Erstgeborene neigen zum Wetteifern und zum Misstrauen

Von: ddp
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Vater Kinder Familei
Ein Vater und seine Tochter, aufgenommen bei einem Spaziergang in einem Park in Frankfurt (Oder). Foto: dpa

Washington. Diskutiert wird es schon seit den Tagen Sigmund Freuds, jetzt hat es ein britisch-französisches Forscherteam in einer Studie bestätigt: Erstgeborene sind weniger vertrauensselig, weniger kooperativ und deutlich konkurrenzbewusster als ihre jüngeren Geschwister.

Dahinter könnte der Verlust der elterlichen Aufmerksamkeit stecken, der bei der Ankunft jüngerer Brüder und Schwestern unweigerlich einsetzt, spekulieren Alexandre Courtiol von der französischen nationalen Forschungseinrichtung CNRS und seine Kollegen: Er führe vermutlich dazu, dass die älteren Kinder beginnen, stärker darum zu wetteifern und weniger zu kooperieren. Über die Arbeit der Wissenschaftler berichtet der Onlinedienst des Fachmagazins „Science”.

417 College-Studenten nahmen an der Studie teil. Sie bekamen zu Beginn einen Betrag von 3 Euro, den sie entweder behalten oder einem Partner zur Verfügung stellen konnten. Dieser verdreifachte das Geld und konnte dann entscheiden, wie viel er dem ursprünglichen Investor auszahlte. Die Idee dahinter: Der Betrag, den die Spieler am Anfang investieren, spiegelt ihre Vertrauensseligkeit wider - schließlich kann der Partner ihnen auch gar kein Geld zurückgeben. Umgekehrt ist der Betrag, den der Empfänger dem Investor wieder zurückgibt, ein Maß für die Bereitschaft, sich gegenseitig anzuerkennen.

Unter den Teilnehmern gab es 178 Erstgeborene, 125 jüngste Geschwister, 48 Probanden mit sowohl älteren als auch jüngeren Geschwistern und 66 Einzelkinder. Die Gruppe der Erstgeborenen unterschied sich dabei deutlich von den anderen, entdeckten die Forscher: Sie investierten ganze 25 Prozent weniger, wenn sie die anfängliche Entscheidung treffen sollten.

Spielten sie die Rolle des Partners, der einen Betrag nach Erhöhung zurückgeben sollte, waren sie ebenfalls weniger großzügig - sie ließen dem Investor zwischen 22 und 29 Prozent weniger Geld zukommen als die Vergleichsgruppen. Interessanterweise unterschieden sich Einzelkinder nicht von mittleren oder jüngeren Geschwistern, berichten die Forscher.

Vor allem letzteres spreche dafür, dass tatsächlich die Aufmerksamkeit der Eltern der entscheidende Faktor sei, betonen Courtiol und seine Kollegen: Einzelkinder erleben die Aufteilung der Zuwendung nicht, die in Familien mit mehr Kindern der Geburt jüngerer Geschwister folgt, und sie zeigen folglich auch nicht die damit einhergehende Veränderung des Verhaltens.

Andere Wissenschaftler favorisieren allerdings andere Erklärungen für den Effekt: Es könnte beispielsweise sein, dass Erstgeborene das Kooperieren, Kompromisseschließen und Vertrauen gar nicht lernen, weil es für sie die ersten Lebensjahre nicht nötig ist - schließlich sind sie entweder allein oder ihren jüngeren Geschwistern körperlich und geistig überlegen, glaubt der Kanadien Del Paulhus von der University of British Columbia.

Es könnte sich jedoch auch einfach nur um einen Unterschied in der Risikobereitschaft handeln, vermutet der kalifornische Evolutionsbiologe Frank Sulloway: Kooperation beinhaltet immer ein gewisses Risiko, und das sind jüngere Geschwister häufig eher bereit einzugehen als ihre älteren Brüder und Schwestern.
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