Berlin/Essen - Gute Pflege ist Vertrauenssache: Ambulante Dienste vergleichen

Gute Pflege ist Vertrauenssache: Ambulante Dienste vergleichen

Von: Vivien Leue, dpa
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Berlin/Essen. Schwer ist die Entscheidung immer. Wenn ein Familienmitglied pflegebedürftig wird, stehen Angehörige vor vielen Fragen. Schaffen wir die Pflege alleine, brauchen wir ambulante Hilfe und wenn ja: Wie finden wir sie? „Die Auswahl eines Pflegedienstes ist Vertrauenssache”, sagt Jürgen Brüggemann vom Medizinischen Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen in Berlin.

Deshalb lassen sich Pflegebedürftige und ihre Angehörigen besser immer von mehreren Pflegediensten beraten und entscheiden dann nach persönlichen Bedürfnissen. „Wenn jemand beispielsweise bei der Abendtoilette Hilfe braucht, aber immer erst spät ins Bett geht, muss man fragen, ob der Pflegedienst das leisten kann”, sagt Brüggemann, der das Fachgebiet „Qualitätsmanagement Pflege” leitet.

Zudem sollte sich jemand die Wohnräume des Pflegebedürftigen anschauen. Nur dann können individuelle Gegebenheiten bei den Leistungen berücksichtigt werden. „Insbesondere für die Pflegebedürftigen ist ein fester Ansprechpartner wichtig - und das sollte eine Fachkraft sein.” Fachkräfte sind meist Kranken- oder Altenpfleger.

Auch Katrin Andruschow von der Stiftung Warentest in Berlin legt auf diesen Punkt wert. „Im Gespräch sollte geklärt werden, mit wie vielen Pflegern die pflegebedürftige Person in Kontakt kommt”, rät sie. Mehr als zwei oder drei Personen dürften es ihrer Einschätzung nach nicht sein. Andruschow hat die jüngste Untersuchung Ambulanter Pflegedienste begleitet. Für den Test wurden 21 Anbieter in Mühlheim an der Ruhr unter die Lupe genommen. Ihr Fazit: „Pflege ist Maßarbeit und muss dem persönlichen Bedarf entsprechen.” Lückenlose Beratung sei deshalb sehr wichtig. „Ein großer Schwachpunkt der Beratungen lag bei den Kombinationsleistungen, also bei der Frage nach einer individuellen Zusammenstellung von eigener und fremder Pflege.”

Die Versicherten können beispielsweise den gewährten Zuschuss auf einen Pflegedienst und private Helfer aufteilen. Außerdem kann als weitere Unterstützung einmal jährlich eine Kurzzeitpflege beantragt werden, etwa als Urlaubsvertretung für pflegende Angehörige. Wem diese Aspekte nicht klar sind, der sollte sich von der eigenen Krankenkasse oder neutralen Beratungsstellen wie Pflegestützpunkten beraten lassen, rät Andruschow.

Pflegestützpunkte sind auch dann gute Ansprechpartner, wenn in einer Region, wie in einigen ländlichen Gegenden, nur wenige ambulante Pflegedienste zur Auswahl stehen. „Mittlerweile sind 500 Pflegestützpunkte in Deutschland eingerichtet oder fast fertig”, sagt Ina Klaus vom Bundesgesundheitsministerium. Da die Einrichtung der Stützpunkte aber Ländersache sei, gebe es je nach Bundesland gravierende Unterschiede. So zählt Baden-Württemberg bereits 135 Pflegestützpunkte, Brandenburg nur 5.

Regionale Unterschiede gibt es auch bei den Pflegekosten, die Pflegedienste abrechnen. Das zeigte der Pflegereport 2009 der Gmünder Ersatzkasse. Beispielsweise liegt die Preisspanne für das „Zubereiten einer warmen Mahlzeit” zwischen 7,39 Euro in Nordrhein-Westfalen und 20,90 in Baden-Württemberg. Die „große Morgentoilette” kostet in Thüringen 15,75 Euro, in Hessen aber 32,16 Euro.

Die jeweiligen Entgelte setzen sich aus einem für Laien schwer verständlichen Punktesystem zusammen, außerdem werden mitunter verschiedene Bereiche zu Leistungskomplexen zusammengefasst. So können das morgendliche Aus- und Anziehen, das Kämmen oder die Mund- und Zahnpflege in Bayern einzeln ausgewählt werden. In anderen Bundesländern sind sie in einem Leistungskomplex zusammengefasst und dürfen höchstens, wie etwa in Hessen, einzeln abgewählt werden.

In jedem Fall sollten die Preise vor Vertragsabschluss genau besprochen werden. „Im Pflegevertrag müssen alle Kosten ersichtlich sein - die Kosten, die von den Krankenkassen übernommen werden und der Eigenanteil”, sagt Pflege-Experte Brüggemann. Insbesondere der privat zu zahlende Eigenanteil könne sich von Anbieter zu Anbieter unterscheiden, warnt Andruschow. „Die Pflegedienste setzen da teilweise unterschiedliche Kosten an.” Ein Vergleich sei deshalb unerlässlich.

INFO-KASTEN: Pflegestufen und Pflegesätze

Voraussetzungen für die Zahlung von Pflegeleistungen ist ein dauerhafter täglicher Hilfebedarf bei Körperpflege, Ernährung und Mobilität - in der Fachsprache „Grundpflege” genannt. Hinzu kommt der Bedarf, mehrmals pro Woche im Haushalt Unterstützung zu bekommen. Der Aufwand für die Grundpflege muss jedoch überwiegen. Wer nur gelegentlich Unterstützung braucht, erhält keine Pflegeleistungen, kann aber unter bestimmten Voraussetzungen Leistungen für Betreuung in Anspruch nehmen. Je nach Pflegestufe erhalten Angehörige oder private Helfer 215 bis 675 Euro im Monat, ambulante Pflegedienste zwischen 420 und knapp 1918 Euro.

Bei Pflegevertrag auf Kündigungsfrist achten

Vor Abschluss eines Pflegevertrages ist darauf zu achten, dass nur der Eigenanteil privat, die übrigen Kosten aber mit der Pflegekasse abgerechnet werden, rät die Stiftung Warentest. Bei den Kündigungsfristen gilt: Der Pflegedienst sollte mindestens eine dreiwöchige Frist einhalten, der Kunde dagegen möglichst ohne Frist kündigen dürfen.
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