Frühe Hilfen sollen Kinder vor Vernachlässigung schützen

Von: dpa
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Soziale Hilfen - wie eine Familienhebamme - können Eltern frühzeitig unterstützen, die mit der Versorgung ihres Kindes sonst überfordert wären. Foto: ddp

Berlin. Mit sozialen Hilfen schon vor der Geburt ihrer Kinder sollen Eltern unterstützt und der Nachwuchs besser vor Vernachlässigung geschützt werden. Diese Forderung von Kinderschutz- und Ärzteverbänden diskutierte die Kinderkommission des Bundestags am Montag in einer Expertenrunde.

Die Erfahrung zeige, dass „viel mehr Eltern Hilfe brauchen als wir annehmen”, betonte Wolfram Hartmann vom Verband der Kinder- und Jugendärzte. Besonders armen Familien und Eltern mit psychischen und körperlichen Schwierigkeiten müsse man zur Seite stehen.

„Jede frühe Hilfe ist wirksamer und kostengünstiger als jede späte Hilfe”, betonte der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers. Schon während der Schwangerschaft und im ersten Jahr mit dem Baby sollten alle Eltern daher von Sozialpädagogen und Familienhebammen betreut werden, fordern die Experten.

Bei Problemfällen soll auch der öffentliche Kinder- und Jugenddienst früher einsteigen. Erzieher von Kindergärten und -krippen sollen für die Probleme der Familien sensibilisiert werden. Nur so könne man „Hilfe leisten, bevor etwas schlimmes geschieht”, betonte Kinderkommissions-Vorsitzende Ekin Deligöz (Grüne).

Den Eltern dürfe man bei den Hilfsangeboten nicht das Gefühl geben, man stelle sie als potenzielle Versager und Kindesmisshandler dar, betonte Alexandra Sann vom Deutschen Jugendinstitut. Wertschätzung und Hilfsbereitschaft sind nach Auffassung von Hilgers besonders in „Krisenfamilien” wichtig. Vorurteile seien gerade im Umgang mit sozial schwachen Familien fehl am Platz, sagte er.

Seit Jahren wird in Deutschland diskutiert, die Kinderrechte im Grundgesetz zu verankern. Im September erst scheiterten die SPD- regierten Länder Bremen und Rheinland-Pfalz im Bundestag mit der Forderung, den Anspruch der Kinder auf Bildung und Schutz vor Gewalt festzuschreiben. Das Deutsche Jugendinstitut forderte jetzt einen Rechtsanspruch für die Familien auf Bildung und Unterstützung. Das wichtigste aber sei, dass diese Hilfen früh bei Eltern und Kindern ankämen, betonte Angela Nieting vom Deutschen Hebammenverband. „Denn sechs Wochen nach der Geburt können sich schon viele Dramen ungesehen abgespielt haben.”

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