Aachen/Dortmund - „Ich bin dann mal in Elternzeit”: Die Babypause sollte gut vorbereitet werden

„Ich bin dann mal in Elternzeit”: Die Babypause sollte gut vorbereitet werden

Von: Maria da Silva, dapd
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Wenn ein Baby geboren wird, ist der Job erst mal Nebensache. Viele Eltern nehmen sich nach der Geburt eine berufliche Auszeit, um sich intensiv um ihren Nachwuchs zu kümmern. Doch so eine Babypause sollte man gut vorbereiten - sonst wird im ungünstigsten Fall ein Abschied für immer daraus. Foto: dpa

Aachen/Dortmund. Wenn ein Baby geboren wird, ist der Job erst mal Nebensache. Viele Eltern nehmen sich nach der Geburt eine berufliche Auszeit, um sich intensiv um ihren Nachwuchs zu kümmern. Doch so eine Babypause sollte man gut vorbereiten - sonst wird im ungünstigsten Fall ein Abschied für immer daraus.

„Je besser man seinen Ausstieg organisiert, desto einfacher ist es, nach der Elternzeit wieder zurück in den Job zu kommen”, sagt Kathrin Dewender, Karriereberaterin aus Dortmund. Verlässliche Absprachen seien nicht nur für das Unternehmen wichtig.

„Meine Erfahrung ist, dass eine konkrete Planung auch dazu beiträgt, dass der Elternzeitler nicht den Anschluss verliert”, sagt die Diplom-Psychologin. Denn ohne feste Struktur gerate das Thema Rückkehr nach der Geburt des Kindes schnell in Vergessenheit. So werde unter Umständen auch das Thema Kinderbetreuung zu spät angegangen, und die Elternzeit müsse unfreiwillig verlängert werden. „Dadurch vergrößert sich die Distanz zum Job immer mehr”, sagt Kathrin Dewender.

Um gut planen zu können, muss man erst einmal herausfinden, welche Prioritäten man hat und was man eigentlich möchte - beruflich und privat. „Man sollte sich beispielsweise darüber bewusst werden, wie man zum Thema Fremdbetreuung steht”, sagt Bettina S. Wiese, Autorin des Ratgebers „Mama startet durch”. Kommt man damit klar, sein Kind ab einem bestimmten Alter stundenweise bei einer Tagesmutter abzugeben? Oder gibt es andere Möglichkeiten, etwa die Betreuung durch Großeltern?

„Wichtig ist auch, mit seinem Partner abzusprechen, wie lange die Elternzeit dauern soll und wie es mit der Arbeitsteilung anschließend weitergeht”, sagt die Professorin für Psychologie an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen. Auch über die gesetzlichen Rahmenbedingungen der Babypause, über Teilzeitregelungen und darüber, welche finanziellen Unterstützungen es während der Elternzeit und später für die Kinderbetreuung gibt, sollte man sich informieren.

Kathrin Dewender empfiehlt, mit dem Vorgesetzten klar zu vereinbaren, wie lange die Auszeit sein wird und wie viele Stunden man anschließend arbeiten möchte. Wer sich schwer damit tue, diese Dinge schon vor der Geburt festzulegen, sollte zumindest einen Termin vereinbaren, an dem man wieder miteinander ins Gespräch kommen will. „Wenn man dem Chef klar sagt, wann man ihn zu einem bestimmten Zeitpunkt anruft und konkrete Ansagen macht, schafft auch das Planungssicherheit”, sagt die Beraterin.

Ein wichtiger Faktor für einen reibungslosen Wiedereinstieg sei außerdem, dass man auch während der Babypause den Kontakt zum Unternehmen pflege. „Auf diese Weise bleibt man in Erinnerung und wird auch in der Planung eher berücksichtigt”, sagt Dewender. Präsenz zeigen könne man nicht nur bei der Weihnachtsfeier und dem Betriebsausflug, sondern auch, indem man Urlaubsvertretungen übernimmt oder sich von zu Hause aus an Projekten beteiligt. Dadurch bleibe auch die professionelle Selbstsicherheit erhalten.

„Es muss aber nicht immer gleich die aktive Mitarbeit sein - schließlich steht in der Elternzeit nicht der Job im Vordergrund”, sagt die Psychologin. Auch klein Schritte führten ans Ziel. Gut sei beispielsweise, wenn man sich eine Fachzeitschrift abonniere oder Messen besuche, um auf dem Laufenden zu bleiben. „Arbeitgeber reagieren auf solche Vorstöße oft äußerst positiv. Manche finanzieren ihren Mitarbeitern diese Maßnahmen sogar”, sagt Dewender.

Bettina S. Wiese empfiehlt Elternzeitlern, Chef und Kollegen ab und zu interessante Artikel zu Branchenthemen zuzuschicken - so rufe man sich immer wieder in Erinnerung. Gut sei auch, in beruflichen E-Mail-Verteilern zu bleiben - dann sollte man seine Mails allerdings auch regelmäßig abrufen und darauf reagieren.

Auch wenn man den Kontakt gepflegt hat, kann es sein, dass man nach der Rückkehr in den Job erst mal als Neuling gesehen wird. „Die Welt bleibt nicht stehen, während man in Elternzeit ist”, betont Kathrin Dewender. Möglicherweise gibt es neue Kollegen, oder man muss sich mit neuen Arbeitsweisen vertraut machen. „Man sollte in dieser Situation auf keinen Fall besserwisserisch auftreten, sondern Interesse daran zeigen, was in der Zwischenzeit passiert ist”, empfiehlt Bettina S. Wiese.

Wichtig sei außerdem, dass man trotz der Doppelbelastung professionell auftrete. „Viele Eltern planen beispielsweise viel zu wenig Zeit zwischen Feierabend und der Kita-Abholzeit ein”, weiß Wiese. Dadurch kämen sie häufig in Bedrängnis, wenn kurz vor Schluss noch ein Kollege mit einer Frage an sie herantrete - „Wenn man während so einer Unterhaltung dauernd auf die Uhr schaut, wirkt das desinteressiert.” Durch einen zeitlichen Puffer ließen sich solche Situationen vermeiden.

Sie empfiehlt berufstätigen Eltern außerdem, sich Notfallpläne zurechtlegen - für den Fall, dass ihr Kind mal krank wird. „Am besten trifft man mit seinem Partner vorab klare Absprachen, wer an welchem Wochentag zu Hause bleibt”, sagt die Autorin. So könne man beispielsweise vereinbaren, dass an Donnerstagen der Vater das kranke Kind hütet, weil die Mutter donnerstags zur Teamsitzung erscheinen muss.

Auch der informelle Kontakt mit den Kollegen sollte nicht zu kurz kommen. „Wer nie Zeit für einen Plausch beim Mittagessen hat, der verpasst oft wichtige Informationen”, sagt Wiese. Aus diesem Grund sei es auch sinnvoll, mit dem Partner abzusprechen, wer an welchen Tagen für das Bringen und Abholen des Nachwuchses zuständig ist. „So hat jeder die Möglichkeit, nach Feierabend noch mal spontan was mit Arbeitskollegen zu unternehmen”, sagt Bettina S. Wiese.
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