Familien sparen am Urlaub

Von: Carla Stephan, ddp
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Urlauber können in Zukunft noch leichter nachhaltige Reisen finden. Auf der Internationalen Tourismus-Börse ITB (noch bis 11. März) in Berlin wurden erstmals acht Reisebüros mit dem CSR-Siegel für Nachhaltigkeit und Unternehmensverantwortung im Tourismus ausgezeichnet, das von der Organisation TourCert vergeben wird. Foto: dapd

Düsseldorf. Sie schmücken ihre Schaufenster mit Hängematten, weiß-blau gestreiften Schiffchen oder Strandkörben. Doch bislang sind die Anstrengungen der Reisebüros in Nordrhein-Westfalen kaum von Erfolg gekrönt, wie eine Umfrage ergab. Angesichts der Wirtschaftskrise zögern viele Menschen im Land bei der Buchung des Sommerurlaubs.

„Derzeit ist es ziemlich ruhig, um es positiv auszudrücken”, sagt der Inhaber eines Gelsenkirchener Reisebüros, der anonym bleiben möchte. Die Menschen sorgten sich um ihren Arbeitsplatz, Kurzarbeit sei bei vielen bereits an der Tagesordnung. Da werde lieber gespart, als Geld für den Urlaub ausgegeben. In seinem Reisebüro seien die Buchungen um rund 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum eingebrochen. „So etwas habe ich in meiner bislang 15-jährigen Tätigkeit in der Branche noch nie erlebt”, sagt der Mann bedrückt.

Auch die Kunden, die sich für eine Reise entschieden, schauten kritisch auf die Preise. „Es wird gezielt nach Angeboten gefragt”, berichtet der Reisebüroleiter. Preisgünstige Reisen stünden in der Gunst der Kunden ganz oben. Das bestätigt auch der Bereichsleiter einer kleinen Reisebürokette im zentralen Ruhrgebiet. In diesem Jahr planten besonders viele Kunden eine Reise mit dem eigenen Auto und verzichteten auf Flugreisen in entferntere Länder. „Das hat sicherlich Kostengründe”, betont der Bereichsleiter.

Das Reisebüro Brüggemann in Münster hat hingegen ganz andere Erfahrungen gemacht. „Bei uns ist derzeit vor allem das hochpreisige Segment beliebt”, sagt Mitarbeiterin Gaby Deitermann. Vor allem Kreuzfahrten, Golfreisen und Cluburlaube liefen trotz Krise gut. Das Geschäft mit Familienreisen sei hingegen regelrecht eingebrochen. Ähnliches hat Frank Tholen, Inhaber eines Paderborner Reisebüros, beobachtet. „Die Familien mit Kindern sind am zögerlichsten”, berichtet er. Sie sorgten sich offenbar am stärksten darum, wie es mit der Arbeit weitergehe. Leute ab 55 Jahren sähen die Krise hingegen gelassener, sagt Tholen. Selbst wenn in ihren Unternehmen Stellen abgebaut würden, hätten sie durch Sozialpläne oft gute Chancen, ihren Arbeitsplatz zu behalten. Außerdem hätten ältere Leute meist mehr Geld auf die hohe Kante gelegt als jüngere und könnten sich daher auch in schwierigeren Zeiten eher einen Urlaub leisten.

Trotz der verbreiteten Klagen der Reisebüros habe die Branche durchaus Grund, nicht allzu pessimistisch auf das Sommergeschäft zu schauen, sagt Sibylle Zeuch vom Deutschen Reiseverband. Denn die Tendenz sei positiv: Während sich die Kunden im Januar noch zurückgehalten hätten, habe die Nachfrage in den vergangenen Wochen deutlich zugenommen. „Die Deutschen wollen einfach nicht auf ihren Sommerurlaub verzichten”, ist Zeuch überzeugt.

Darauf hofft auch Frank Tholen. Er setzt wie viele seiner Kollegen darauf, dass sich die Menschen in Nordrhein-Westfalen wenigstens von Last-Minute-Angeboten verführen lassen. Die Kunden, die sich auf Reiseschnäppchen in letzter Minute freuten, könnten allerdings in diesem Jahr eine böse Überraschung erleben, warnt Tobias Jüngert, der Pressesprecher der Rewe Touristik Gesellschaft in Köln. „Reisen in bestimmte Regionen werden sicherlich knapp, weil viele Fluglinien ihre Kapazitäten gekürzt haben”, sagt Jüngert. Eine regelrechte Preisschlacht der Anbieter, von der die Kunden profitieren könnten, werde es daher wohl nicht geben.
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