„Immer ist die Zahnpasta offen”: Wenn die Macken des Partners nerven

Von: Bettina Levecke, dpa
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Selbst im Bett immer erreichbar - manche Macken des Partners können die Beziehung ganz schön belasten. Foto: dpa

Mannheim. Es ist eine schleichende Veränderung: Nach den ersten Monaten innigen Verliebtseins und puren Beziehungsglücks tauchen die ersten Macken des Partners auf. Plötzlich wirkt er geizig, sie kritikunfähig oder schusselig. Dann stellt sich die Frage: Waren diese Macken schon immer da?

„Auf jeden Fall”, sagt Bettina Franzke, Diplom-Psychologin aus Mannheim. Sie wurden nur nicht gesehen. Im Umgang mit ihnen ist Ehrlichkeit gefragt.

Im großen Taumel der Verliebtheit wollen sich die Partner großartig finden - Ecken und Kanten, Macken und Ticks werden deshalb übersehen. „Studien haben gezeigt, dass Verliebte alle Infos, die nicht zu ihrem Liebesbild passen, einfach abwehren und ausklammern”, sagt Franzke.

Außerdem zeigen sich beide am Anfang von ihrer Schokoladenseite. Da schlägt selbst der Pfennigfuchser beim romantischen Candle-Light-Dinner mit einem großzügigen Trinkgeld über die selbst gewählte Strenge. „Beide sind in dieser Zeit sehr intensiv damit beschäftigt, dem Anderen möglichst liebenswert zu erscheinen”, sagt Klaus Heer, Paartherapeut aus Bern.

Doch was passiert, wenn das trunkene Liebesglück verebbt? „Spätestens, wenn man zusammenzieht, lässt die Sorgfalt nach”, sagt Heer. Bettina Franzke kann das bestätigen: „Wir verstellen uns mit der Zeit immer weniger und werden bequem.”

Dann zeigen sich die vielen seltsamen Gewohnheiten, von denen so manche eine handfeste Macke ist. „Das kann ernüchternd für den Partner sein”, sagt Martina Kern, Psychotherapeutin aus Karlsruhe. „Das Paar muss sich jetzt mit seinen Unterschiedlichkeiten auseinandersetzen.”

Wenn starker Geiz oder permanente Schusseligkeit nerven, hilft nur eins: Reden! „Ohne Gespräche geht es nicht weiter. Der Partner muss erfahren, was Ihnen auf den Geist geht”, sagt Heer. Auch Martina Kern empfiehlt klare und vor allem ehrliche Worte: „Es ist wichtig, sich gegenseitig den Spiegel vorzuhalten, sonst verändert sich nichts.” Oft sei es dem Partner nicht bewusst, dass er sich in bestimmten Lebensbereichen seltsam verhält. „Die eigenen Macken nimmt man nach Jahren der Gewohnheit selbst oft nicht mehr wahr.”

Ständig durch die Programme zappen, im Restaurant das Besteck nachpolieren: Beispiele für Macken gibt es viele. Jeder Mensch hat seine eigenen. Sollte man deshalb nicht besser die Macken des Partners großzügig akzeptieren? Das hängt Klaus Heer zufolge davon ab, wie belastend man sie findet. „Wenn es Ihnen dauerhaft schlecht geht, müssen Sie damit nicht leben”, rät Kern.

Allerdings raten die Experten auch zu einer Portion Toleranz. „Versuchen Sie auch, die positiven Aspekte zu sehen”, sagt Kern. Wenn er sehr auf Sparsamkeit achtet, kann sie sich darüber freuen, dass es keine Geldsorgen gibt. Wenn sie sehr auf Ordnung achtet, ist auch für ihn immer alles aufgeräumt.

„Vieles ist eine Frage des Blickwinkels. Macken können auch sehr liebenswert sein.” Wenn die Gewohnheiten allerdings zu übergreifend werden, müssen Kompromisse her. „Überlegen Sie gemeinsam, wie Sie da einen Dreh rein bekommen, mit dem beide gut leben können”, so die Psychotherapeutin.

Bettina Franzke rät zur Nörgel-Attacke: „Auch wenn Nörgeln in einem schlechten Ruf steht, aus psychologischer Sicht ist es sinnvoll”, sagt die Expertin und ergänzt: „Aber ohne Vorwürfe und Dauerberieselung.” Ihr Tipp ist die Eins-zu-fünf-Regel: „Einmal nörgeln, fünfmal loben - so halten Sie ein gesundes Kommunikationsverhältnis.”

Macke oder schon Persönlichkeit? Nicht alles, was stört, lässt sich ändern. Kleine Spleens, zum Beispiel die nicht zugedrehte Zahnpastatube oder der ewig unvollständig und chaotisch gepackte Koffer, können abgewöhnt werden, sagt Franzke.

„Solche Macken sind durch gezielte Hinweise und Bitten leicht zu verändern.” Schwieriger wird es bei den festen Ritualen und liebgewonnenen Gewohnheiten. Die Sportschau am Samstag, die Chips zum Fußball: „Das lässt sich so mancher Mann nicht einfach nehmen!”

Hier hilft nur viel Fingerspitzengefühl mit konstruktiven Gesprächen und Kompromissen. Wer allerdings nach fünf Jahren Ehe glaubt, aus dem eher introvertierten Partner einen Partygänger zu machen, betritt dünnes Eis. „Die Ecken und Kanten, die unsere Persönlichkeit ausmachen, können und sollten nicht infrage gestellt werden”, sagt Franzke.

Denn erlebt der Partner, dass plötzlich grundlegende Dinge, die ihn ausmachen, nicht mehr gut sind, steht die Beziehung schnell vor einer harten Probe.
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