Kein Bock auf Musikschule: So verklickert mans den Eltern

Von: dpa
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Kein Bock auf Musikschule - So verklickert mans den Eltern
Vielen Eltern ist es wichtig, dass ihre Kinder ein Instrument beherrschen. Bevor das Hobby in Frust umschlägt, sollten Jugendliche besser eigene Vorschläge machen. Foto: dpa

Hof/Berlin. Klavier, Geige, Ballett: Auch wer diese Hobbys schon sehr lange hat, möchte vielleicht im Teenageralter mal etwas anderes ausprobieren. Sie zählen zu den klassischen, bildenden Hobbys, und viele Eltern sind stolz, wenn ihre Kinder in ihrer Freizeit widmen.

Doch was tun, wenn man keine Lust mehr darauf hat und gerade Abhängen mit Freunden angesagt ist? Oder ein Hip-Hop-Kurs und Skaten? Wie kann man das seinen Eltern verklickern?

„Es ist nicht immer einfach, mit seinen Eltern über das Aufgeben eines Hobbys zu sprechen, vor allem auch dann nicht, wenn man beispielsweise ein Instrument recht gut spielt”, sagt Beate Friese vom Kinder- und Jugendtelefon Nummer gegen Kummer. „Manche Eltern haben Angst vor Veränderungen und wollen gute Argumente hören.”

Am wichtigsten ist laut der Expertin, dass sich ein guter Zeitpunkt für ein Gespräch findet. „Auf keinen Fall sollten Jugendliche ihren Eltern morgens zwischen Tür und Angel entgegen rufen, Ich hab keinen Bock mehr, ich geh da nicht mehr hin. Dann kann es schnell Streit geben.” Sie empfiehlt, darauf zu achten, dass die Eltern gerade wirklich Ruhe haben. Und auch der Tonfall sei entscheidend, vor allem wenn man Angst habe, dass Ärger ins Haus stehen könnte. Eine gute Einstiegsfrage sei beispielsweise: „Hast Du einen Moment Zeit und kannst mir zuhören?”

Prinzipiell sei es leichter, die Eltern von einem neuen Hobby zu überzeugen, als mit dem Wunsch, in einem Jugendzentrum seine Zeit zu verbringen. „Es ist immer besser, irgendein Hobby zu haben, als gar keins”, sagt Paula Honkanen-Schoberth, Geschäftsführerin vom Deutschen Kinderschutzbund in Berlin. Als Argument könne dienen, dass eine Freizeitbeschäftigung Spaß bringt und Ausgleich von der oft stressigen Schule. „Wenn ich keinen Spaß habe, bin ich auch meistens nicht gut drauf. Bin ich aber gut in etwas und es bringt mir Freude, so macht das gute Laune, bringt Kraft und ich fühle mich einfach besser.” Gerade vor dem Hintergrund der vollen Stundenpläne könne man erklären, wie wichtig es ist, über seine wenige freie Zeit selbst bestimmen zu können.

Und auch das schlichte Rumhängen mit Freunden oder Bekannten bringe etwas für das Leben, sagt Honkanen-Schoberth. „Gerade in den Jugendtreffs lernt man neue Leute kennen, die von anderen Schulen und aus anderen Bevölkerungsgruppen kommen, da muss man lernen, in einer Gruppe zurecht zu kommen, es geht um soziale Kompetenz.”

Manche Eltern hätten auch Bedenken, dass Alkohol oder Drogen im Spiel seien, wenn es um Jugendzentren gehe, sagt Beate Friese. Es sei daher gut, den Eltern genau zu erklären, wen man treffen wolle, welche Angebote es in einem Treff gebe und was man sich erhoffe. „Man muss sich auf Fragen einstellen und auch überdenken, ob mir ein Hobby wie Ballett an sich keinen Spaß macht, oder ob sich der Freundeskreis geändert hat und es einfach darum geht, mit den neuen Leuten Zeit zu verbringen.” Darüber sollte man möglichst offen sprechen.

Lassen sich Eltern nicht überzeugen und bestehen auf der ungeliebten Freizeitbeschäftigung, so könne man vielleicht einen Patenonkel oder eine Freundin der Familie als Unterstützung einschalten, rät der Erziehungsberater Andreas Engel aus Hof. Oder die Eltern eines Freundes. „Vielleicht erinnert diese Person die Eltern daran, wie es in ihrer Jugend war, als die Rolling Stones populär waren - möglicherweise haben die Eltern nämlich auch darum gekämpft, ihre Interessen durchzusetzen.”

Aus Engels Sicht sollten Jugendliche selbstbewusst mit ihren Wünschen umgehen und versuchen, ehrlich zu sein. Je „verschwurbelter” man über etwas rede, also nicht direkt sage, was man will, desto schwieriger werde es für alle, sagt der stellvertretende Vorsitzende der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung. „Und wenn einem die Sache wirklich wichtig ist, sollte man vor einem Konflikt nicht zurück scheuen.”

Günstig sei auch herauszufinden, warum Eltern ein bestimmtes Hobby gut finden und ein anderes nicht. „Oft wollen Eltern ihre eigenen Wünsche in den Kindern verwirklicht sehen, beispielsweise weil sie selbst nicht Klavier spielen durften oder kein Geld da war.” Wer gut argumentiere, dass man selbst aber ein anderer Mensch mit anderen Ideen sei, könne auf Verständnis hoffen.

Sollten die Fronten jedoch verhärtet und kein Ausweg in Sicht sein, gebe es die verschiedenen Beratungsstellen oder Sorgentelefone, bei denen sich man sich unterstützen lassen kann.

Nach Frieses Erfahrung sind gewünschte Veränderungen und der Streit darüber einer der häufigsten Gründe, warum sich Jugendliche bei der Nummer gegen Kummer melden, wenn es um Familienprobleme geht. Von Heimlichkeiten hält die Expertin nichts. „Wenn ich etwas heimlich mache und einfach nicht mehr zur Musikstunde gehe, oder sogar lüge, kommt dies meistens raus und das Vertrauen wird gebrochen”, sagt sie.

Es sei dann umso schwieriger, Vertrauen wieder aufzubauen. Und womöglich erlaubten die Eltern ein neues Hobby oder eine Beschäftigung erst recht nicht. „Eigentlich kann man sich freuen, wenn Eltern nachfragen, mitdenken und an Entscheidungen interessiert sind, auch wenn es manchmal schwer fällt, um seine Interessen kämpfen zu müssen.”

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