Bonn/Berlin - Haustiere trotz Allergie: Mit den Haaren steigt das Risiko

Haustiere trotz Allergie: Mit den Haaren steigt das Risiko

Von: Sascha Rettig, dpa
Letzte Aktualisierung:
Maus
Putzig sind sie, aber Allergiker haben unter Umständen keine Freude an ihnen: Mäuse zählen zur Hochrisikogruppe der allergieauslösenden Tierarten. Für Allergiker gibt es Alternativen: Tierarten, deren Vertreter nur selten allergische Reaktionen auslösen, sind zum Beispiel Schildkröten. Foto: ddp

Bonn/Berlin. Sobald eine Katze in der Nähe ist, geht es los: Die Augen brennen, die Nase läuft, die Haut juckt. Allergien gegen Haustiere sind in Deutschland weit verbreitet. Tritt plötzlich eine Allergie auf, muss auf den Schützling nicht zwangsläufig verzichtet werden, sagt Sabine Merz, Tierärztin und Sprecherin der Bundestierärztekammer in Bonn.

„Wer schon ein Tier zu Hause hat, kann bei einer leichteren Reaktion erst einmal versuchen, im Alltag und in der Wohnungseinrichtung einiges zu verändern.” Und für Menschen mit heftiger Allergie gibt es Alternativen: Tierarten, deren Vertreter nur selten allergische Reaktionen auslösen.

Nach Ansicht von Sabine Merz ist das Weggeben des Tieres nur die „ultima ratio”, also das letzte Mittel. Bei einer leichteren Allergie sollte der Betroffene zunächst noch mehr auf Hygiene achten und die eigenen vier Wände etwas umgestalten. „Meist werden die Allergien nicht durch die Haare ausgelöst, sondern durch Speichel, Körpersekrete oder Hautschuppen.”

Vor allem bei Katzen werden feinste Eiweißmoleküle an den Hausstaub gebunden, und diese Schwebstoffe können monatelang in der Wohnung bleiben, ohne dass Wischen oder Saugen etwas bringen würde. Bei allen anderen Tieren ist es nach Sabine Merz Worten hingegen sinnvoll, öfter mit feuchten Tüchern zu wischen und so den Staub zu reduzieren. „Ideal wäre es daher auch, auf Teppichböden zu verzichten und stattdessen Laminat zu verlegen.” Zudem sollten die Tiere nicht ins Schlafzimmer dürfen.

Auf welche Tiere eine Person allergisch reagiert, lässt sich mit Hilfe eines Tests differenziert feststellen. Es ist aber individuell sehr unterschiedlich, in welcher Form und wie stark die Allergien ausgeprägt sind. Hat ein Halter aber eine Allergie entwickelt und lebt weiter mit seinem Tier zusammen, kann es zum sogenannten Etagensprung kommen, nach dem auch die Lunge betroffen ist.

„Je häufiger der Kontakt, desto schlimmer wird die Allergie”, sagt Wolfgang Harth, Chefarzt der Vivantes-Klinik für Dermatologie und Allergologie in Berlin. „Aus einer Allergie, bei der zunächst eigentlich nur Augen und Nase betroffen sind, können massive Beschwerden bis hin zum Asthma entstehen.” Auch wenn es schwerfällt, ist es laut Harth dann wichtig, jeden Kontakt zu den entsprechenden Tieren zu vermeiden - was meist bedeutet, dass man das Tier eben doch abgeben muss.

Oft handelt es sich in solchen Fällen um Katzen: „Sie gehören zu den Tieren mit dem höchsten Risiko, Allergien auszulösen”, sagt Merz. „Ebenfalls in diese Hochrisikogruppe der allergieauslösenden Tierarten gehören Meerschweinchen, Ratten, Mäuse, Goldhamster, Pferde und Kühe.” Bei Hunden besteht der Expertin zufolge dagegen nur ein mittleres und bei den meisten Vögeln wie den Kanarienvögeln sogar nur ein geringes Risiko.

Es gibt auch Haustiere, die nur äußerst selten allergische Reaktionen hervorrufen: „Es existiert zwar keine Generallösung, aber erfahrungsgemäß handelt es sich dabei um Tiere ohne Haare”, sagt Jörg Turk vom Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe in Wiesbaden. „Amphibien, Reptilien und Fische zählen vor allem dazu.” Sie bieten aber in erster Linie so etwas wie einen Fernsehersatz, weil man sie nur beobachten kann, sie jedoch nichts zum Kuscheln sind.

„Man sollte allerdings berücksichtigen, dass die Haltung vieler dieser Tiere in Aquarien oder Terrarien deutlich aufwändiger ist als etwa die eines Kaninchens”, so Sabine Merz. Schildkröten etwa seien nichts für Anfänger, denn sie bräuchten unter anderem UV-Strahler, wärmere und kühlere Zonen sowie eine Bademöglichkeit.

Tückisch ist aber: Selbst wer gegen diese Tiere nicht allergisch ist, bei dem ruft möglicherweise das Futter Reaktionen hervor. „Bei der Haltung von Zierfischen reagieren manche beispielsweise auf die Kleinstkrebse, die als Futter verabreicht werden”, sagt die Tierärztin. In solchen Fällen könne aber gegebenenfalls ein anderes Familienmitglied alle paar Tage das Füttern übernehmen.

Geht es nicht anders, ist es für viele Halter eine schwierige und traurige Angelegenheit, das geliebte Haustier abzugeben. Es ist auch nicht immer ohne weiteres möglich, den tierischen Ex-Mitbewohner einfach durch einen anderen zu ersetzen: „Wer ein Kaninchen toll findet, mag nicht auch automatisch Reptilien”, sagt Turk. „Eine Alternative funktioniert nur, wenn man die genauso liebhat und mit der gleichen Begeisterung an die ganze Sache herangeht.”


Einfach ausprobieren - mit einem Tier aus dem Heim

Wer trotz bekannter Allergie gegen Hunde, Katzen oder andere Arten nicht auf einen eigenen Vierbeiner verzichten will, muss die Hoffnung auf ein schnief- und juckfreies Leben mit Tier an seiner Seite nicht aufgeben: „Man kann sich in einem Tierheim mit verschiedenen Rassen vertraut machen, um herauszufinden, wie man reagiert”, sagt die Tierärztin Sabine Merz. Denn es könne sein, dass man nicht gegen alle Hunde oder Katzen allergisch ist, sondern bei manch einer Rasse sogar überhaupt keine Reaktionen zeigt.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert