Frauen erkennen Angst und Ekel schneller als Männer

Von: ddp
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Unbestimmte Angst - Betroffene können aber lernen, ihre Panikattacken in den Griff zu bekommen. Foto: dpa

Montréal. Frauen können Gefühle im Gesicht ihrer Mitmenschen besser deuten als Männer. Das gilt insbesondere für Angst und Ekel: Frauen erkennen diese Gefühle sowohl am Gesichtsausdruck als auch an der Stimme besser und schneller, wie Neurowissenschaftler um Olivier Collignon von der kanadischen Universität Montréal in einer aktuellen Studie gezeigt haben.

Die Forscher ließen die Emotionen dabei durch Schauspieler darstellen. Die Ergebnisse könnten dazu beitragen, psychische Erkrankungen wie Autismus besser zu verstehen, schreiben die Forscher in der Fachzeitschrift „Neuropsychologia” (doi: 10.1016/j.neuropsychologia.2009.09.007).

Um die Wahrnehmung von Gefühlen zu untersuchen, wurden den Probanden bisher meist Fotos von Gesichtern gezeigt, die beispielsweise fröhlich, ängstlich oder wütend schauen. Collignon und sein Team engagierten stattdessen Schauspieler. Diese stellten die Gefühle Angst und Ekel entweder durch ihren Gesichtsausdruck oder durch einen Ausruf dar. „Die Mimik einer anderen Person spielt eine wichtige Rolle bei der Wahrnehmung von Gefühlen. Sie stimuliert auch bestimmte Regionen im Gehirn, die diese Information verarbeiten”, erläutert Collignon.

Die Versuchsteilnehmer - 23 Männer und 23 Frauen zwischen 18 und 45 Jahren - sahen entweder den Gesichtsausdruck der Schauspieler, hörten den Ausruf oder nahmen beides gleichzeitig wahr. Anschließend sollten sie so schnell wie möglich sagen, ob sie bei ihrem Gegenüber Angst oder Ekel wahrgenommen hatten.

Im Vergleich zu Männern erkannten Frauen das Gefühl im Gesichtsausdruck ihres Gegenübers schneller. Auch eine Kombination aus Gesichtsausdruck und Geräusch konnten sie schneller zuordnen. Weiterhin erkannten Frauen die Gefühle schneller, wenn sie statt von einem Schauspieler von einer Schauspielerin dargestellt wurden.

„Bei unserer Untersuchung geht es nicht darum zu zeigen, dass Frauen oder Männer in bestimmten Fähigkeiten überlegen sind”, betont Collignon. „Ziel unserer Forschung ist es, psychische Störungen besser zu verstehen, die sich stark zwischen Männern und Frauen unterscheiden.” Ein wichtiges Beispiel dafür ist Autismus, eine Erkrankung, die wesentlich mehr Männer betrifft als Frauen.

Die Betroffenen haben große Schwierigkeiten, Gefühle bei ihren Mitmenschen zu erkennen. Nach einer kontrovers diskutierten Theorie ist Autismus eine extreme Ausprägung männlichen Verhaltens, das durch ein geringeres Einfühlungsvermögen gekennzeichnet ist. „Die Tatsache, dass Männer Gefühle weniger effizient wahrnehmen und ausdrücken, unterstützt diese Theorie in gewisser Weise”, sagt Collignon.
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