Homosexuellen Enkelkindern mit Offenheit begegnen

Von: dapd
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Wedemark. Homosexualität war hierzulande lange Zeit ein Tabuthema. Heute hingegen stehen viele Lesben und Schwule selbstbewusst zu ihrem Lebensstil.

„Allerdings zögern viele Betroffene und ihre Familien, auch ihre Großeltern einzuweihen. Sie fürchten, Oma und Opa würden das nicht verkraften”, weiß Gudrun Held, Vorsitzende des Bundesverbands der Eltern, Freunde und Angehörigen von Homosexuellen (BEFAH) im niedersächsischen Wedemark. Viele Großeltern würden daher erst gar nicht erfahren, dass ihr Enkelkind homosexuell ist, vermutet die Expertin.

Dabei hätten Senioren oft weniger Probleme mit dieser Tatsache als die Eltern des Enkels. „Die Großeltern sind eben schon weiter weg, es betrifft sie nicht so sehr”, erklärt Held. Allerdings tendierten Omas und Opas auch dazu, das Thema Homosexualität schnell wieder zu verdrängen. „Da wird dann nicht mehr über diese Dinge gesprochen, und der Enkel darf seinen Partner auch nicht mit zu Besuchen bringen”, berichtet die Mutter eines schwulen Sohnes. Für den Enkel sei so ein Verhalten sehr verletzend.

Viele Großeltern von Homosexuellen schämen sich auch, weil sie ihr Leben lang ein negatives Bild von Lesben und Schwulen hatten. „Schließlich wurde Homosexualität lange Zeit in die Schmuddelecke gedrängt, galt als Krankheit und war sogar strafbar”, sagt Gudrun Held. Sie empfiehlt Senioren, sich einzugestehen, dass sie falsche Vorstellungen hatten und dass diese Vorurteile auch mit der damaligen Gesellschaft zu tun hatten. „Dann kann man für sich beschließen, mit diesem Thema noch einmal ganz neu anzufangen”, sagt Held.

Großeltern müssten ja auch nicht gleich begeistert sein, wenn ihr Enkel ihnen eröffnet, dass er homosexuell ist. „Gut wäre aber, wenn man seinem Enkel gleich zeigt, dass man ihn so annimmt, wie er ist”, sagt Held. Man könne außerdem offen zugeben, dass man nicht viel über Lesben und Schwule weiß. „Die jungen Leute können ihren Großeltern dann erklären, woher sie Informationen zu diesem Thema bekommen”, sagt Gudrun Held.

Rat und Tipps bietet in dieser Situation auch der BEFAH. „In letzter Zeit wenden sich immer häufiger auch Großeltern an uns”, berichtet Gudrun Held. Sie beobachte bei den Senioren eine große Bereitschaft, sich mit dem Thema Homosexualität auseinanderzusetzen und den eigenen Horizont zu erweitern.

Weitere Informationen: Bundesverband der Eltern, Freunde und Angehörigen von Homosexuellen (BEFAH) e.V., Thiemannsweg 16, 30900 Wedemark, Tel.: 05130/974751, Internet: befah.de.
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