Kinder psychisch kranker Eltern brauchen auch Hilfe

Von: dpa
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Gütersloh. Kinder von psychisch kranken Eltern müssen aus Expertensicht stärker in die Hilfsangebote für ihre Eltern eingebunden werden.

„Psychische Erkrankungen sind Familienerkrankungen. Die Eltern sind betroffen, aber die Kinder auch”, sagte der Familienberater Erwin Wieskus-Friedemann am Rande des Kongresses „Kindheit mit psychisch belasteten und süchtigen Eltern”. Auf der Veranstaltung der Bundesarbeitsgemeinschaft Kinderschutz-Zentren wollten am Samstag in Gütersloh mehr als 300 Fachkräfte das Thema diskutieren.

Kinder von psychisch oder suchtkranken Eltern bräuchten schon in jungen Jahren integrierte Hilfsangebote, sagte Wieskus-Friedemann in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. „Kinder depressiver Eltern etwa haben ein bis zu siebenmal höheres Risiko, selbst an Depressionen zu erkranken.” In Deutschland seien mehr als 1,5 Millionen Kinder von psychischen Problemen oder Süchten ihrer Eltern betroffen. Hilfsangebote für sie gäbe es aber erst seit wenigen Jahren.

Gerade junge Kinder im Alter von bis zu sieben Jahre suchten die Ursache für die Probleme der Eltern bei sich selbst: „Die Kinder sagen sich: Mama oder Papa ist komisch und ich bin daran Schuld”, sagte der Sozialarbeiter, der seit mehr als 20 Jahren in der Kinder- und Jugendhilfe tätig ist. So würden sie in Rollen gedrängt, die sie stark belasteten. „Sie erledigen Einkäufe oder versorgen das Geschwisterkind. Dabei sind sie selbst noch hilfsbedürftig.”

Die Kinder ließen sich häufig nichts anmerken. „Innerhalb der Familien ist es oft ein Tabu, über die Krankheit zu sprechen”, sagte der Experte vom Kinderschutz-Zentrum in Gütersloh. „Jedes Gespräch über die Krankheit empfinden sie als Verrat an den Eltern.” Die Kinder zögen sich dann zurück. Daher bliebe das Problem oft jahrelang unentdeckt. Erst in der Pubertät würden die Jugendlichen auffällig.

Es sei daher notwendig, dass Jugendhilfe und Gesundheitssystem frühzeitig zusammenarbeiteten, um Eltern und Kindern gleichermaßen zu helfen. „Wir suchen zunächst das Gespräch mit den Eltern, dann bieten wir auch den Kindern die Möglichkeit, über ihre Sorgen zu sprechen.”

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