„Du Streber”: Wenn Kinder unter Erfolg in der Schule leiden

Von: ddp
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„Du Streber”: Wird das Kind in der Klasse für eine glatte Eins verspottet, sind gute schulische Leistungen kein Grund zur Freude mehr. Foto: ddp

Eisenach. Für manche Kinder ist eine glatte Eins kein Grund zur Freude - sie werden als Streber in der Klasse verspottet und angefeindet, leiden unter ihrer Außenseiterrolle.

„Die Eltern sollten das Kind zunächst einmal trösten”, rät der Eisenacher Schulpsychologe Ingo Wagenbreth. „Und sie sollten ihm sagen, dass es aus ihrer Sicht mit der guten Schulleistung alles richtig macht. Das stabilisiert das gehänselte Kind erst einmal.”

Dann aber sei Ursachenforschung angesagt: Wie konnte das Kind so ins Abseits geraten? Denn selten läge es nur an den Noten, sagt Wagenbreth: „Eine Studie der Uni Marburg zeigt, dass die meisten leistungsstarken Schüler sozial gut integriert sind. Viele dieser Kinder haben sehr viele Freunde, weil sie voller origineller Ideen stecken.” Der klassische Streber habe oft auch im sozialen Bereich Defizite. Hier sollten die Eltern versuchen, ihr Kind zu stärken und zu fördern, Vereine zum Beispiel seien hier hilfreich.

„Der Lehrer hat ganz klar die Pflicht, sich schützend vor das gemobbte Kind zu stellen”, sagt der Mitarbeiter des Schulamtes. „Er sollte versuchen, den Außenseiter in die Gruppe zurückzuholen. Vor allem im Interesse des Kindes, denn Einzelgänger haben es auch später im Leben schwer.”

Viele Lehrer hätten allerdings selber Probleme, sich gegen mobbende Schüler zu stellen: „Da helfen oft nur Sanktionen, und davor schrecken viele Lehrer zurück. Sie wollen sich mit den starken Schülern nicht anlegen und auch mit den Eltern nicht, die oft eine gewisse Reputation haben. Das sind nicht unbedingt die sozial Auffälligen - oft sind es gerade die Kinder der Eltern, die zum Beispiel im Elternrat sehr aktiv sind und mit denen der Lehrer es sich nicht verderben möchte.” Der Einfluss der Eltern des betroffenen Kindes ist dann begrenzt: „Im Extremfall bleibt nur der Schulwechsel.”

Wichtig sei in jedem Falle, dass die Kinder soziale Strategien erlernen, um sich nicht mehr durch ihr Verhalten zum Opfer zu machen. „Sie müssen lernen, Hänseleien auch mal auszuhalten, den Übeltäter nicht durch die gewünschte Reaktion zu belohnen. Wer mit einem frechen Spruch dagegenhält oder auch einfach weggeht, sich nicht bei den Starken anbiedert in der Hoffnung, so Freunde zu finden, der wird als Adressat von Hänseleien bald uninteressant”, rät Wagenbreth.

Lernen können die Kinder das in der Schule durch Rollenspiele. „Wenn Täter und Opfer die Rollen einfach mal tauschen, werden den Kindern die Mechanismen am besten klar”, rät der Psychologe. Auch offene Gespräche im Klassenverband, zum Beispiel sogenannte Klassenkonferenzen, helfen: „Wenn der gehänselte Schüler offen darüber sprechen kann, fällt für den Mobber der Lustgewinn weg”, sagt Wagenbreth.
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