Jugendliche brauchen Platz zum Arbeiten, Stylen und Abhängen

Von: Maria Hilt, ddp
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Augsburg/Hamburg. Die Pubertät ist die Zeit der großen Veränderungen. Auch das Kinderzimmer kommt um diese nicht herum. Plötzlich heißt es nur noch „Bude”, Eltern sind dort grundsätzlich unerwünscht und an den Wänden weichen die niedlichen Tierfotos grellen Popstar-Postern.

„In der Pubertät bilden Kinder ihren Geschmack aus. Deshalb wollen sie auch mal extreme Stile ausprobieren und sich vor allem von dem absetzen, was ihre Eltern im Wohnzimmer stehen haben”, sagt Thomas Drexel, Autor des Ratgebers „Wohnen mit Kindern”.

Wie die Stimmungen schwankt auch der Geschmack in der Pubertät oft stark. Wenn auf die schwarze Phase plötzlich die gelbe Phase folgt, ist bei der Zimmereinrichtung Flexibilität gefragt. Die Hamburger Innenarchitektin Birgit Knutzen rät daher, vor allem bei den Möbeln auf neutrale Farben zu setzen. „Eine weiße Einrichtung lässt sich beispielsweise je nach Stilrichtung verwandeln. Man kann sie nach Lust und Laune kombinieren, sowohl mit Pastelltönen als auch mit Knallfarben”, sagt Knutzen.

Um dem jeweiligen Stil gerecht zu werden, kann man dann passende Accessoires einsetzen. „Wandsticker bekommt man derzeit beispielsweise in den verschiedensten Ausführungen. Und wenn sie ausgetauscht werden sollen, kann man sie ganz leicht wieder von der Tapete abziehen.” Besonders wandelbar sind auch Vitrinentüren, die man mit Stoffen oder Papier hinterkleben kann. So erhält die Schrankwand im Nu ein neues Gesicht.

„Manche Jugendliche haben auch Spaß daran, eine Wand in ihrem Zimmer selbst zu gestalten”, sagt Drexel. Wilde Muster oder Graffiti verleihen dem Raum ein individuelles Ambiente. „Man sollte dabei aber auf keinen Fall mit normalen Spraydosen arbeiten. Diese Farben sind extrem giftig und eignen sich nicht für die Anwendung im Innenbereich”, warnt er. Besser seien normale, sprühbare Wandfarben auf Silikat- oder Kalkbasis. „Auch bei allen anderen Elementen der Einrichtung sollte man auf Schadstoffarmut achten”, sagt der Fachbuchautor aus Augsburg.

Neben Schlafen und Lernen treten im Kinderzimmer in der Pubertät andere Nutzungsarten in den Vordergrund. „Wichtig ist, dass die Jugendlichen Platz zum Chillen haben, genügend Stauraum für Klamotten und eine Ecke, in der sie sich stylen können”, fasst Knutzen die Funktionen zusammen.

Damit jeder Bereich zur Geltung kommt, sollte man auf eine gute Unterteilung des Raumes achten. „Mit beidseitig befüllbaren Regalen kann man die einzelnen Raumzonen voneinander trennen”, sagt Knutzen. Das Bett könne man mit einem Fransenvorhang abteilen. „Gut ist es auch, wenn man die Bereiche mit Farbfeldern betont”, sagt Knutzen. Schon ein rotes Quadrat oder ein pinkfarbener Kreis an der Wand setzten Akzente im Raum: „Dabei sollte man aber bedenken, dass Größe und Farbintensität des Farbfeldes die optische Wirkung des Zimmers stark beeinflussen können.”

Wände und Schränke werden von Teenagern gern mit ständig wechselnden Plakaten, Postern, Fotos der Clique und anderen Souvenirs dekoriert. Damit Klebeband und Nägel die Einrichtung nicht beschädigen, kann man hier vorsorgen: „Eine tolle Sache ist Magnetfarbe, die es in vielen verschiedenen Farbtönen gibt”, sagt Knutzen. Damit könne man Wandflächen oder einen horizontalen Streifen anstreichen und die Poster einfach mit Magneten anpinnen.

Auch an die Lichtstimmung sollte man bei der Einrichtung des Jugendzimmers denken. „Wenn es nur eine Deckenleuchte und die Schreibtischlampe gibt, ist das zu wenig”, sagt Knutzen. Variabel und gemütlich wird das Licht mit verschiedenen Lichtquellen. Dabei kann man auch auf günstige Lösungen zurückgreifen. „Kugelförmige Reispapierleuchten kosten beispielsweise wenig Geld, und man kann sie auch noch individuell bemalen oder bekleben”, sagt Knutzen. Als Gruppierung in verschiedenen Größen ergäben sie ein attraktives Arrangement.

Bei der Gestaltung ihres Zimmers sollten Eltern Jugendlichen gestalterische Freiheit lassen. „Die Eltern können zwar Tipps geben, aber mit vielen Dingen werden sie wohl leben müssen”, sagt Drexel. Wenn dunkelviolette Wände allerdings partout der Herzenswunsch der Tochter seien, müsse diese auch verstehen, dass sie mit der Farbe die nächsten Jahre verbringen werde.

Drexel rät Eltern, möglichst schon beim Bau des Eigenheims an ihre heranwachsenden Sprösslinge zu denken. „Viele Kinder wohnen aus Kostengründen sogar noch während der Ausbildung bei ihren Eltern”, gibt er zu bedenken. Laute Musik und Besuch von Freunden sind dabei oft ein Reizthema zwischen den Generationen. Damit es keinen Dauerstreit gibt, sollten die Kinderzimmer einen separaten Eingang haben. Außerdem sei es gut, zwischen Elternbereich und Kinderbereich eine Trennung in Form einer Zwischentür oder des Treppenhauses einzuplanen.

Drexel empfiehlt, die Kinderzimmer unters Dach zu verlegen. „So kann man innerhalb des Zimmers eine zweite Ebene einbauen. Auf dieser Galerie richtet man dann einen Rückzugs- und Schlafbereich ein.” Außerdem sollte man darauf achten, dass man die Kinderzimmer nicht zu klein plane. „Diese Räume werden schließlich oft ganztägig genutzt. Hier sind viel Platz und Südseite viel wichtiger als im Elternschlafzimmer”, sagt Drexel. Ein eigenes Badezimmer für die Teenager trage außerdem zum Familienfrieden bei.

Buchtipps zum Thema „Das Kinderzimmer in der Pubertät”

Thomas Drexel: „Wohnen mit Kindern. Planen, einrichten und erleben. Kinderzimmer, Spielparadiese, Erlebnisräume”, Blottner, 2006, 39,80 Euro, ISBN: 978-3893671045

Jana Jung, Julia Schmidt: „Das Kinderzimmerbuch”, Callwey Verlag, 2008, 29,90 Euro, ISBN: 978-3766717481 (blauer Einband), 978-3766717849 (rosafarbener Einband)

Anita Kaushal: „Mit Kindern wohnen. Designideen für Familien”, Knesebeck, 2007, 39,95 Euro, ISBN: 978-3896604965

Judith Wilson: „family living. Wohnideen für die ganze Familie”, DVA, 2008, 24,95 Euro, ISBN: 978-3421036315

Judith Wilson: „Spaces - Wohntrends für Teens”, DVA, 2008, 24,95 Euro, ISBN: 978-3421036872

Tine Wittler: „Einsatz in 4 Wänden. Ein Königreich für Kids und Teens. Die besten Ideen für Kinder- und Jugendzimmer”, Egmont Verlagsgesellschaft, 2007, 14,90 Euro, ISBN: 978-3802517471.

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