Bonn/Langenhagen - Eizellen auf Eis: Perspektiven bei Kinderwunsch

Eizellen auf Eis: Perspektiven bei Kinderwunsch

Von: Melanie Löw, ddp
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Eizellen zur späteren Befruchtung sollten etwa bis zum 32. Lebensjahr entnommen werden, da später die Qualität abnehmen kann. Foto: ddp

Bonn/Langenhagen. Das Kinderkriegen wird von vielen Frauen immer wieder verschoben. Mit zunehmendem Alter nimmt die Fruchtbarkeit allerdings ab.

Bislang konnten Frauen diese natürlichen Grenzen der Familienplanung umgehen, indem sie ihre befruchteten Eizellen in jungen Jahren einfrieren ließen. Nun können durch eine Weiterentwicklung bei dieser sogenannten Kryokonservierung auch unbefruchtete Eizellen eingefroren und über mehrere Jahre gelagert werden. Zum Zeitpunkt der Eizell-Entnahme ist ein Partner als Samenspender also nicht mehr notwendig.

„Bislang lag die Erfolgsquote höher, wenn Eizellen im sogenannten Vorkernstadium eingefroren wurden - also dann, wenn Spermium und Eizelle bereits vereint sind, eine richtige Verschmelzung aber noch nicht stattgefunden hat”, erläutert Klaus Bühler, Gynäkologe und Reproduktionsmediziner am Kinderwunschzentrum Langenhagen. Durch die Verbesserung der Verfahren des Einfrierens sei die Erfolgsquote nun auch bei den unbefruchteten Eizellen deutlich gestiegen.

Ob eine Eizell-Entnahme sinnvoll sei oder nicht, müsse im Einzelfall geklärt werden, sagt Bühler. Auf keinen Fall eigne sich dieses Verfahren aber für Frauen, bei denen keine funktionsfähigen Eizellen mehr zur Verfügung stehen. Wer sich dazu entschließe, sich Eizellen entnehmen zu lassen, sollte außerdem nicht zu lange warten - denn hier spielt das Alter der Frau eine wichtige Rolle, wie Bühler erläutert: „Die Eizellen sollten etwa bis zum 32. Lebensjahr entnommen werden, ansonsten kann die Qualität der Eizellen abnehmen.”

Vor der Entnahme der Eizellen müssen sich die Frauen hormonell behandeln lassen. Der Eingriff selbst erfolgt unter kurzzeitiger Vollnarkose über den Vaginaltrakt. Die Zellen werden dabei mittels einer Punktionsnadel entnommen.

Die Entnahme von Eizellen zähle in Deutschland seit Jahren zu den Routineverfahren, sagt Bühler - dementsprechend gering sei auch die Anzahl der Komplikationen bei dem operativen Eingriff. Mögliche Probleme nach dem Eingriff könnten zum Beispiel innere Blutungen im Bauchraum oder Darmverletzungen sein. „Bei etwa 40.000 Eizell-Entnahmen in Deutschland im Jahr 2008 mussten aber nur vier Patientinnen im Anschluss stationär behandelt werden”, sagt Bühler.

Nach der Entnahme und einer Gefrierschutzmittel-Behandlung werden die Eizellen in flüssigem Stickstoff eingefroren und gelagert. „Sie befinden sich während der Kryokonservierung in einem biologischen Ruhezustand”, erklärt der Reproduktionsbiologe Professor Markus Montag vom Universitätsklinikum Bonn. Auf diese Weise halten sich die Zellen über Jahre, ohne zu altern.

Klaus Bühler kann das an einem Beispiel aus seiner Praxis bestätigen: „Ich habe eine Patientin, die mit 44 Jahren eine zwölf Jahre lang eingefrorene Eizelle eingesetzt bekam und die jetzt schwanger ist.”

Die gesetzlichen Krankenkassen beteiligen sich in der Regel nicht an den Kosten für eine Eizell-Entnahme und die Lagerung. „Für die Hormonstimulation, die Narkose, die Entnahme, das Einfrieren und die Lagerkosten können bei diesem Verfahren alles in allem um die 2000 bis 3000 Euro zusammenkommen”, sagt Bühler.

Die Chancen auf eine Schwangerschaft nach der Kryokonservierung seien gut, sagt Reproduktionsbiologe Montag: „Wir können in Deutschland aufgrund gut geführter Statistiken sagen, dass das Einfrieren den Eizellen nicht schadet.” So lägen die Chancen für eine Schwangerschaft nach einem Transfer von Embryonen aus kryokonservierten Eizellen mit knapp 20 Prozent nur leicht unter der Schwangerschaftsrate von 28 bis 30 Prozent bei der künstlichen Befruchtung frischer Eizellen.

Die Erfolgsaussichten, nach einer künstlichen Befruchtung ein Kind zu bekommen, gingen allerdings mit zunehmendem Alter zurück, betont Klaus Bühler. Eine klar definierte Altersgrenze zum Wiedereinsetzen der Eizellen gebe es jedoch nicht.

Das Einfrieren unbefruchteter Eizellen ist in Deutschland noch eine relativ neue Methode. „Junge Frauen, bei denen aufgrund einer Krebserkrankung eine Chemo- oder Strahlentherapie ansteht und bei denen nicht ausgeschlossen werden kann, dass ihre Eierstöcke durch die Behandlung geschädigt werden, wird oft empfohlen, dieses neue Verfahren zu nutzen”, sagt Klaus Bühler. So könnten sie sich auch ohne Partner eine Chance auf Kinder bewahren.

„Viele an Krebs erkrankte Frauen wissen gar nicht, dass sie diese Möglichkeit haben, weil häufig vergessen wird, sie darauf hinzuweisen”, betont Markus Montag. Betroffenen Frauen rät er daher, sich an den Frauenarzt oder an das Netzwerk für fertilitätsprotektive Maßnahmen bei Chemo- und Strahlentherapie zu wenden, die ihnen bei der Suche nach geeigneten Ansprechpartnern helfen können.

Klaus Bühler ist allerdings sicher, dass Frauen sich künftig auch aus anderen Gründen zu einer Eizell-Entnahme entschließen werden und dass die Nachfrage in den kommenden Jahren steigen wird: „Dabei werden auch Motive wie eine schwere Krankheit des Partners, die den Kinderwunsch zu diesem Zeitpunkt nicht ermöglicht, oder sicherlich auch die Karriere eine Rolle spielen.”

Bei der künstlichen Befruchtung werden generell zwei verschiedene Methoden angewendet:

Bei der In-vitro-Fertilisation (IvF) werden der Frau nach Hormonstimulation mehrere Eizellen entnommen. Diese Zellen werden im Anschluss mit dem Sperma des Partners befruchtet - dabei muss das Sperma selbst den Weg in die Eizelle finden.

Etwas anders verhält es sich bei der Intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI). Zunächst werden hier wie bei der IvF Eizellen gewonnen. Im nächsten Schritt wird das Spermium aber mittels einer Kanüle direkt in die Eizelle eingespritzt.

Die befruchtete Eizelle wird bei beiden Verfahren anschließend im 4-Zell-Stadium zwei Tage nach der Befruchtung oder im Blastozysten-Stadium fünf Tage nach der Befruchtung in die Gebärmutter eingesetzt.

(Quelle: Deutsches IVF Register e.V.)

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