Hochbegabte Kinder: Förderung ab dem Kleinkindalter wichtig

Von: Judith Csaba, ddp
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Wenn die eigenen Kinder ploetzlich zählen können oder von einem Tag auf den anderen das Alphabet kennen, sind die meisten Eltern überrascht und stolz. Bei hochbegabten Kindern ist die Ueberraschung noch größer - denn wer rechnet schon damit, dass ein Zweijähriger alle Planeten des Sonnensystems auswendig kennt oder sich die Buchstaben ganz alleine beibringt? Allerdings ist eine solche Hochbegabung für Kinder und Eltern nicht immer einfach, denn es gilt, die Kleinen angemessen zu fördern und sozial zu integrieren. Foto : ddp Foto: ddp

Berlin/Bonn. Wenn die eigenen Kinder plötzlich zählen können oder von einem Tag auf den anderen das Alphabet kennen, sind die meisten Eltern überrascht und stolz. Bei hochbegabten Kindern ist die Überraschung noch größer - denn wer rechnet schon damit, dass ein Zweijähriger alle Planeten des Sonnensystems auswendig kennt oder sich die Buchstaben ganz alleine beibringt?

Allerdings ist eine solche Hochbegabung für Kinder und Eltern nicht immer einfach, denn es gilt, die Kleinen angemessen zu fördern und sozial zu integrieren.

„Erste Auffälligkeiten, die auf eine Hochbegabung hindeuten, zeigen sich bereits im Kleinkindalter”, sagt Madeleine Majunke von der Deutschen Gesellschaft für das Hochbegabte Kind (DGHK) in Bonn. Diese Kinder könnten schon in ganzen, grammatikalisch korrekten Sätzen sprechen, wenn ihre Altersgenossen noch mit einzelnen Worten ringen, sie zeichneten bereits plastischer, und auch Zählen und Rechnen falle ihnen leicht. „Lasse konnte schon mit zweieinhalb Jahren sehr gut abstrakt denken und interessierte sich besonders für das Planetensystem”, berichtet die Berlinerin Karla Rieker, Mutter des heute vierjährigen Lasse, der als hochbegabt gilt. ( Namen von der Redaktion geändert)

International misst sich Hochbegabung an einem Ergebnis von mehr als 130 in einem standardisierten Intelligenz-Test, der allerdings bei sehr jungen Kindern nicht angewandt werden kann. Statistisch gesehen haben zwei Prozent aller Kinder in Deutschland einen IQ von 130 und mehr. Weitere 16 Prozent liegen mit einem IQ von 115 bis 130 ebenfalls deutlich über dem Durchschnitt. „Wir sagen den Eltern daher immer, sie sollen stets auch auf Verdacht fördern”, betont Majunke. Letztlich seien die Grenzen fließend, denn auch ein Kind mit einem IQ von 125 werde seinen Altersgenossen in vielen Dingen voraus sein und eine besondere Förderung benötigen.

„Man muss auf die schnelle intellektuelle Verarbeitung der Kinder eingehen”, weiß Majunke. Es sei wichtig, den Kindergarten beziehungsweise die Grundschule über die besondere Begabung des Kindes zu informieren, damit es auch dort gefördert und integriert wird. „Hochbegabte Kindes fühlen sich andersartig, aber nicht unbedingt besser - sie werden in Gruppen mit Gleichaltrigen häufig nicht akzeptiert”, sagt Majunke. Sie empfiehlt daher Kindergärten und Grundschulen mit altersdurchmischten Gruppen, damit auch ein Austausch mit intellektuell reiferen älteren Kindern möglich ist.

Später gebe es für hochbegabte Kinder die Möglichkeit, eine weiterführende Schule speziell für hochbegabte Kinder zu besuchen oder aber auch nach Rücksprache mit einem Psychologen eine oder mehrere Klassen zu überspringen. Wichtig sei, dass das Kind sich in der Schule nicht langweile, denn sonst schalte es einfach ab oder gebe den „Klassenclown” und rutsche möglicherweise ab bis zur Sonderschule.

Die DGHK bietet in zahlreichen Regionalvereinen Kursprogramme für hochbegabte Kinder an. „Dies dient nicht dazu, die schlauen Kinder noch schlauer zu machen, sondern gibt ihnen Gelegenheit, soziale Kontakte zu Gleichgestrickten zu pflegen”, sagt Majunke. Auch für die Eltern gibt es über die DGHK die Möglichkeit, sich mit anderen Familien auszutauschen.

Karla Rieker erinnert sich, dass ihr Sohn Lasse sich in einer Kita-Gruppe mit Kindern seines Jahrgangs nicht wohlgefühlt habe. „Er fand, die anderen Kinder spielen gar nicht richtig, und fing an, vor ihnen seine bereits weiter entwickelten Fähigkeiten beim Malen oder Rechnen zu verstecken”, erinnert sie sich.

Heute gehe er in eine Gruppe mit Kindern unterschiedlichen Alters. Zudem sei die Kita auf die Förderung hochbegabter Kinder spezialisiert. Dort gucke niemand komisch, wenn Lasse Bücher für Achtjährige mitbringe, und er könne sowohl mit älteren Kindern spielen als auch Kontakte zu Gleichaltrigen pflegen. „So hat er die Chance, gleichzeitig groß und klein zu sein und seine Balance zwischen Normalität und Andersartigkeit zu finden”, sagt Rieker.
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