Ein Schuljahr im Ausland stellt Jugendliche vor neue Herausforderungen

Von: Maria da Silva, dapd
Letzte Aktualisierung:

Berlin/Stuttgart. Ob Neuseeland, Taiwan oder Kroatien - ein Gastschuljahr ist heutzutage fast überall auf der Welt möglich. Zahlreiche Organisationen bieten Programme an, in deren Rahmen Jugendliche bis zu ein Jahr lang im Ausland lernen und leben können.

„Es geht darum, voll und ganz in eine fremde Kultur einzutauchen und sich selbst dadurch weiterzuentwickeln. Die Sprache lernen die Jugendlichen fast nebenbei”, sagt Uta Julia Schüler, Repräsentantin des Arbeitskreises gemeinnütziger Jugendaustauschorganisationen (AJA) in Berlin.

Das Alter der Austauschschüler liegt üblicherweise zwischen 15 und 18, berichtet Barbara Engler von der Verbraucherschutzorganisation Aktion Bildungsinformation (ABI) in Stuttgart. „Wer ins Ausland will, sollte insgesamt gute Noten haben, also keine Fünf im Zeugnis, und über ein gewisses Level an Sprachkenntnissen verfügen”, sagt die Expertin. Schließlich sollten die Jugendlichen auch in der Fremde dem Unterricht einigermaßen folgen können.

Denn so ein Austauschjahr ist keine Dauerparty: „Die Gastschüler müssen sich im Ausland anpassen, und sie müssen sich vor allem auch an die Vorgaben ihrer Austauschorganisation halten”, sagt Engler. Jeder Anbieter habe eigene Programmregeln, die sowohl der Jugendliche als auch seine Eltern unterschreiben müssen.

„Bei unseren Mitgliedsorganisationen gilt beispielsweise grundsätzlich: Kein Alkoholmissbrauch, kein Drogenmissbrauch”, berichtet Uta Julia Schüler. Laut Barbara Engler sind auch Zeitlimits für Telefonate mit der Heimat oder das Verbot, während des Aufenthalts Besuch von der Familie zu bekommen, keine Seltenheit. „Bei einem Verstoß gegen das Regelwerk kann der Schüler nach Hause geschickt werden - und das kommt auch durchaus vor”, betont Engler. Es lohne sich daher, die Programmregeln der Anbieter vorab gut zu studieren.

Gastfamilie wird vom Anbieter ausgewählt

Üblicherweise wohnen die Gastschüler im Ausland bei einer Gastfamilie. „Diese Familie wird von der Austauschorganisation ausgewählt und zugeteilt”, sagt Uta Julia Schüler. Der Jugendliche und seine Eltern würden in diesen Entscheidungsprozess nicht mit einbezogen - „Das ist organisatorisch einfach nicht möglich.” Allerdings könne man üblicherweise durchaus Wünsche äußern, was die Unterkunft angeht.

Die meisten Anbieter prüften ihre Gastfamilien intensiv auf ihre Eignung, sagt Barbara Engler. Trotzdem kommt es vor, dass ein Jugendlicher Probleme mit seinen Gastgebern hat. In solchen Fällen sei es meist schwierig, eine für alle zufriedenstellende Lösung zu finden. „Unseren Erfahrungen nach haben die Schüler hier oft das Nachsehen. Da der Anbieter die Gastfamilie nicht verprellen möchte, wird die Schuld eher bei dem Jugendlichen gesucht”, sagt Engler.

Uta Julia Schüler betont allerdings: „Bei unseren Mitgliedsorganisationen können sich alle Gastfamilien und Austauschschüler an ihren Betreuer wenden, wenn es Probleme gibt, die sie nicht alleine lösen können.” Dann werde gemeinsam überlegt, wie es weitergehen kann, anstatt nach Schuldigen zu suchen. In manchen Fällen wechsele der Jugendliche in eine andere Gastfamilie, bleibe aber zum Beispiel an derselben Schule.

An unabhängiger Stelle informieren

Der Markt der Austauschorganisationen ist groß. „Es gibt Messen, auf denen man sich über die verschiedenen Anbieter informieren kann”, sagt Barbara Engler. Allerdings würden die Programme hier natürlich nur von ihrer besten Seite präsentiert. „Wer sich ein Bild von der Qualität der Angebote machen möchte, sollte sich auch noch an unabhängiger Stelle informieren”, empfiehlt Engler.

Die Aktion Bildungsinformation beispielsweise überprüfe die verschiedenen Anbieter und nehme nur diejenigen in ihre Publikationen auf, die die Kriterien der Verbraucherschützer erfüllen. Manche Austauschorganisationen sind auch in Verbänden wie dem AJA organisiert, dessen Mitglieder gemeinsame Qualitätsstandards entwickelt haben.

Die Kosten für ein Gastschuljahr variieren stark. Laut Uta Schüler müssen Familien zwischen 4.500 und 9.000 Euro in die Horizonterweiterung ihres Sprösslings investieren. „In manchen Ländern kann so ein Aufenthalt aber auch an die 19.000 Euro kosten”, sagt Barbara Engler. Zusätzlich müsse man noch 2.000 bis 3.000 Euro Taschengeld einkalkulieren.

„Unter bestimmten Voraussetzungen kann man für so ein Auslandsschuljahr auch Auslands-BAföG beantragen”, sagt Engler. Und Uta Schüler weist darauf hin, dass viele Austauschorganisationen auch Stipendien vergeben - „Die Vergabe richtet sich nicht nach den Noten des Schülers, sondern nach den finanziellen Möglichkeiten seiner Familie”, sagt die Expertin. Manche Unternehmen förderten außerdem Gastschulaufenthalte für die Kinder ihrer Mitarbeiter - auch hier lohnt es sich also, nachzufragen.

Der Zwischenstopp im Ausland führt nicht zwangsläufig dazu, dass ein Schüler seinen Schulabschluss verschieben muss. „Unter Umständen kann das Austauschjahr nach der Rückkehr nach Deutschland anerkannt werden” sagt Barbara Engler. Die Regelungen hierzu seien von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Der AJA hat zu diesem Thema in Zusammenarbeit mit den Bildungsministerien Informationsflyer erstellt, die im Internet zum Download bereitstehen oder kostenlos bei der Organisation bestellt werden können (http://www.aja-org.de).

Viele Jugendliche entscheiden sich aber auch dafür, das Schuljahr in Deutschland zu wiederholen, berichten die Expertinnen. „Auch wenn man dadurch erst später mit der Schule fertig ist - man verliert durch die Auslandserfahrung kein Jahr, sondern man gewinnt es”, betont Uta Julia Schüler.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert