Memmingen - Jungunternehmerin beschäftigt nur Mütter mit Kleinkindern

Jungunternehmerin beschäftigt nur Mütter mit Kleinkindern

Von: Klaus Schlösser, ddp
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Jungunternehmerin Kinderbeteruung
Die Unternehmerin Sabine Kober (3.v.l.) sitzt in ihrer Wohnung mit ihren Mitarbeiterinnen nebst Kindern bei einem Meeting zusammen. Kober hat ein ungewöhnliches Belegschaftskonzept: Sie hat 17 Mitarbeiterinnen - und zwar ausschließlich junge Mütter mit Kleinkindern. Foto: ddp

Memmingen. Die Memminger Unternehmerin Sabine Kober hat ein ungewöhnliches Belegschaftskonzept: Sie hat 17 Mitarbeiterinnen - und zwar ausschließlich junge Mütter mit Kleinkindern. „Die Frauen sind Organisationstalente, flexibel und so begeistert von der Arbeit, dass sie auch Kunden begeistern können”, schwärmt die Chefin, die ein eigenes Geschäftsmodell entwickelt hat, um in ihrer Belegschaft Haushalt und Beruf unter einen Hut zu bringen.

Eine der Mitarbeiterinnen ist Stefanie Rott. In ihrer ehemaligen Firma fühlte sie sich schon vor dem Mutterschutz aufs Abstellgleis geschoben. Und mit einem Baby finde man keinen Chef, der Mütter arbeiten lasse, wenn es ihnen in den Tagesablauf passe, sagt sie. Inzwischen hat sie alle Frauen ihrer Krabbelgruppe an Kober vermittelt.

Als die 38-jährige Firmenchefin vor zwei Jahren ihre Vertriebsfirma für Luxusschokolade und Modeaccessoires im bayerischen Memmingen gründete, hatte die Junggesellin den Kopf voller Ideen, aber keine Ahnung, wie sie den rasant wachsenden Erfolg bewältigen sollte. An fest angestellte Mitarbeiter war in der Gründungsphase nicht zu denken, erinnert sich die Memmingerin, die ihre Büroarbeit zu Hause erledigt und für den Vertrieb eine kleine Lagerhalle angemietet hat.

Dann lief ihr Rott über den Weg, die sie als Einkäuferin bei einer Marktkette kennengelernt hatte. Die junge Mutter klagte gefrustet über Chefs, die in Bewerbungsgesprächen beim Thema Kleinkind sofort fragen, wie das gehen soll, wenn die Tochter krank ist oder wenn Ferien sind. „Die Frau stand mit beiden Beinen im Beruf und war wirklich gut. Sie hatte nichts verlernt, nur eben weniger Zeit”, erklärt Kober.

Wenn Manager in Rente gehen, werde bedauert, dass der Firma deren Wissen und Erfahrungen verloren gingen. Über das brachliegende Potenzial von Müttern werde in Deutschland viel zu wenig geredet, meint die Jungunternehmerin, die inzwischen ein eigenes Konzept mit dem Titel „Mutter und Business - Hand in Hand” entwickelt hat. Die Organisation geht bis ins Detail: Mütter mit Kleinkindern, die nur zu Hause arbeiten können, tun dies mit Laptop und Telefon. Sie sind zum Beispiel für die Kundenbetreuung zuständig. Mütter, deren Kinder vormittags in der Schule oder im Kindergarten sind, arbeiten stundenweise im Versand. „Wenn eine Mutter mal kurzfristig absagen muss, und das kommt öfters vor, springen andere gerne ein”, erklärt die Chefin.

Als das Arbeitskräfte-Reservoir in der Krabbelgruppe von Rott erschöpft war, meldete Kober ihre freien Stellen der Agentur für Arbeit in Memmingen, die ein Inserat im Internet schaltete. Gesucht wurden nur junge Mütter mit Kind. „Die Flut der Bewerbungen hätte ausgereicht, um Schicksalsromane zu schreiben”, erinnert sich die Firmenchefin.

Übereinstimmend schilderten viele Frauen ihre Erfahrungen bei der Jobsuche. Eine annehmbare 400-Euro-Stelle zu bekommen, sei schon schwierig. Schier unmöglich aber sei es, die Arbeit gerade dann zu erledigen, wenn Familie und Haushalt dafür Zeit ließen. Das Geschäftsmodell von Kober löste bei den Müttern Begeisterung aus. Die flexible Gestaltung der Arbeitszeit sei ein Riesenvorteil, schwärmt zum Beispiel Marion Ruf: „Oma und Opa sind selbst noch aktiv. Die kann ich nicht einspannen als Babysitter. Jetzt arbeite ich daheim, und zwar dann, wenn es mir passt.”

Birgit Geisler findet im Schokoladenvertrieb, was ihr daheim fehlt: „Manche Frauen gehen in ihrem Haushalt auf. Aber das ist eine endlose Baustelle. Ein Ergebnis sieht da niemand. Hier finde ich Bestätigung und Anerkennung.” Rott freut sich darüber, geistig fit zu bleiben für eine Fortsetzung ihrer früheren Berufstätigkeit: „Hier habe ich endlich mal was anderes im Kopf als nur Fragen wie, was ich koche oder wo ich die Kinder hinfahren muss.” Beruf und Haushalt unter einen Hut zu bringen, schafft Geisler inzwischen ganz locker: „Geschäftlich telefonieren geht sogar mit dem Kind auf dem Arm. Selbst wenn mein Sohn Leopold mal dazwischen plappert, reagieren Gesprächspartner eher positiv, wenn ich erzähle, dass ich von zu Hause aus arbeite.”

Zu Besprechungen, die abends in der Wohnung von Kober stattfinden, bringen manche Frauen ihre Kinder einfach mit. Und auch die werden eingespannt: „Kinder sind sehr kritische Tester, wenn es um Schokolade geht”, erzählt die Chefin schmunzelnd.

Das „Mega-Highlight” in ihrem Job seien die Messen, erklären die jungen Mütter. „Da kommt man mal raus. Die Väter nehmen Urlaub und kümmern sich um Haushalt und Kinder. Für zwei Tage schreibe ich kilometerlange Listen, was zu tun ist. Da merken sie mal, was wir die ganze Zeit leisten”, sagt Geisler. Das ist bei Rott allerdings anders: „Meiner schlägt sich bei der Oma durch.”
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