Erfolgreiche Bildung beginnt in der Familie

Von: Dorothea Hülsmeier, dpa
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Düsseldorf. Schon im Mutterleib hört das Ungeborene Mozart, mit einem Jahr beginnt die musikalische Früherziehung, spätestens mit zweieinhalb soll das Kind Englisch lernen. Oder besser gleich Chinesisch? Bildung ist das Schlüsselthema der Zukunft.

Möglichst früh sollen Kinder lernen, um später als Erwachsene starke Persönlichkeiten zu werden und zu den Besten zu gehören. Gleichzeitig aber verlassen immer mehr Schüler ohne Abschluss die Schule, schafft ein Heer von Jugendlichen nur noch mit Nachhilfe das Klassenziel.

Was ist das Geheimnis erfolgreicher Bildung? Jenseits aller aktueller Schulreformdebatten haben sich mit dieser Frage bei einer Wochenend-Tagung des Familiennetzwerks in Düsseldorf internationale Pädagogen, Soziologen, Neurobiologen beschäftigt. Und sie alle kommen immer auf einen Kern: die Familie.

„Ohne Bindung keine Bildung”, lautet das Motto des kanadischen Entwicklungspsychologen Prof. Gordon Neufeld. Viele Kinder seien nicht mehr in der Lage, aus Fehlern zu lernen oder widersprüchliche Gedanken oder Gefühle zu verarbeiten.

„Diese Kompetenzen sind nicht angeboren, sondern die Frucht einer gesunden Entwicklung”, sagt Neufeld. „Nur ein Kind, das traurig und enttäuscht ist, wird aus seinen Fehlern lernen.” Die Eltern müssten auch „Nein” sagen können, das Kind zugleich aber trösten. Fit für die Gesellschaft würden Kinder nicht durch die Schule, sondern durch starke Bindungen.

Bildungsprogramme schon für die Allerkleinsten sind nach Ansicht des Soziologen Prof. Tilman Allert von der Universität Frankfurt jedenfalls nicht der Weg zum Erfolg. Der Tempodruck auf das Kind werde erhöht, der individuelle Entwicklungsprozess nicht mehr wahrgenommen. „In den Monaten, wo das Kind gleichzeitig Englisch und Chinesisch lernen soll, will es sich aber vielleicht lieber mit dem Feuersalamander beschäftigen”, so Allert.

Stattdessen mache sich in den Elternhäusern „hektische Betriebsamkeit” breit. „Tausche Zuwendung gegen Bildungserfolg”, laute das Geschäft. „Nicht ein Lächeln, sondern Note oder Zertifikat” würden von den Kindern erwartet. Statt der eigenen Erfahrung zu vertrauen, würden viele Eltern heutzutage zu wissenschaftlichen „Experten der Elternschaft”. „Weisheit gibt es heute nur noch mit Institutsadresse”, sagt Allert. „Im Bildungsprozess muss man aber eine Toleranz gegenüber der Unvollkommenheit entwickeln”, so der Soziologe.

Und noch etwas beeinflusst nach Ansicht Allerts den Entwicklungsprozess der Kinder negativ: die fehlende Langeweile. „Kinder sind heute nicht mehr in der Lage, Langeweile als Bestandteil des menschlichen Lebens zu akzeptieren.”

Der Hirnforscher Prof. Kristian Folta von der Universität Hildesheim befasst sich mit dem Effekt von Stress auf Lernen und Denken der Kinder. Sein Fazit: „Es ist nicht sinnvoll, in den ersten drei Lebensjahren gezielt zu fördern.” Wesentlich für das kindliche Gehirn in dieser Zeit sei vielmehr, „das Unnütze, was es nicht braucht, abzubauen”. Denn in den ersten 36 Lebensmonaten würden nicht benötigte Nervenverbindungen verschwinden, damit anschließend die Gehirnstruktur optimal vernetzt ist.

Frühkindlicher Stress in dieser Zeit sei gefährlich für die Neubildung von Nervenzellen und verursache irreversible Schäden mit bedeutenden Langzeitfolgen für die Bildungsfähigkeit. Denn für bestimmte Areale der Entwicklung des Gehirns schließe sich das Zeitfenster nach den ersten drei Lebensjahren. Foltas Tip: Das Kleinkind nicht Vokabeln pauken lassen, sondern spielerisch mit einer Fremdsprache konfrontieren.
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