Ein Umgangskalender für Scheidungseltern

Von: Rolf Stegemann, epd
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Seit Mai 2009 ist das von Anwalt Jörg Daube entwickelte Dialogportal „umgangskalender.de” mit rund 120 Nutzern online. Foto: ddp

<b>Essen. </B>„Das ist ja wieder typisch!” Bei Anna Joisten und Bernd Feldmann (Namen geändert) fliegen mal wieder die Fetzen. Das Paar lebt seit drei Jahren getrennt, hält aber weiterhin Kontakt - wegen der Kinder - und landet dabei regelmäßig im altbekannten Beziehungschaos.

Das müsse nicht sein, meinen Familienanwälte, Mediatoren und Berater. Sie bieten Ex-Paaren zahlreiche Tipps für die stressfreie Organisation des Umgangs mit ihren Kindern an, bis hin zu einem gemeinsamen Kalender im Internet.

Sabine Zurmühl von der Bundesarbeitsgemeinschaft für Familien-Mediation setzt auf den direkten Dialog. Umgangsregeln mit den Kindern sollten im Beratungsgespräch gemeinsam erarbeitet werden, rät sie. Wer nimmt wann die Kinder, wer richtet den nächsten Kindergeburtstag aus?

Das sind Alltagsfragen getrennter Paare. Aber wenn sie geklärt werden sollen, kommen nach Zurmühls Erfahrung immer wieder Konflikte und Ängste hoch, Vorwürfe werden laut. Ein Vermittler kann helfen, ein Grundmuster der Vereinbarung über den Umgang mit den Kindern zu finden.

Für Eltern, die die persönliche Begegnung scheuen, hat der Essener Familienanwalt und Mediator Jörg Daube das Internet-Portal umgangskalender.de entwickelt. Seine Idee: Über eine Art virtueller Pinnwand tauschen Trennungseltern online Informationen aus und treffen Vereinbarungen über die Termine mit ihren Kindern - alles sachlich und ohne nervende Nörgeleien, wie der Jurist versichert.

Hier könnten Adressen von Kinderärzten, wichtige Schulinfos oder die Kleidergröße der Sprösslinge hinterlegt, aber auch die Termine am Wochenende verabredet werden. Im Blick auf Ferien etwa tragen beide Elternteile ihre Wunschtermine ein. Der Kalender zeigt an, wann Übereinstimmungen bestehen und welche Termine nochmal geklärt werden müssen. Über neue Einträge in den Umgangskalender wird der Ex-Partner sofort per Mail informiert.

Sorgen um den Datenschutz müsse sich niemand machen, versichert Daube. Der passwortgeschützte Informationsaustausch erfolge über eine verschlüsselte Leitung.

Seit Mai läuft die Pilotphase, an der interessierte Eltern kostenlos teilnehmen können. Im Normalbetrieb soll die Nutzung dann fünf Euro pro Elternteil und Monat kosten.

„Wir bringen den traditionellen Familienkalender für denjenigen ins Internet, der nach der Trennung nicht mehr am Kühlschrank vorbeikommt”, sagt der 53-jährige Familienanwalt und Patchwork-Vater. Die Kinder würden nicht mehr als Boten missbraucht nach dem Motto „Sag doch mal der Mama...”. Die Kommunikation zwischen den Scheidungseltern könne auch ohne aufwühlende Treffen funktionieren.

Der Bedarf ist groß: Knapp 192.000 Paare ließen sich nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im vergangenen Jahr scheiden. Bei jeder zweiten Trennung waren minderjährige Kinder mit betroffen, insgesamt 150.000. Und mit dem Ende der Partnerschaft gehen meist Enttäuschung, Trauer, Streit und Vorwürfe einher.

Berater sehen in dem interaktiven Umgangskalender durchaus Potenzial zur Konfliktentschärfung. „Er bietet eine gute Möglichkeit für Eltern, die im Gespräch bleiben wollen, bei denen sich aber Konflikte immer wieder an Kleinigkeiten entzünden”, sagt Edith Weiser, Geschäftsführerin des Verbands alleinerziehender Mütter und Väter in Nordrhein-Westfalen.

Für „hoch zerstrittene Paare” sei ein solches Internetangebot jedoch keine Lösung, urteilt Juliane Arnold, Leiterin der evangelischen Familienberatungsstelle in Köln. „Diese Art struktureller Hilfe wird wenig erfolgreich sein, wenn nicht die Konflikte gelöst werden.”

Erst wenn ein Grundmuster für den künftigen Umgang vereinbart wurde, „kann es mit Hilfe eines solchen Kalenders vielleicht hilfreich sein, die tägliche Verwaltung dieser Termine vorzunehmen”, räumt auch Sabine Zurmühl ein. Damit nicht wieder die Fetzen fliegen wie bei Anna und Bernd.
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