Hannover - Einmal wieder Kind sein: Männerträume werden wahr

Einmal wieder Kind sein: Männerträume werden wahr

Von: Güngör Öztürker, dpa
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Männer Spielwarenladen
Nach Ladenschluss strömten sie in einen Spielwarenladen in Hannover: Beim Tipp-Kick, Tischfußball oder an der Carrera-Bahn ließen rund 40 Männer ihrem Spieltrieb bis Mitternacht freien Lauf. Foto: dpa

Hannover. Männer wollen doch im Grunde nur das eine - spielen. Und diesen Traum verwirklichen sie in einem Spielwarenladen in Hannover. An der Carrera-Bahn, am Fußballtisch oder am Funk-Hubschrauber dürfen gestandene Kerle für einige Stunden wieder Kind sein.

Jürgen Pralle beugt sich ganz nah über den Tipp-Kick-Tisch. Daumen und Mittelfinger des 64-Jährigen umschließen die kleine blaue Figur. Pralle blickt konzentriert auf das gegnerische Tor, hebt den Zeigefinger, tippt auf den Kopf der Figur, die sofort das Bein gegen den kleinen schwarz-weißen Ball tritt. Treffer. 1:0 für ihn und seinen Mitspieler Wolf-Dieter Kaune (50).

Kurz nach Ladenschluss geht es Schlag auf Schlag im ersten Stock eines Spielwarenladens in Hannover. „Acht, sieben, sechs, fünf”, zählt Schiedsrichter Klaus Netzel die verbleibenden Sekunden runter. Halbzeit. Seitenwechsel. Siebeneinhalb Minuten geben die beiden Spieler wieder alles, schmettern das zweite Tor ins Netz und gewinnen mit 2:0.

„Ich fühle mich ein wenig in meine Kindheit versetzt. Aber ein bisschen Ehrgeiz muss man ja entwickeln, sonst macht es keinen Spaß”, sagt Pralle nach dem Spiel. Er und Kaune sind an diesem Abend nur zwei von etwa 40 Männern, die bis Mitternacht auf drei Ebenen zwischen den Regalen an der Carrera-Bahn, am Billardtisch und mit Modellflugzeugen spielen. An elf Stationen werfen, fahren, kickern und pokern sie, was das Zeug hält.

Die Idee zu diesem Männerabend hatte der Geschäftsführer des Ladens, Heinz Lehmann. „Hier kamen immer sehr viele Männer mit ihren Kindern rein, die sagten, hier möchte ich eine Nacht mal übernachten und spielen.” Gesagt, getan. Der Erfinder organisiert so oft es geht den Männerabend, der Wünsche wahr werden lässt.

Der Altersdurchschnitt der „ausgewachsenen Kinder” liegt im Schnitt zwischen 30 und 60 Jahren. An diesem Abend gehört Philipp Pardigal zu den Jüngsten. Der 22-Jährige lässt im Erdgeschoss einen kleinen Funk-Hubschrauber in der Luft kreisen. „Man muss den Flieger so lange wie möglich in der Luft halten”, erklärt er. Mit fast zwei Minuten legt er die Messlatte für seine erwachsenen Spielkameraden sehr hoch.

Die Begeisterung ist Pardigal förmlich ins Gesicht geschrieben. „Ich wollte schon immer im Spielwarenladen eingeschlossen werden”, sagt er lachend im Anschluss. Den Abend verdankt er seiner Freundin, die ihm diesen Ausflug ins Reich der Kinder geschenkt hat.

Wenige Meter entfernt rasen die Autos auf der sieben Meter langen Carrera-Bahn. Am Start Sven Seißelberg (32), Wolfgang Schulze (64) und Dionissios Boutsakis (42). Die Anlage ist mit allem Schnick-Schnack ausgestattet: Boxengasse, Spurenwechsler, Rundenzähler und einem Laptop, der zeigt, wer wie viele Runden gedreht hat. „Ich hatte eine alte Carrera-Bahn ohne Computer”, berichtet Seißelberg.

Sieben Minuten lang lassen die drei ihre Augen nicht von den Wagen, beißen auf die Lippen, schlagen die Hand vor den Mund. Seißelberg setzt sich mit 151 Runden durch. Um kurz nach Mitternacht schließlich endet der Ausflug der Männer in die Welt der Kinder.
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