Häufiges Mitbringsel aus Kita und Grundschule: Mandelentzündung

Von: Aliki Nassoufis, dpa
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Kind/Mandelentzündung
Kinder können ihre Beschwerden oft noch nicht so gut äußern - Fieber ist daher manchmal auch ein Hinweis auf eine Mandelentzündung. Foto: dpa

Köln. Der Hals schwillt an und das Schlucken fällt schwer: Mandelentzündungen haben viele Menschen schon mindestens einmal durchlitten. Besonders häufig trifft es Kinder. Meist verläuft die Erkrankung problemlos. Schwierig wird es aber, wenn die Mandeln chronisch entzündet sind oder nicht mehr richtig abschwellen.

„Kinder bekommen Krankheiten wie eine Mandelentzündung meist, wenn sie auf Gruppen mit anderen Kindern treffen, also im Kindergarten oder in der Grundschule”, sagt Elke Jäger-Roman vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) in Köln. Das sei grundsätzlich kein Problem. „In der Regel werden Kinder mit einer Mandelentzündung gut fertig.”

Am Übergang von Mundhöhle und Nase zum Rachen und den tieferen Luftwegen sitzen mehrere Mandeln und lymphatisches Gewebe, erklärt Matthias Lohaus vom Deutschen Berufsverband der Hals-Nasen-Ohren-Ärzte. „Zusammen wird das als lymphatischer Rachenring oder Waldeyerscher Rachenring bezeichnet.” Hauptfunktion der Mandeln sei eine Art Grenzkontrolle: „Alles, was über die Atmung in den Körper gelangt, muss an diesem Gewebe vorbei”, sagt der HNO-Arzt. „Dort werden körperfremde Erreger erkannt und bekämpft.” Bei einer Mandelentzündung könne das gesamte lymphatische Gewebe betroffen sein, häufig sind es aber nur die Gaumen- oder Rachenmandeln.

„Meist lösen Viren oder Bakterien die Infektion aus”, sagt Jäger-Roman. Das können zum Beispiel Grippeviren sein oder Streptokokken-Bakterien. „Sie gelangen über eine Tröpfcheninfektion in den Rachenbereich und setzen sich dort in den Schleimhäuten fest.” Es dauere etwa einen Tag, bis sie anfangen sich zu vermehren. „Dagegen wehrt sich dann der Körper, so dass die Mandeln anschwellen und man möglicherweise Fieber bekommt.”

Für die Behandlung gibt es mehrere Möglichkeiten: „Wenn man merkt, dass der Hals wehtut, kann es helfen, möglichst schnell zu gurgeln”, rät die Kinder- und Jugendärztin. Wasser reicht, aber auch Kamillen- oder Salbeitee eignen sich. „Entscheidend ist, dass die Erreger sich nicht in den ersten 24 Stunden im Gewebe festsetzen können, sondern regelrecht weggespült werden”, sagt sie. Bei Kindern sei das allerdings etwas schwieriger: „Sie erkennen die Symptome meist nicht so schnell. Außerdem können Kinder bis zum Alter von etwa vier Jahren noch nicht gurgeln.”

Kommt es doch zum Infekt, sollte ein Arzt zurate gezogen werden. „Er kann diagnostizieren, ob es sich um eine virale oder bakterielle Erkrankung handelt”, sagt die Expertin. Bei einer Viruserkrankung gebe es keine speziellen Medikamente. „Man kann lediglich schmerzstillende und fiebersenkende Mittel geben, viel trinken, um den Wasserverlust durch das Fieber auszugleichen und das kranke Kind emotional gut umsorgen.”

Wurde die Mandelentzündung hingegen von Bakterien ausgelöst, wird oft ein Antibiotikum gegeben. „Mit einem Schnelltest kann geklärt werden, ob es sich zum Beispiel um Streptokokken handelt”, sagt Prof. Hans-Jürgen Nentwich vom BVKJ-Vorstand. Ein Antibiotikum werde dann meist eingesetzt, um mögliche Folgeerkrankungen zu vermeiden, die durch Bakterien wie Streptokokken ausgelöst werden könnten. Dazu gehören zum Beispiel Herz- oder Nierenentzündungen.

In den meisten Fällen ist nach kurzer Zeit aber schon wieder alles vorbei: Nach einer Inkubationszeit, die abhängig von den Erregern bis zu zwei Wochen dauern kann, bleibt die Mandelentzündung laut Jäger-Roman oft nur fünf bis zehn Tage.

Doch auch nach einer Mandelentzündung kann manchmal eine ärztliche Behandlung notwendig sein: In der Vergangenheit wurden bei Kindern, aber auch Erwachsenen, die Mandeln häufiger entfernt als heute. „Damit ist man mittlerweile zurückhaltender”, sagt Nentwich. Die Mandeln würden meist nur in medizinisch dringenden Fällen entfernt. „Zum Beispiel, wenn ein Patient vier- oder fünfmal im Jahr eine Mandelentzündung hat.”

Manchmal passiere es auch, dass Mandeln nach einer Entzündung vergrößert bleiben, so dass gerade Kinder Probleme beim Schlucken haben. „In Fällen wie diesen kann eine Mandelentfernung helfen”, sagt Nentwich. „Handelt es sich dabei um vergrößerte Mandeln, wird häufig versucht, zumindest einen Teil der Mandeln zu erhalten, um so die wichtige Abwehrfunktion behalten zu können.”

Pfeiffersches Drüsenfieber

Auch das Pfeiffersche Drüsenfieber wird zu den Mandelentzündungen gezählt. Es ist eine durch das Epstein-Barr-Virus ausgelöste Erkrankung. Häufig verläuft sie ohne bemerkenswerte Symptome, gerade bei älteren Kindern und Jugendlichen kann sie jedoch zu einer starken Mandelentzündung führen. Die Krankheit erstreckt sich manchmal über Monate.
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