In der Wirtschaftskrise werden Freunde wichtiger

Von: dpa
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Gütersloh. In der Wirtschaftskrise sind den Deutschen Liebe und Freunde wichtiger und wertvoller geworden. Ehe, Familie, Partner und Freunde haben nun einen höheren Stellenwert als vor der Krise.

So heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten Emnid-Umfrage im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung in Gütersloh. Zugleich hätten aber auch materielle Werte wie Einkommen, Wohlstand und Sicherheit jetzt an Bedeutung gewonnen. Eine große Mehrheit der mehr als 1000 im Oktober befragten Bürger wünscht sich einen stärkeren Ausgleich zwischen Arm und Reich, mehr Solidarität von Alt und Jung oder die bessere Integration von Ausländern.

Allerdings bezweifeln die meisten der Befragten, dass die Krise den sozialen Zusammenhalt tatsächlich verbessern wird. Nur jeder Dritte glaubt, dass für die Wirtschaft künftig langfristige Wohlstandssicherung wichtiger als kurzfristiger Gewinn sein wird.

Familie, Kinder, Freunde

Jeder vierte Bundesbürger sagt demnach, in den vergangenen Monaten hätten Familie, Kinder oder die Beziehung zu den Eltern an Stellenwert gewonnen. Für jeden Fünften sind stabile persönliche Beziehungen und Freundschaften wichtiger als vor der Krise. Ebenfalls fast jeder Vierte gibt an, dass sich die Krise auf seine persönliche Orientierung und die Frage nach dem Sinn des Lebens ausgewirkt hat. Gleichzeitig sagten aber mehr als ein Drittel der Befragten (35 Prozent) in der Umfrage, dass für sie durch die Krise auch Einkommen, Sicherheit und Wohlstand wichtiger geworden sind.

Als Konsequenz aus der wirtschaftlichen Krise wünscht sich eine übergroße Mehrheit einen stärkeren gesellschaftlichen Zusammenhalt. 85 Prozent wollen mehr Solidarität zwischen Alten und Jungen, fast genauso viele (83 Prozent) einen stärkeren Ausgleich zwischen Arm und Reich. Und 57 Prozent fordern eine bessere Integration ausländischer Mitbürger, weil diese auch für den gemeinsamen Wohlstand wichtig seien. Doch die Mehrheit der Bürger (53 Prozent) ist skeptisch, dass die Wirtschaftskrise den Zusammenhalt tatsächlich stärken wird.

Tiefes Misstrauen gegen die Wirtschaft

Obwohl kurzfristiges Gewinnstreben als eine der wichtigsten Ursachen der Wirtschaftskrise gesehen wird, glaubt die Mehrheit der Deutschen nicht an ein Umdenken bei den Unternehmen. 60 Prozent erwarten nicht, dass Unternehmen künftig mehr als bisher für eine längerfristige Wohlstandssicherung arbeiten. Die Umfrage habe den großen Vertrauensverlust bestätigt, den Wirtschaft und Unternehmen in großen Teilen der Bevölkerung erlitten haben, sagte der Stiftungs- Vorsitzende Gunter Thielen.

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