Frauen mit Zwillingsbrüdern haben verstärkte räumliche Vorstellungskraft

Von: ddp
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Doppeltes Lottchen? Eineiige Zwillinge haben zwangsläufig den selben Vater, zweieiige dagegen nicht. Foto: ddp

Ithaca. Jungen haben Einfluss auf das räumliche Denkvermögen ihrer Zwillingsschwestern. Das hat ein finnisch-amerikanisches Forscherteam in einer Studie festgestellt. Darin sollten Freiwillige dreidimensionale geometrische Formen im Geist drehen.

Frauen mit einem männlichen Zwilling schnitten dabei deutlich besser ab als Frauen mit einer Zwillingsschwester. Dieser Effekt könnte vor allem auf das männliche Hormon Testosteron zurückzuführen sein, das mit verbessertem räumlichem Denken in Verbindung gebracht wird. Weibliche Embryonen mit Zwillingsbrüdern kommen im Mutterleib mit mehr Testosteron in Kontakt, so dass sie eher männertypische Fähigkeiten entwickeln als Frauen mit einer Zwillingsschwester, berichten die Forscher um Eero Vuoksimaa von der Universität in Helsinki im Fachmagazin „Psychological Science” (doi: 10.1177/0956797610376075).

Die Wissenschaftler verwendeten für ihre Studie den sogenannten Test zur mentalen Rotationsfähigkeit (MRT). Dabei müssen zwei- oder dreidimensionale Gebilde im Geist gedreht werden: Die Probanden wählen unter Zeitdruck aus vier in unterschiedlichen Perspektiven abgebildeten Figuren zwei aus, die mit einer Zielfigur übereinstimmen.

Mit dem MRT können Wissenschaftler die Leistungsfähigkeit des räumlichen Denkvermögens einer Person einstufen. Studien zufolge schneiden Männer bei solchen Tests im Durchschnitt etwas besser ab als Frauen. Schon frühere Untersuchungen hatten Hinweise darauf geliefert, dass das männliche Geschlechtshormon Testosteron dabei eine Rolle spielt.

Die Wissenschaftler studierten die Unterschiede im MRT bei 804 Zwillingen mit einem Durchschnittsalter von 22 Jahren. Dazu gehörten 351 Frauen und 223 Männer mit einem gleichgeschlechtlichen Zwilling sowie 120 Frauen und 110 Männer, die einen andersgeschlechtlichen Zwilling hatten. Frauen mit Zwillingsbrüdern schnitten signifikant besser ab als ihre Geschlechtsgenossinnen, die eine Zwillingsschwester hatten, zeigte die Auswertung. Auch Männer mit einem Zwillingsbruder erreichten höhere Punktzahlen als Männer mit einer Zwillingsschwester, allerdings in geringerem Maße. Insgesamt übertrumpften die Männer die Frauen deutlich, was die Forscher auch erwartet hatten.

Für den Bruder-Effekt gibt es zwei Erklärungen, schreiben die Wissenschaftler. Zum einen könnte es sein, dass Frauen unter vorgeburtlichem Testosteroneinfluss in gewisser Weise vermännlichen: Wenn sie in ihrer embryonalen Phase einen benachbarten männlichen Zwilling haben, bekommen sie mehr Testosteron ab, wodurch ihr Gehirn höhere Leistungen bezüglich dreidimensionalen Denkvermögens entwickelt. Andererseits könnte die Ursache für den Effekt jedoch auch im sozialen Bereich liegen. Demnach kommen Frauen mit einem Zwillingsbruder mehr mit männertypischen Aktivitäten in Berührung als Frauen mit einer Zwillingsschwester.

Die Forscher selbst glauben an eine Mischung von vorgeburtlichen hormonellen Gegebenheiten und späteren Umwelteinflüssen: Testosteron wirkt während der Schwangerschaft auf weibliche Föten, so dass diese sich nach der Geburt eher männertypischen Aktivitäten zuwenden und dadurch auch im räumlichen Denken immer besser werden.
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