Haupt- und Realschulen fusionieren: Landesweit schon 18 Verbundschulen

Haupt- und Realschulen fusionieren: Landesweit schon 18 Verbundschulen

Von: Susanne Wächter, ddp
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<b>Düsseldorf/Horstmar.</B> Wenn es Ende Januar Halbjahreszeugnisse in NRW gibt, steht für die Viertklässler endgültig fest, welche weitere Schulform für sie geeignet sein soll. Die Hauptschule steht dabei für viele Eltern nicht an oberster Stelle.

In ländlichen Regionen schließen sich deshalb immer häufiger Real- und Hauptschulen zusammen. Sogenannte Verbundschulen könnten die Zukunft sein. 18 solcher Schulen gibt es in NRW bis jetzt und weitere sind in Planung.

Der Grund ist klar: In vielen Regionen und Städten sind die Anmeldezahlen der Hauptschulen so gering, dass keine neuen Schüler mehr angenommen werden. Gerade auf dem Land sei es aber wichtig, eine wohnortnahe Schule für alle zu haben. Deshalb geht man gerade dort neue Wege - den der Verbundschule.

Organisatorisch bilden dabei Haupt- und Realschulen und mancherorts auch Gymnasien eine Einheit. Man nutzt gemeinsame Ressourcen, arbeitet ansonsten aber eng mit den entsprechenden Lehrplänen der jeweiligen Schulform.

„Die Zahl der Hauptschulen, die in NRW vor der Schließung stehen, erhöht sich stetig”, erklärt Jörg Harms, Sprecher des Schulministeriums. Wies die Statistik im Schuljahr 2005/06 noch 703 Hauptschulen aus, waren es 2009/10 nur noch 671.

Ein Auslaufmodell sei die Hauptschule aber nicht, betont Harms und verweist auf die von der Landesregierung eingeführte Qualitätsoffensive für Hauptschulen. So sollen an den Schulen, an denen die Offensive gute Arbeit leistet, stabile Schülerzahlen herrschen.

Steigende Schülerzahlen verzeichnet aber auch die Verbundschule im münsterländischen Horstmar/Schöppingen. Hier ging man vor einem guten Jahr einen neuen Weg und gründete eine Schule, in der Haupt- und Realschule weitgehend zusammengefasst werden. Für Schulleiter Hubertus Drude kommt es bei dem Projekt vor allem auf die Nutzung der vorhandenen Ressourcen an und nicht so sehr auf die Diskussion um die eine oder andere Schulform.

„Wir hatten an den Hauptschulen in den beiden Ortschaften Horstmar und Schöppingen immer weniger Anmeldungen vorliegen, so dass wir uns Gedanken machen mussten”, sagte Drude. Durch Zusammenlegung der beiden Schulformen in einem Gebäude mit gemeinsamem Unterricht in Kunst, Musik und Religion sowie eine intensive Kooperation mit Wirtschaftsbetrieben der Region ist daraus das Verbundprojekt Horstmar/Schöppingen geworden.

Für Drude wäre eine solche Kooperation auch in anderen Regionen denkbar. Eine Zusammenarbeit biete sich überall dort an, wo Schulen wegen schlechter Anmeldezahlen vor dem Aus stehen. Mit verändertem Konzept und der Stärkung der Kooperation zwischen Wirtschaft und Schule könne man wieder stabile Zahlen erreichen, ist sich der Schulleiter sicher.

Das Modell kommt an. Drude beweist dies gern anhand seiner Anmeldezahlen. Nach Einführung des Projekts zählte die Schule 85 Anmeldungen für das laufende Schuljahr. 2009/2010 waren es dann schon 117. Anfang 2010 folgen die Anmeldungen fürs nächste Schuljahr. Drude rechnet wieder mit einer guten Quote und einer weiteren Steigerung, denn das Interesse ist groß.

Dass dies durchaus auch in städtischen Regionen umgesetzt werden kann, zeigt der Schulverbund Aachen Ost. Dort wurden vor wenigen Wochen die Kooperationsverträge von Haupt-, Realschule und Gymnasium unterzeichnet. Das Konzept klingt einfach, bedarf zur Umsetzung jedoch eines langen Atems. So sieht die Vereinbarung regelmäßige Besprechungen und Abstimmungen der Schulleitungen vor. Unterrichtsinhalte und Förderpläne sollen abgestimmt werden.

Der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Verband Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, würde gern noch einen Schritt weitergehen und alle Kinder von der ersten bis zur zehnten Klasse gemeinsam unterrichten, aber das sieht das Schulgesetz in Nordrhein-Westfalen bisher nicht vor.

Die Schulpolitik dürfte das Hauptstreitthema im Wahlkampf werden. SPD, Grüne und Linke wollen nach der Landtagswahl am 9. Mai 2010 mehr längeres gemeinsames Lernen der Schüler. Während die FDP eine regionale Mittelschule favorisiert, hält die CDU strikt am mehrgliedrigen System fest. Bei einer Fortsetzung von Schwarz-Gelb könnten mehr Verbundschulen der Koalitionskompromiss sein.
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