Kampf ums Haustier: Wenn Herrchen und Frauchen sich trennen

Von: Andrea Löbbecke
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Kampf ums Haustier: Wenn Herrchen und Frauchen sich trennen
Streit um Bello: Wenn sich ein Paar trennt, wird das gemeinsame Haustier schnell zum Zankapfel. Foto: dpa

Wiesbaden. Erst war Zwergpinscher Billy ein Geschenk an die Liebste, dann wurde er zum juristischen Streitfall. Denn Herrchen und Frauchen haben sich kurz nach Anschaffung des Hundes getrennt.Der junge Mann wollte das Tier von seiner Ex-Freundin zurück, die rückte es nicht raus.

Erst mit anwaltlicher Hilfe klärte sich der Zoff - Billy lebt nun beim Herrchen. Wenn ein Paar oder eine Familie auseinanderbricht, entbrennt nicht selten ein solcher Kampf ums gemeinsame Haustier.

Manchmal landet die Sache gar vor Gericht, etwa bei einem Fall am Oberlandesgericht Hamm. Dort versuchte eine Frau vergeblich, nach der Trennung von ihrem Mann ein Umgangsrecht mit dem ehemals gemeinsamen Hund durchzusetzen. Nach Ansicht der Richter gibt es darauf aber - anders als bei Kindern - keinen gesetzlichen Anspruch (Az.: II-10 WF 240/10).

Tiere sind rechtlich eine Sache

„Rechtlich werden Tiere wie eine Sache behandelt”, erklärt der Anwalt Martin Nelte aus Wiesbaden. Wurde der Hund von einem Ehepaar angeschafft, ist er Teil der Gütergemeinschaft. Bei unverheirateten Paaren muss im Streitfall vor allem geklärt werden, wem der Vierbeiner formal gehört.

Indizien sind die Unterschrift unterm Kaufvertrag oder der Tierarztrechnung, erklärt Nelte. Wer sich von seinem Ex-Partner um ein Haustier betrogen fühlt, kann am Amtsgericht Klage einreichen. Ist der Hund - oder ein anderes Tier - mehr als 5000 Euro wert, dann ist das Landgericht zuständig, dafür braucht man auf jeden Fall einen Anwalt.

Aus der Sicht von Hundeexperten wird eine Trennung von Herrchen und Frauchen grundsätzlich von den Vierbeinern gut verkraftet, denn sie sind sehr anpassungsfähig. Auch in ihrem natürlichen Lebensmodell „Rudel” könne sich schließlich mal etwas ändern, sagt der Hundetrainer Martin Rütter aus Bonn.

Probleme drohen jedoch dann, wenn mit einer Scheidung plötzlich die Hauptbezugsperson wegfällt - etwa weil der Mann den Hund mitnimmt, obwohl sich zuvor fast ausschließlich die Ehefrau um ihn gekümmert hat.

„Deshalb rate ich den Paaren wirklich ganz ehrlich zu sein und im Interesse des Hundes zu handeln”, sagt der Experte. Alles andere bedeute unnötigen Stress. „Wenn die Hunde jedoch gewöhnt waren, ich gehe mal mit dem einen, mal mit dem anderen mit, dann kann man tatsächlich ein Patchwork-Konstrukt fahren”, schlägt Rütter vor. Das könne ein Wechsel zwischen vormittags und nachmittags oder auch wochenweise sein.

Das größere Problem ist nach der Einschätzung des Experten eher die Phase vor der Trennung. Wenn ständig dicke Luft im Hause herrscht oder häufig laut gestritten wird, geht das auch dem Tier an die Nieren. Die Spannung, Schreierei und Aggressivität seien für Hunde viel schwieriger zu ertragen als der eigentliche Bruch. „Der kriegt das definitiv mit und hat auch Empfindungen wie ich bin verunsichert, ich bin traurig”, erklärt Rütter.

„Deshalb erleben wir oft, dass die Tiere in einer solchen Phase introvertierter werden, sich häufiger zurückziehen oder gar lethargisch wirken”, sagt der Trainer. Falsch sei es, wenn sich einer der Partner, meistens die verlassenen Person, dem Hund plötzlich übermäßig zuwendet. „Der Hund war vielleicht gewöhnt, ein völlig normales Hundeleben zu führen und erlebt aber jetzt, dass er zum Nabel der Welt wird. Das kann ihn überfordern.”

Rütter betont jedoch: Massive Probleme drohen nur bei heftigem Streit und „Rosenkrieg”. „Findet eine stinknormale Trennung statt, und einer der Lebenspartner scheidet aus dem Leben des Hundes aus, dann gibt es eine kurze Verunsicherung, aber dann ist die Sache meist verarbeitet und abgehakt.”

Stress - nicht nur für die Herrchen, sondnern auch für das Tier

„Eine Trennung bedeutet Stress, auch für eine Katze”, sagt die Tierheilpraktikerin Babette Billerbeck aus Vierhöfen. Vom Naturell her unsichere Tiere würden noch ängstlicher. „Wenn eine Katze dann auch noch den Verlust einer oder mehrerer Bezugspersonen hinnehmen muss, kann dies ein psychisches Trauma verursachen bis hin zur Depression.”

Der Stress äußert sich ganz unterschiedlich: Ängstliche Katzen können nach den Worten von Billerbeck mit Unsauberkeit oder Harnmarkieren reagieren, denn der Eigengeruch verschaffe ihnen Sicherheit. „Andere Katzen können plötzlich den Kontakt zu ihren Tierhaltern verweigern und sich total zurückziehen, insbesondere, wenn sie nicht bei ihrer eigentlichen Bezugsperson bleiben können.” Aber auch Aggressionen und Kratzattacken an Möbeln und Tapeten seien möglich.

Bei einer Trennung sollte die Katze bei ihrer Bezugsperson bleiben, dies ist laut Billerbeck wichtiger als der gewohnte Ort. Wenn die Katze in eine neue Wohnung umsiedeln muss, sollten vor dem Einzug überall in den Räumen Tücher ausgelegt werden, die vorher am Fell gerieben wurden.

„Auch getragene Kleidungsstücke ihrer Bezugsperson können dort schon platziert werden. Dies verschafft einen bekannten Geruch, was wiederum die Katze beruhigt”, erklärt Billerbeck. Wichtig sei auch, Partnerkatzen nicht auseinander zu reißen.
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