Hamburg - Gemeinsamer Freundeskreis ist für Paare kein Muss

Gemeinsamer Freundeskreis ist für Paare kein Muss

Von: dpa
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Gemeinsamer Freundeskreis
Mal sind es seine alten Tennisfreunde, mit denen er über die längst vergangenen Erfolge redet, ein anderes Mal ist es einer dieser Pärchenabende, an denen sich nur drei der sechs Anwesenden etwas zu sagen haben. Foto: dpa

Hamburg. Mal sind es seine alten Tennisfreunde, mit denen er über die längst vergangenen Erfolge redet, ein anderes Mal ist es einer dieser Pärchenabende, an denen sich nur drei der sechs Anwesenden etwas zu sagen haben.

Verabredungen mit den Freunden des Partners können zur Qual werden - oder einfach nur langweilig sein. Aber wie geht man damit um, wenn man gar keine Lust auf gemeinschaftliche Treffen hat? Zähne zusammenbeißen oder doch lieber ehrlich sein und allein zu Hause bleiben?

„Zunächst sollte man sich fragen, was tatsächlich hinter diesem Unbehagen oder auch der Ablehnung steckt”, rät Jörg Wesner, Paarberater in Hamburg. Schließlich gebe es zwei Szenarien: Einerseits will man nicht, dass sich der andere mit seinen Freunden trifft. „Das kann daran liegen, dass man es nicht erträgt, dass der Partner eine Nähe zu anderen Menschen hat, die man nicht teilt”, sagt Wesner. Das sei bedenklich. Auf der anderen Seite könne solch ein Unbehagen auch eine Chance sein, da man seinem Partner mit Fragen wie „Was bedeutet Dir die Freundschaft wirklich?” oder „Trefft ihr euch nur noch aus Gewohnheit?” den Spiegel vorhalten kann.

Andererseits kann es sein, dass man selbst einfach keine Lust hat, die Freunde des anderen zu treffen. „Dieses mangelnde Interesse darf man aber nicht mit mangelndem Interesse an dem Partner gleichsetzen”, warnt Wesner. Und der Paarberater Christian Thiel aus Berlin sagt: „Ich halte es für völlig normal, dass gerade bei Pärchenkonstellationen sich nicht alle etwas zu sagen haben und deswegen auch nicht unbedingt regelmäßig Zeit miteinander verbringen wollen.” Das dürfe man dem Partner gegenüber ruhig thematisieren. Einzige Regel hierbei: Man sollte nur für sich sprechen und das Ganze nicht mit einer Kritik am anderen verbinden, empfiehlt Thiel.

Viele Paare würden dem Trugschluss erliegen, alles miteinander teilen zu müssen. Doch das Gegenteil ist der Fall. „Jeweils eigene Freunde sind sehr stabilisierend für eine Beziehung”, sagt Dariush Barsfeld, Paartherapeut und Kommunikationspsychologe in Darmstadt. Wesner fügt hinzu: „In einer gesunden Beziehung sollte jeder ein Individuum bleiben mit eigenen Interessen und eigenen Freunden.” Das schließe selbstverständlich nicht aus, dass man sich als Paar gemeinsame Freunde suche.

„Man muss nicht jeder Einladung als Paar folgen und es als gottgegeben ansehen, dass man stets seinen Partner oder seine Partnerin begleitet”, sagt Barsfeld. Entscheidend sei, um welchen Anlass es gehe. Schließlich gebe es gewisse Pflichtveranstaltungen wie Geschäftsessen, bei denen es angebracht ist, dass der Partner oder die Partnerin mitkommen.

Auch Familienfeiern fallen in diese Kategorie. „Da zu sagen, Ich finde Deine Eltern doof, ist verletzend, auch wenn der andere das Gleiche denkt”, sagt Barsfeld. Da gelte es gute Miene zum bösen Spiel zu machen, den anderen gegebenenfalls zu unterstützen und die Einladung gemeinsam durchzustehen.

Anders sieht es aber bei Freunden aus. „Da darf man den Konventionen nicht zu viel Raum geben, sondern sollte lieber seiner Intuition folgen”, rät Thiel. Natürlich könne es sein, dass man am Anfang einer Beziehung sehr neugierig auf die Freunde des anderen ist, dann aber feststellt, dass man sie gar nicht so interessant findet. „Da sollte man dann auch offen drüber sprechen”, sagt Thiel.

„Manchmal will man ja auch einfach nur wissen, wo und mit wem der andere zusammen ist”, ergänzt Paarberater Wesner. Da reichten dann gelegentliche Treffen. „Gerade wenn es sich um einen sehr alten Freundeskreis handelt und sich die Gespräche um alte Geschichten und Erinnerungen drehen, holt man das als Neuling in der Runde sowieso nicht mehr auf.” Hat man sie dann kennengelernt, stellt man vielleicht fest, dass einem regelmäßige Treffen nicht wichtig sind.

Für gefährlich hält Paartherapeut Thiel es allerdings, wenn man den kompletten Freundeskreis des anderen nicht mag. „Schließlich sucht man sich meist Freunde, die einem ähnlich sind oder wenigstens ähnliche Interessen und auch Ansichten haben.” Finde man als Partner überhaupt keinen Anschluss, sei etwas faul in der Beziehung. Ansonsten gelte: „Warum muss ich mir einen langweiligen Abend antun, wenn mein Partner alleine im Zweifel genauso viel oder gar mehr Spaß hat?”

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