Dortmund - Elisabeth Limmer leitet das Kindermuseum „Mondo Mio”

Elisabeth Limmer leitet das Kindermuseum „Mondo Mio”

Von: Ulrich Breitbach, ddp
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Interkultureller Ansatz: Elisabeth Limmer leitet das Kindermuseum „Mondo Mio”. Foto: dpa

Dortmund. Direkt am Eingang der Dortmunder Kindermuseums „Mondo Mio” (Meine Welt) steht eine knallbunte Fahrrad-Rikscha aus Bangladesch, die dort als mobiles Arbeitsamt gedient hat. „Bei uns steht sie für den Aufbruch”, sagt Leiterin Elisabeth Limmer. „Kinder können dort hineinklettern und symbolisch in die Welt radeln.”

Seit Ende 2007 leitet 46-Jährige das Museum, das bundesweit „einzige mit einem interkulturellen Ansatz”, wie sie erklärt. Dass das Museum in Dortmund steht, ist kein Zufall, leben in der Ruhrgebietsstadt doch Menschen aus rund 145 Nationen. Die multikulturelle Gesellschaft ist hier Realität. „Das ist der Ausgangspunkt für unsere Arbeit. Wir wollen den Kindern zeigen, dass das, was uns - Deutsche und Migranten - verbindet, sehr viel mehr ist, als das, was uns trennt”, erklärt Limmer die Aufgabe ihrer Einrichtung im Westfalenpark.

Der Begriff „Museum” ist dabei etwas irreführend. Denn hier soll niemand in ehrfurchtsvoller Betrachtung vor Ausstellungsstücken erstarren. Im Gegenteil: „Die Kinder sind aufgefordert, selbst etwas Neues auszuprobieren.” Das machen sie mit Hingabe und einiger Lautstärke. „Oft ist das ein Lärmpegel wie im Schwimmbad”, erklärt Limmer.

Im Kindermuseum „Mondo Mio” können Jungen und Mädchen auf Entdeckungsreise um die Welt gehen. Sie erfahren im afrikanischen Einraumhaus, wie es ist, mit der ganzen Familie auf engstem Raum zu wohnen, ohne Badezimmer und Toilette. Oder sie können in einem exotischen Kaufladen Kleider kaufen und anziehen und in der Hütte nebenan Nahrungsmittel verarbeiten. Auch ein Leben ohne fließendes Wasser können sie erfahren. Mit großen Gefäßen, in denen blaue Säckchen je einen Liter der kostbaren Flüssigkeit darstellen, probieren die jungen Besucher aus, welche Mühsal Gleichaltrige etwa in Indien auf sich nehmen müssen, damit die Eltern kochen, waschen und Getreide anbauen können.

„Neugierig machen auf andere Kulturen und Lebenswelten”, diesem Motto hat sich „Mondo Mio” verschrieben. Zum Angebot gehören auch Projekte für Schulklassen wie „Kulturreisen”, in denen die großen Einwanderungskulturen vorgestellt werden. „Es beginnen da auf einmal Kinder zu sprechen, die in der Schule vorher nie den Mund aufgemacht haben”, berichtet Limmer.

Für ihre Leitungsposition bringt die Mutter eines zehnjährigen Sohnes unter anderem eine wichtige Voraussetzungen mit. „Ich kann gut mit Kindern, wieso, weiß ich nicht”, sagt sie. Als akademisch ausgebildete Bildhauerin hat sie zunächst mit Erwachsenen museumspädagogisch gearbeitet und ist dann „aus Leidenschaft und Zufall” an die Kindermuseen geraten.

Sie war in Wien und Nürnberg und auch als Vorsitzende des Bundesverbandes deutscher Kinder- und Jugendmuseen tätig. Die Eigenschaft, die vielleicht die Wichtigste für ihre Arbeit ist, erwähnt sie fast beiläufig: „Ich möchte jedes Kind in seiner ganzen Persönlichkeit ernst nehmen.”

Der Dortmunder Kulturdezernent Jörg Stüdemann ist „froh, dass wir die anerkannte Fachfrau hierherbekommen haben”. Für ihn nimmt „Mondo Mio” eine äußerst wichtige Aufgabe wahr: „Mehr als 50 Prozent der Kinder in Dortmund und im Ruhrgebiet stammen aus Migrantenfamilien. Das Zusammenleben in kultureller Vielfalt wird damit zur bestimmenden Erfahrung.”

30.000 Besucher finden jedes Jahr den Weg ins Dortmunder Kindermuseum und entdecken spielerisch das Fremde, das uns, aus der Nähe betrachtet, doch oft sehr ähnlich ist. Zusätzlich zur finanziellen Unterstützung durch die Stadt wünscht sich Leiterin Limmer noch „ein paar Sponsoren”. Bei den Kindern kommt das Angebot offenbar gut an. So schrieb der neunjährige Robin ins Besucherbuch: „Ich fand es total toll hier, es war das beste Museum, in dem ich bisher war.”
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