Essen/München - Familienberater vermitteln zwischen Eltern und Großeltern

Familienberater vermitteln zwischen Eltern und Großeltern

Von: Maria Hilt, dapd
Letzte Aktualisierung:
großeltern
In vielen Familien geht der Kontakt zwischen den Generationen weit über gelegentliche Zoobesuche und Geburtstagsvisiten hinaus. Für beide Seiten ist es daher oft schlimm, wenn diese Beziehung plötzlich abgebrochen wird, weil ein Elternteil oder beide dem Enkel den Kontakt zu den Großeltern verbieten. In der Bundesinitiative Großeltern haben sich betroffene Großeltern zusammengeschlossen, um sich gegenseitig zu unterstützen und für die Rechte ihrer Enkel zu kämpfen. Foto: Sascha Schuermann/ ddp/ dapd

Essen/München. Zwischen Großeltern und Enkeln besteht oft eine enge Bindung. In vielen Familien geht der Kontakt zwischen den Generationen weit über gelegentliche Zoobesuche und Geburtstagsvisiten hinaus. Da passen Oma und Opa regelmäßig auf die Kleinen auf, sind für die Kinder Ansprechpartner, wenn es zu Hause Probleme gibt.

Für beide Seiten ist es daher oft schlimm, wenn diese Beziehung plötzlich abgebrochen wird, weil ein Elternteil oder beide dem Enkel den Kontakt zu den Großeltern verbieten. „Die Leute, die bei uns anrufen, verstehen oft die Welt nicht mehr”, sagt Rita Boegershausen von der „Bundesinitiative Großeltern”.

In dem Verband haben sich betroffene Großeltern zusammengeschlossen, um sich gegenseitig zu unterstützen und für die Rechte ihrer Enkel zu kämpfen.

Ein häufiger Grund für die Kontaktsperre sei, dass Sohn oder Tochter mit ihrem Ex-Partner im Clinch liegen und dieser daher den Umgang mit der ganzen Verwandtschaft unterbindet. „Bei uns mehren sich aber auch die Fälle, in denen die eigene Tochter oder der eigene Sohn den Großeltern den Kontakt zum Enkelkind verbieten”, berichtet Boegershausen.

Oft stecke mangelndes Selbstbewusstsein hinter so einem Verhalten. Die Eltern fürchteten, ihr Kind könne die Großeltern mehr lieben als Mama oder Papa, oder der Nachwuchs könne negativ beeinflusst werden. „Aber auch die Großeltern tragen manchmal ihren Teil zu so einem Konflikt bei”, betont Rita Boegershausen.

Situation kann Kinder stark belasten

Wer auch immer an dem Streit zwischen Eltern und Großeltern schuld ist - viele setzen im Kampf um die Macht die Enkel als Druckmittel ein. „Die Kinder erzählen dann beispielsweise, dass sie ihre Großeltern nicht mehr besuchen sollen oder dass sie Oma kein Küsschen mehr geben dürfen”, sagt Boegershausen.

Manche Konflikte gingen so weit, dass den Enkeln verboten werde, ihre Großeltern auf der Straße zu grüßen. Für die Kleinen kann so eine Situation extrem belastend sein. „Viele Eltern und Großeltern wissen gar nicht, was sie mit ihrem Streit bei den Kindern anrichten”, sagt Boegershausen.

Besonders wichtig ist daher, dass die Erwachsenen sich bemühen, den Konflikt untereinander auszutragen - ohne die Kinder mit hineinzuziehen. „Auf keinen Fall sollte man beispielsweise versuchen, hinter dem Rücken der Eltern Kontakt zu den Enkeln aufzunehmen”, betont Hans Dusolt, Leiter der Familienberatungsstelle der Caritas in München-Sendling. Dadurch gerate das Kind in einen schwierigen Loyalitätskonflikt, weil es entweder die Eltern anlügen oder die Großeltern verraten müsste.

An Beratungsstellen wenden

Rita Boegershausen rät betroffenen Großeltern, erst einmal zu versuchen, mit den Eltern des Enkels ins Gespräch zu kommen. „Dazu kann man einen Brief schreiben oder auch Freunde oder Verwandte darum bitten, zwischen den Parteien zu vermitteln”, sagt Boegershausen.

Hans Dusolt weist außerdem darauf hin, dass Großeltern auch die Möglichkeit haben, sich mit solchen Problemen eigenständig an eine Familienberatungsstelle zu wenden. Die Mitarbeiter dort könnten helfen, die Situation besser zu verstehen und auch den eigenen Anteil am Konflikt zu reflektieren.

Schon diese persönliche Klärung könne dazu führen, dass man anders auf die Eltern der Enkel zugehe und sich die Situation entspanne. „Wenn die Betroffenen das möchten, können die Berater außerdem Kontakt zu den Eltern der Enkel aufnehmen und zwischen den Parteien vermitteln”, sagt der Autor des Ratgebers „Oma und Opa können helfen”.

Auch wenn ein Treffen erst einmal nicht möglich ist, können Großeltern versuchen, die Bindung zu ihren Enkeln weiter zu pflegen. Dusolt schlägt vor, mit den Eltern zu sprechen und ihnen zu erklären, dass man ihren Wunsch nach Abstand akzeptiert. „Gleichzeitig kann man aber darum bitten, mit dem Enkel ein Minimum an direktem Kontakt halten zu dürfen - damit das Kind merkt, dass die Großeltern weiter an es denken.”

Vielleicht könne man vereinbaren, dass Postkarten und Päckchen erlaubt sind, oder dass die Großeltern mit ihrem Enkel mailen und telefonieren dürfen. „Man sollte aber unbedingt darauf achten, bei diesen Kontakten mit dem Kind nicht die Eltern zu kritisieren oder zu versuchen, Einfluss zu nehmen”, sagt Dusolt.

Den Enkelkindern die Situation erklären

Kinder spüren meist, wenn in ihrem Umfeld etwas im Argen liegt. „Man sollte den Enkeln daher unbedingt erklären, dass Mama und Oma zurzeit viel streiten und man deshalb auch mit dem Enkel nur wenig Kontakt hat - dass es aber nichts mit dem Kind zu tun hat”, sagt Dusolt.

Denn Kinder tendierten dazu, Konflikte auf sich zu beziehen, und litten dann schnell unter heftigen Schuldgefühlen. Rita Boegershausen empfiehlt Großeltern, die Kontaktsperre nicht zu lange hinzunehmen. Je mehr Zeit vergehe, desto höher sei das Risiko, dass die Enkel negativ beeinflusst werden und es zu einer Entfremdung zwischen Enkeln und Großeltern kommt.

„Man sollte daher auch den baldigen Weg vor Gericht nicht scheuen, wenn alle Versöhnungsangebote ausgeschlagen wurden”, betont Boegershausen. In Deutschland hätten Großeltern ein Recht auf ihre Enkel, so dass der Richter unter Umständen entsprechende Umgangsregelungen anordnen könne.

Grundsätzlich sei es wichtig, dass Betroffene in so einer Situation ruhig bleiben und nicht aufgeben. „Bei uns häufen sich die Wunder - immer wieder berichten Großeltern, dass sie endlich wieder Kontakt zu ihren Enkeln haben dürfen”, berichtet Boegershausen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert