Wuppertal/München - In einen anderen verguckt: Eigene Schwärmerei hinterfragen

In einen anderen verguckt: Eigene Schwärmerei hinterfragen

Von: Aliki Nassoufis, dpa
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Man hat seinen Traumpartner gefunden - doch sein bester Freund ist auch nicht schlecht. Eine dritte Person kann die Beziehung ganz schön ins Wanken bringen. Foto: dpa

Wuppertal/München. Eigentlich ist alles bestens: Man ist in einer festen Beziehung, die gut läuft - doch dann taucht plötzlich noch jemand anderes auf. Eine dritte Person.

Die ist toll, lustig und sieht klasse aus. Und da ist es auch schon passiert: Ich schwärme für einen anderen als nur für meinen Partner.

„Es ist überhaupt nichts Verwerfliches, wenn man bei sich solche Gefühle bemerkt”, sagt Beate Friese vom Kinder- und Jugendtelefon Nummer gegen Kummer in Wuppertal. „Schwärmen ist ja oft etwas Oberflächliches, wie wenn man für einen Star schwärmt.” Meist kenne man den oder die andere gar nicht so gut, sondern finde ihn oder sie einfach süß oder cool.

Für jemand anderen schwärmen heißt auch nicht automatisch, dass man den Freund oder die Freundin nicht mehr liebt, erklärt Jutta Stiehler, Leiterin des Dr. Sommer-Teams der Zeitschrift „Bravo” in München. „Für jemanden schwärmen und jemanden toll finden ist nicht dasselbe wie verliebt zu sein.” Schwärmen habe auch viel mit Träumen zu tun. „Es ist eher etwas, das ein bisschen Spannung ins Leben bringt.”

Wann aber muss man sich Gedanken über die eigenen Gefühle machen? Schwärmerei kann zum Beispiel ein Anzeichen dafür sein, dass in der Beziehung nicht mehr alles in Ordnung ist. „In der Anfangszeit einer Beziehung ist vieles noch sehr aufregend und prickelnd, das kann aber nach einer gewissen Zeit etwas nachlassen”, sagt Expertin Friese. Da könne eine dritte Person schon mal aufregend wirken. „Man sollte dann innehalten und schauen, was der eigene Partner für Stärken hat, die einem wichtig sind und was die andere Person einem in einer Beziehung bieten könnte”, sagt Friese.

Eine einzige Person könne einem nie alle Wünsche erfüllen. Wenn zum Beispiel der Partner nicht gerne ausgeht, jemand anderes aber viel feiert, fühlt man sich zu demjenigen hingezogen, weil man denkt: „Mit dem könnte ich sicher viel Spaß haben.” Möglicherweise ist das aber auch das einzig Aufregende - und man sollte stattdessen dem Partner sagen, dass man gerne mehr unternehmen würde.

Es kann jedoch sehr aufregend sein, mit zwei Menschen gleichzeitig zu flirten und sich von mehr als einer Person begehrt zu fühlen. „Das tut dem Selbstbewusstsein gut”, erklärt Beraterin Friese. „Jeder möchte gemocht und geliebt werden, gerne von mehreren Menschen.” Allerdings sollte man sich fragen: Ist es vielleicht nicht unbedingt die andere Person, die ich mag, sondern das Gefühl des Begehrtseins? „In dieses Gefühl kann man sich auch verlieben.”

Für viele Menschen ist nämlich genau das der Anlass für den ständigen Wechsel des Partners. „Das Problem ist aber, dass man so immer wieder die Anfangsphase einer Beziehung haben will mit all ihrer Aufregung - aber so geht man nie eine feste und tiefe Beziehung ein”, sagt Friese. „In einer Beziehung muss man auch mal den Alltag aushalten können, der nicht immer nur aufregend ist.”

Trotzdem wird aus einer Schwärmerei manchmal auch mehr und man verliebt sich in jemand anderen. Dann müsse man sich klarmachen, dass es ein Spiel mit dem Feuer werden und der Partner richtig sauer werden kann. „Wenn es ernst wird, wenn mich der oder die andere so sehr beschäftigt, mehr als mein Freund oder meine Freundin, dann ist es irgendwann unumgänglich sich zu fragen: Mag ich den oder die vielleicht lieber und muss ich jetzt Farbe bekennen?”, sagt Psychologin Elisabeth Raffauf aus Köln.

Denn wenn es mehr ist als nur eine Schwärmerei, sollte man dem Partner gegenüber ehrlich sein, findet „Bravo”-Expertin Stiehler. „Verlassen werden tut weh”, sagt sie. „Aber es ist besser, ehrlich über die Gefühle zu sprechen, um den Partner oder die Partnerin nicht zusätzlich zu kränken.”
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