Ein Stück Südsee im Wohnzimmer: Palmen für zu Hause

Von: Dorothée Waechter, dpa
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Palmen, hier eine Senegal-Dattelpalme (Phoenix reclinata), sind der Inbegriff für tropische Bepflanzung - sie können aber auch im heimischen Wohnzimmer gedeihen. Foto: dpa

Frankfurt/Main. Sommer, Palmen und Strand - wer träumt davon nicht, wenn es draußen neblig und nasskalt wird? Bis zum nächsten Badestrand muss man im Winter weit fliegen. Palmen dagegen kann man sich vom Händler um die Ecke in die Wohnung holen - und damit auch bisschen sommerliches Flair.

„Palmen stammen aus den Tropen und sind für uns der Inbegriff einer tropischen Bepflanzung”, sagt Hilke Steinecke, wissenschaftliche Betreuerin des Pflanzenbestandes im Palmengarten von Frankfurt am Main. Es gibt die verschiedensten Formen: Kleinbleibende Arten wie die Bergpalme (Chamaedorea), Arten mit gefiedertem Laub wie die Goldfruchtpalme (Chrysalidocarpus) und solche mit gefächertem Laub wie die Steckenpalme (Raphis).

Die Pflanzen brauchen gute Lebensbedingungen im Wohnraum: „Die Temperaturen im Zimmer sollten nicht dauerhaft unter 15 Grad sinken, sondern in einem Schwankungsbereich von etwa 15 bis 22 Grad liegen”, rät Wolfgang Kawollek, Technischer Leiter der botanischen Lehr- und Versuchsanlagen der Universität Kassel. Die meisten Palmen vertragen es nicht, wenn nachts regelmäßig die Raumtemperatur abgesenkt wird.

„Wenige Arten, die in den Subtropen oder höheren Gebirgslagen heimisch sind, vertragen kühle Standorte”, erläutert Steinecke. Zu ihnen zählen etwa die Chinesische Hanfpalme (Trachycarpus fortunei), die aus dem Himalaya stammt, und die Europäische Zwergpalme (Chamaerops humilis), die auf den Balearen und in Italien vorkommt.

„Grundsätzlich wachsen Palmen in offenen Bereichen”, sagt Till Hägele, Abteilungsleiter für die Gewächshäuser im Botanischen Garten München. Daher sind sie lichthungrig. Hägele rät zu einem Standort am West-, Ost- oder Südfenster. „Nordfenster sind ungeeignet.” Ausnahmen gibt es aber auch: „Palmen aus Bergregionen wie die Bergpalme (Chamaedorea) vertragen keine pralle Sonne”, sagt Botanikerin Hilke Steinecke. „Sonst kann es zu Verbrennungen kommen.”

Zum Überleben brauchen die Palmen laut Kawollek grundsätzlich eine Beleuchtungsstärke von 1000 Lux, zum Wachsen die doppelte Beleuchtungsstärke. Dabei müsse man aber berücksichtigen, dass Fensterglas und Vorhänge eine Menge Licht schlucken. „Wer keine großen Fenster hat, gleicht den Lichtmangel mit einer Zusatzbelichtung aus”, rät der Pflanzenexperte.

Geeignet seien spezielle Pflanzenleuchten oder handelsübliche Neonröhren. Steinecke rät Hobbygärtnern zudem zu einer Faustformel: Je wärmer der Raum, in dem die Palme steht, desto mehr Licht braucht sie.

Ein gewisses Maß an Luftfeuchtigkeit fördert die Gesundheit und das Wachstum der Palmen. „Eine relative Luftfeuchtigkeit von 40 Prozent sollte nicht unterschritten werden”, rät Kawollek. „Die Fischschwanzpalme (Caryota) - eine besonders schöne Art - benötigt sogar mehr als 50 Prozent Luftfeuchtigkeit, damit sie gut gedeiht.” Ein Zimmerbrunnen oder Luftbefeuchter könne diese Raumwerte verbessern. Zu trockene Luft erkenne man leicht daran, dass die Spitzen der Palmwedel braun werden.

Hat man eine Fußbodenheizung, rät Hägele zu größeren Übergefäßen, in die ganz unten Ziegelsteine gelegt werden und darauf die Palmentöpfe stehen. So kann Wasser in den Töpfen stehen, ohne dass die Wurzeln darin hängen. Das verdunstende Wasser zieht an den Palmenblättern vorbei und verbessert das Mikroklima.

Palmen unterscheiden sich im Wuchs von vielen anderen Pflanzengattungen - sie haben kein sekundäres Dickenwachstum. „Außerdem liegt der Vegetationspunkt, das sogenannte Palmenherz, zwischen den Blättern”, erläutert Steinecke. „So wachsen die Palmen, die im Volksmund auch Fürsten des Pflanzenreichs genannt werden, majestätisch in die Höhe.”

Ihr Standort im Raum wird am besten so gewählt, dass die Palmen mit ihren eleganten Wedeln gut zur Geltung kommen. Man muss wissen, dass sie nicht zurückgeschnitten werden können. „Ist die Decke im Wohnraum zu niedrig, weicht man in den Bereich des Treppenaufgangs aus”, empfiehlt Kawollek. Er rät aber, gleich schon größere Exemplare zu kaufen. Der Pflanzenexperte begründet das mit dem meist geringen Zuwachs der Palmen, da die Beleuchtung in der Wohnung eher nicht das Wachstum fördere.

Palmen müssen regelmäßig gegossen werden. „Der Wasserbedarf hängt vom Standort ab”, sagt Hägele. Grundsätzlich vertragen Palmen keine Staunässe. Erneut gegossen werde, wenn die Erdoberfläche abgetrocknet - „und zwar immer von oben, damit sich nicht in der oberen Erdschicht Salze ansammeln”, erläutert Kawollek.

Er empfiehlt einen Langzeitdünger. „Wenn das gewählte Produkt eine Wirkdauer von sechs bis neun Monaten hat, reicht es aus, einmal im Jahr zu düngen.” Wer lieber flüssig düngt, sollte alle zwei Wochen einen Milliliter eines ausgeglichenen Mehrnährstoffdüngers in einen Liter Gießwasser geben, rät Diplom-Ingenieur Hägele.

Ältere Wedel sterben regelmäßig ab. „Das ist ein ganz normaler Vorgang”, betont Kawollek. Er rät, die Wedel abzuschneiden, wenn sie gelb und unschön werden. Mitunter befallen auch mal Woll- und Schmierläuse sowie Spinnmilben die Pflanzen - meist als Folge einer zu geringen Luftfeuchtigkeit.

„Am besten wischt man die Schädlinge mit einem Lappen ab”, sagt der Buchautor. Bei starkem Befall könne man Pflanzenschutzstäbchen in die Erde stecken. Der Wirkstoff wird über die Wurzeln aufgenommen und über die Leitungsbahnen zu den Schädlingen transportiert.
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