Junge Erwachsene sollten ihre Lebensplanung mutig angehen

Von: Maria Hilt, dapd
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Frankfurt/Main. Viele junge Menschen leben in einer nicht enden wollenden Warteschleife. Sie warten auf die nächste Vertragsverlängerung, den ersten unbefristeten Job, auf etwas mehr Gehalt - auf eine sichere Basis, um endlich ihre Lebensträume in die Tat umzusetzen.

„Junge Erwachsene stehen vor vielen Herausforderungen: Sie wollen sich im Berufsleben behaupten, eine Familie gründen, gleichzeitig aber auch die Jugend genießen”, sagt Hermann Refisch, Karrierecoach aus Frankfurt am Main.

Ständig nur auf bessere Zeiten zu warten, bevor man solche Herausforderungen angeht, sei jedoch riskant. „Es gibt keine wirtschaftliche Sicherheit - und es gab sie auch noch nie”, betont Refisch. Schließlich könne sich das Leben zu jeder Zeit schlagartig ändern. „Trennung, Todesfälle, Krieg, Krankheit, Kündigung - all das kann bewirken, dass von einem Moment auf den anderen Wichtigkeiten verschoben und Pläne komplett über den Haufen geworfen werden”, betont der Diplom-Psychologe.

Anstatt auf eine utopische Sicherheit zu warten, sei es wichtig, dass junge Leute das Vertrauen entwickeln, mit Schwierigkeiten umgehen zu können. „Wenn man auf sein bisheriges Leben blickt, stößt man vielleicht auch auf einige Situationen, in denen man mit plötzlichen Planänderungen klargekommen ist”, sagt Refisch.

Eigene Maßstäbe finden

Der Experte ermutigt junge Leute, sich vor allem über die eigenen Motivationen und Ziele klar zu werden. „Man sollte sich fragen, an welchen Maßstäben man sich orientiert - und wer diese Maßstäbe bestimmt”, sagt Refisch. Denn bei genauerem Hinsehen stelle man oft fest, dass Familie, Freunde, Kollegen oder auch die Medien die eigenen Wünsche stark beeinflussen. Es sei wichtig, das zu erkennen und sich dann darüber klar zu werden, wem man überhaupt ein Mitbestimmungsrecht einräumen möchte.

Zudem müsse man sich klar machen, dass die Lebensentwürfe junger Erwachsener sich geändert haben. „Die Eltern derjenigen, die heute 30 sind, sind unter völlig anderen Bedingungen erwachsen geworden”, betont Refisch. Er empfiehlt, sich anzuschauen, wie junge Familien der eigenen Generation leben - mit mehr oder weniger Geld und unterschiedlichen beruflichen Laufbahnen. „Mit der Zeit kristallisiert sich heraus, was man selbst möchte, auf was man verzichten kann, welchen Preis man zu zahlen bereit ist”, sagt Refisch.

Anspruchsdenken überprüfen

Außerdem gehöre zum Erwachsenenleben auch, sich zu fragen, wo man Abstriche machen kann. „Viele verheddern sich bei ihrem Konsumverhalten”, sagt Refisch. Wichtig sei, immer wieder zu prüfen: Warum möchte ich das kaufen? Brauche ich es wirklich? Was sind die Alternativen? „Man sollte beispielsweise überlegen, ob ein Kind denn von Anfang an Markenkleidung tragen muss, oder ob vielleicht auch der Second-Hand-Strampler reicht”, sagt Refisch. Auch hier sei es hilfreich, zu schauen, wie andere mit finanzieller Knappheit umgehen.

Zudem sei es wichtig, die Tragweite mancher Entscheidungen nicht zu hoch zu hängen. „Man entscheidet sich vielleicht mit 30 für eine Richtung, beispielsweise im Beruf - aber das bedeutet nicht, dass man im Leben nicht noch diverse Möglichkeiten für Richtungswechsel haben wird”, sagt Refisch.

Buchtipps zum Thema Lebensplanung

Ursula von Arx: „Ein gutes Leben: 20 Begegnungen mit dem Glück”, Kein&Aber, 2010, 18,90 Euro, ISBN: 978-3036955636

Michael Ebert, Tim Klotzek: „Planen oder treiben lassen? Wie man merkt, ob man sich zu viel oder zu wenig Gedanken über sein Leben macht”, Heyne, 2009, 17,95 Euro, ISBN: 978-3453158733

Volker Kitz, Manuel Tusch: „Ich will so werden, wie ich bin: Für Selberleber”, Campus, 2011, 19,90 Euro, ISBN: 978-3593392189

Michael Mary: „Das Leben lässt fragen, wo du bleibst: Wer etwas ändern will, braucht ein Problem”, Bastei Lübbe, 2007, 7,95 Euro, ISBN: 978-3404605859

David Richo: „Fünf Dinge die wir nicht ändern können und das Glück das daraus entsteht”, Windpferd, 2010, 12,90 Euro, ISBN: 978-3893855568

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