Jogginghose und Bartstoppeln: Wenn der Partner schlampig wird

Von: Angelika Röpcke, dpa
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„Soll ich schon wieder Anzug tragen?”: Wenn der Partner abends keine Lust auf schicke Klamotten hat, ist Toleranz gefragt. Foto: dpa

München. Fettige Haare, ausgeleierte Klamotten und Bartstoppeln: Attraktiv macht das alles den Partner nicht. Wenn er sich gehen lässt, kann das verschiedene Ursachen haben. Psychologen nennen hier nicht nur Beziehungsprobleme. Auch Schwierigkeiten mit dem eigenen Leben, ein geringes Selbstwertgefühl oder sogar Depressionen können der Grund dafür sein, dass Sie die ausgebeulte Jogginghose täglich trägt oder Er Waschen überflüssig findet.

Sich-gehen-lassen fängt für die Diplom-Psychologin Isabelle Überall aus München bei der Körperpflege an: „Das hat etwas mit Achtsamkeit, Selbstwert und Selbstliebe zu tun.” Sitzen Anzugträger abends in legerer Kleidung vor dem Fernseher, sollten Frauen aber nicht gleich Panik kriegen, schließlich geht es hier um Entspannung. „Da muss ein gewisser Toleranzspielraum da sein”, erklärt Überall, die bei einer Familienberatungsstelle arbeitet.

Ändern sich bestimmte Gewohnheiten allerdings schlagartig - die Frau geht plötzlich nicht mehr zum Friseur oder der Mann schneidet seine Fingernägel nur noch, wenn sie bereits Klauen ähneln -, ist Achtsamkeit gefragt. „Wenn sich jemand so plötzlich in der Partnerschaft verändert, kann das eine depressive Verstimmung sein oder ein Signal, dass etwas mit der Beziehung nicht stimmt”, warnt Überall. Aber auch eine schwere Erkrankung könne dahinterstecken, wenn der Mann zum Beispiel nicht mehr zur Arbeit geht und nur noch vor dem Computer sitzt, erklärt die Paar- und Familientherapeutin Brigitte Johanna Will aus Zell am Main (Bayern).

Manchmal bedeutet schlampiges Auftreten aber nur, dass es bei einem Paar nicht mehr so knistert wie früher, erläutert der Diplom-Psychologe Rudolf Stroß aus Bergisch Gladbach. Er nennt ein Beispiel: Früher fand es der Mann niedlich, wenn seine Freundin nach dem Essen rülpste. „Nach drei Jahren wird das an Charme verlieren.”

Dass Menschen zuerst ein Verhalten akzeptieren, später darauf aber gereizt reagieren, habe mit nachlassender Rücksicht im Laufe der Zeit zu tun. „Die Zahl der Fäden, über die ich mit dem anderen verbunden bin, dünnt aus”, erklärt Stroß. So sei es nicht ungewöhnlich, dass Menschen am Anfang einer Beziehung vieles tolerieren, später aber vom gleichen Verhalten des Partners genervt sind.

Wer nicht akzeptieren will, dass der Partner nur noch ausgebeulte Jeans trägt oder das Parfüm im Regal stehen lässt, sollte dem anderen einen kleinen Hinweis geben. „Ich fände es schön, wenn Du heute Abend einen Rock anziehst, darin siehst Du gut aus”, nennt Stroß ein Beispiel. Bringt das auf Dauer nichts, müsse offen geredet werden. „Dabei sollte man nicht darauf herumreiten, wie schrecklich die Turnschuhe sind”, rät Überall. Gerade Männer würden oft trotzig reagieren, wenn die Frau sagt: „Bitte nicht schon wieder das Schlabber-T-Shirt.”

Verletzungen sind bei solchen Gesprächen tabu. „Vorwürfe werden immer als Herabwürdigung der eigenen Person empfunden”, sagt Will. Das heiße aber nicht, dass man durch die Blume sprechen muss. Besser sei, dem Partner konkret die eigenen Erwartungen darzulegen, ihm zu sagen, wie sein Verhalten wirkt und warum man enttäuscht ist.

Ändert sich trotzdem nichts, könnten Tricks helfen. „Durch die Hintertür können Frauen immer etwas tun”, sagt Stroß. Alte Hemden verschwinden beispielsweise plötzlich beim Waschen - fragt der Mann später danach, waren sie kaputt. „Vielen Männern fällt der Verlust gar nicht auf.”

Wer auf solche Tricks verzichten will, kann es mit Vereinbarungen probieren. Denkbar wären Absprachen wie „Jogginghose nur am Samstag oder am Wochenende”, rät Will. Vielleicht könne der Partner auch davon überzeugt werden, eine sportlich-schicke Freizeit-Hose zu tragen anstelle des altbackenen Modells, ergänzt Überall.

Literatur: Rudolf Stroß: Die Kunst der Selbstveränderung: Kleine Schritte - große Wirkung, Vandenhoeck & Ruprecht, ISBN: 978-3-525-40410-2, 16,90 Euro.

Vorsicht bei Alkohol

Trinkt der Partner plötzlich ungewöhnlich viel oder nimmt er Drogen, ist das in der Regel ein deutliches Zeichen dafür, dass etwas nicht stimmt. Krankheit, beruflicher Stress, Langeweile in der Beziehung - die Gründe für die Flucht aus dem Alltag können unterschiedlich sein. Die Paar- und Familientherapeutin Brigitte Johanna Will aus Zell am Main (Bayern) rät in solchen Fällen, sofort einen Arzt zu rufen. Der könne klären, ob eine Depression dahinter steckt, wenn der Partner plötzlich nicht mehr aus dem Bett kommt oder die Kinder vernachlässigt.
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