Düsseldorf - Freiwilliger Schulwechsel: Ein Neustart kann oft helfen

Freiwilliger Schulwechsel: Ein Neustart kann oft helfen

Von: Aliki Nassoufis, dpa
Letzte Aktualisierung:
Schulwechsel
Ein Schulwechsel kann auch Nachteile haben: Zwar sind die Fächer gleich, was eine Klasse bereits durchgenommen hat, unterscheidet sich aber durchaus. Foto: dpa

Düsseldorf. Die meisten Schüler gehen in ihrer Laufbahn auf zwei Schulen. Nur wenn nötig, wechseln sie - zum Beispiel vom Gymnasium auf eine Realschule. Das ist jedoch nicht immer so. Einige Jungen und Mädchen suchen sich freiwillig eine neue Schule. Das kann verschiedene Gründe haben und durchaus vernünftig sein. Allerdings müssen dabei auch einige Formalien beachtet werden.

„Ein freiwilliger Schulwechsel kann bei Mobbing sinnvoll sein”, erklärt Martina Schmerr, Referentin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Frankfurt/Main. „Wenn an der bisherigen Schule das Selbstwertgefühl und das soziale Netz stark beschädigt sind, kann ein Wechsel helfen.” Immerhin bestehe die Hoffnung, dass man an der neuen Schule neue Freunde kennenlernt und so wieder besser lernen kann. Denn bei Mobbing werden oft die Noten schlechter.

Möglicherweise hat man auch Probleme mit dem Unterrichtsstoff. Entweder weil man über- oder unterfordert ist. „Wer merkt, dass er trotz Üben keine wenigstens durchschnittlichen Noten mehr bekommt oder sich im Gegenteil in vielen Fächern langweilt, könnte ebenfalls über einen freiwilligen Schulwechsel nachdenken”, sagt Stefan Drewes, Leiter der Sektion Schulpsychologie des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen in Düsseldorf. Auch wenn die Beziehung zu einigen oder mehreren Lehrern - aus welchen Gründen auch immer - verkorkst ist, könnte ein Wechsel helfen.

Allerdings sollte der Schulwechsel nicht der erste Schritt sein, findet Drewes. „Egal, ob man Probleme mit den Lehrern, den Mitschülern oder dem Unterrichtsstoff hat: Zunächst sollte versucht werden, dies in Gesprächen an der Schule zu klären.” Erst, wenn diese Versuche gescheitert sind, sollte man über einen Wechsel nachdenken.

Dabei klären Jugendliche aber besser, was die Bedingungen dafür sind. Immerhin habe jedes Bundesland eigene Regelungen, sagt Andrea Schwermer von der Kultusministerkonferenz (KMK) in Berlin. „Nicht jede Schule muss jeden Schüler aufnehmen, das ist von verschiedenen Faktoren abhängig.” Deshalb sei es gut, sich bei der eigenen Schule, der Schulbehörde oder der Bezirksregierung zu informieren, unter welchen Konditionen ein Wechsel möglich ist.

Wichtig ist natürlich, sich die neue Schule gut auszusuchen. „Dabei kann helfen, sich vorher aufzuschreiben, was einem wichtig wäre”, rät Schmerr. Dazu könnten bestimmte Fächerschwerpunkte, Förderangebote oder der Stellenwert von sozialem Lernen gehören. Schüler und Eltern der anderen Schule zu befragen, lohnt ebenfalls. So erfährt man, wie die Stimmung dort ist und kann sich eher ein Bild vom Schulalltag machen.

Hat man sich für eine Schule entschieden, kann man im Sekretariat um einen Gesprächstermin mit dem Rektor bitten. Unter Umständen nimmt man dazu besser seine Eltern mit. „In dem Gespräch kann man begründen, dass und warum man an diese Schule wechseln möchte”, sagt Drewes. Allerdings sollte man sich überlegen, was genau man erzählen möchte.

„Hilfreich ist es, sich schon vorher beispielsweise mit den Eltern abzusprechen, wie viel man von der Vorgeschichte preisgeben möchte, gerade wenn es sich um Mobbing handelt”, rät der Schulpsychologe. Lügen bringt wenig. Dennoch könne es sinnvoll sein, nur Teile zu erzählen und so etwas zu sagen wie „An meiner bisherigen Schule ist die Klassenkonstellation ziemlich schwierig und ich möchte an dieser Schule gerne einen Neustart machen”.

Außerdem sollte man sich klar sein, dass sich durch den Wechsel Nachteile ergeben können. „Auch wenn in einem Land dieselben Lehrpläne gelten, können die Lehrer diese in einem gewissen Rahmen flexibel gestalten”, erklärt Schwermer. „Dadurch kann es vorkommen, dass die neue Klasse die Themen in einer anderen Reihenfolge durchnimmt - und man dadurch Stoff aufholen muss.” Und nutzt die neue Klasse andere Bücher, könne es ebenfalls Startschwierigkeiten geben. „Besonders in Fächern, wo die Inhalte aufeinander aufbauen wie bei Mathe oder Vokabeln im Sprachunterricht.” Deshalb informiert man sich vor dem Wechsel besser, auf welchem Lernstand die neue Klasse ist.

Richtiger Zeitpunkt für den Wechsel

Bei einem Schulwechsel kommt es auf den richtigen Zeitpunkt an. „Mitten im Schuljahr zu wechseln, ist eigentlich nicht so gut”, sagt Martina Schmerr von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Wer nach den Ferien wechselt, könne die Auszeit nutzen, um fehlenden Lernstoff nachzuholen.

Der Schulpsychologe Stefan Drewes glaubt jedoch, dass manchmal auch ein schneller Wechsel sinnvoll ist. „Gerade, wenn es Probleme wie Mobbing gibt, kann eine schnelle Entscheidung besser sein.” Dann müsse man sich nicht noch länger Gedanken machen, sondern könne endlich neu beginnen.
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