allem die Mütter, die in Migrantenfamilien vorlesen. In 36 Prozent der Familien lesen Mütter täglich vor, in zwölf Prozent die Väter. Ähnlich ist es der Untersuchung zufolge beim Erzählen: In 30 Prozent der Familien werde es von der Mutter, in 13 Prozent vom Vater täglich praktiziert.

Insgesamt lesen Eltern mit Migrationshintergrund seltener vor als in Deutschland geborene Eltern. 2007 hätten 18 Prozent der befragten Mütter und Väter gesagt, nie vorzulesen, bei den Migranten seien es 35 Prozent gewesen, sagte Ehmig.

Vorlesetag am 26. November

Der Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen, Heinrich Kreibich, forderte, mit der Leseförderung so früh wie möglich zu beginnen und junge Eltern dafür zu sensibilisieren. Er wies auf den bundesweiten Vorlesetag am 26. November hin. Rund 9.000 Vorleser wollen sich engagieren, unter ihnen Prominente wie die Politiker Richard von Weizsäcker, Annette Schavan, Philipp Rösler, Cem Özdemir oder die Sängerin Nena und Nachrichtenmoderatorin Marietta Slomka.

Für die Studie „Vorlesen und Erzählen in Familien mit Migrationshintergrund” wurden 501 in Deutschland lebende Eltern der größten in Deutschland lebenden Ausländergruppen vom 24. Juni bis 12. Juli befragt. Sie mussten mindestens ein Kind im Alter von zwei bis acht Jahren haben. Darüber hinaus musste mindestens ein Elternteil einen Migrationshintergrund haben. Die Studie wird von der Wochenzeitung „Die Zeit” und der Deutschen Bahn unterstützt.
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