Hamburg - Drei Wochen Ferienhaus sind riskant: Urlaub mit drei Generationen

Drei Wochen Ferienhaus sind riskant: Urlaub mit drei Generationen

Von: Bettina Levecke, dpa
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Alle zusammen zum Strand: Was nach Familienidylle aussieht, kann sich bei fehlenden Absprachen genau ins Gegenteil kehren. Foto: dpa

Hamburg. Oma, Opa, Eltern und Enkel: Der neue Reisetrend heißt Großfamilie. Im Wunsch nach mehr Nähe und gemeinsam verbrachter Zeit packen Jung und Alt immer häufiger gemeinsam die Koffer.

„Die Familie erlebt eine Renaissance”, sagt Ulrich Reinhardt, Tourismusexperte der Stiftung für Zukunftsfragen in Hamburg. Sie biete in unsicheren Zeiten eine Konstante. Doch wenn drei Generationen plötzlich über längere Zeit dicht aufeinanderhocken, geht es nicht zwangsläufig friedlich zu. Zu unterschiedlich sind häufig die Erwartungen.

Ein gemeinsamer Urlaub hat viele Vorteile: „Sich nicht nur einen Nachmittag zum Kaffeetrinken zu sehen, sondern viele Tage am Stück, ist besonders für Großeltern und Enkel ein Gewinn”, sagt Ulrike-Luise Eckhardt, Familientherapeutin aus Berlin.

Oma und Opa haben endlich die Gelegenheit, sich ausgiebig mit dem Nachwuchs zu beschäftigen oder mal wieder längere Gespräche mit dem eigenen Kind zu führen. Und die Eltern können - wenn die Großeltern bereit sind, Babysitter zu spielen - auch mal ohne Kinder ausgehen. „Wenn es gut geplant ist, können alle Seiten profitieren”, glaubt Jörg Wesner, Diplom-Psychologe aus Hamburg.

Voraussetzung ist natürlich, dass sich die Familienmitglieder untereinander gut verstehen. Für den Belastungstest sollte trotzdem nicht gleich ein Ferienhaus für drei Wochen gebucht werden: „Das kann nach hinten losgehen”, warnt der Psychologe. Für den Anfang seien kürzere Reisen, zum Beispiel ein Wochenendurlaub, sinnvoll.

Schon vor dem Urlaub müssen alle Erwartungen auf den Tisch. „Setzen Sie sich mit der Familie zusammen”, rät Eckhardt. „Jeder sollte ehrlich und offen sagen können, wie er sich den Urlaub vorstellt.” Schon hier wird oft deutlich, wo Stolperfallen liegen.

Ein typisches Problem: Glauben die Eltern, durch die Mitnahme von Oma und Opa einen Dauer-Babysitter zu haben, könnten die sich vor den Karren gespannt fühlen. „Oder die Großeltern haben die falsche Erwartung, dass im gemeinsamen Urlaub generell alles gemeinsam gemacht wird und sind enttäuscht, wenn die Kernfamilie mal alleine unterwegs sein möchte”, nennt Wesner ein weiteres Beispiel.

„Ideal ist es, wenn jeder Zeit und Möglichkeiten zur eigenen Entfaltung hat”, rät Reinhardt. Mal dürfen die Eltern alleine weg gehen, mal haben Oma und Opa eine Auszeit. Und mal haben die Enkel das Sagen. „Für alle Wünsche sollten im Vorfeld Tage reserviert werden, zum Beispiel ein Ruhetag für Oma und Opa und ein Freizeitpark-Tag für die Kids.”

„Man muss sich auch überlegen, wie lange man auf diese Konstellation wirklich Lust hat”, sagt Wesner. Und in welchem Rahmen: Ferienhäuser sind oft sehr hellhörig, und man kann sich nicht gut aus dem Weg gehen. „Das ist nicht jedermanns Sache”, ergänzt Eckhardt.

Ein paar Spielregeln helfen, das Leben unter einem Dach zu organisieren. Wer räumt wann auf? Wer kümmert sich um die Kinder und den Einkauf? „Verteilen Sie im Vorfeld Aufgaben”, rät Wesner. Auch Erziehungsfragen gehören mit auf den Diskussionszettel.

Im Wunsch, die Enkel zu verwöhnen, kommt es schnell zum Zoff zwischen den Erwachsenen. Ulrike-Luise Eckhardt rät Eltern, nicht alles zu ernst zu nehmen. „Aber Großeltern dürfen sich auch nicht eigenmächtig über die Regeln der Eltern hinwegsetzen.”

Absprache und gegenseitiger Respekt sind das A und O einer gemeinsamen Reise: „Man muss sich manchmal zurücknehmen können”, sagt Wesner. Und wenn die Emotionen hochkochen? „Gehen Sie raus, trinken Sie ein Glas Wein beim nächsten Italiener und beruhigen Sie sich.” Ein spontaner Wutausbruch mache oft unnötig viel kaputt. „Gerade im Urlaub ist es besser, Differenzen in Ruhe zu besprechen.”

Nicht zu lange und nicht zu weit weg - das sind zwei Regeln für den Urlaub mit drei Generationen. Im Vordergrund stehe die gemütliche Atmosphäre, sagt Ulrich Reinhardt, Tourismusexperte der Stiftung für Zukunftsfragen in Hamburg. Beliebte Reiseziele seien Dänemark oder deutsche Urlaubsregionen wie Nord- und Ostsee, Harz oder Schwarzwald. Eine solche Tour sei selten der Haupturlaub: „Mit Oma und Opa verreisen Familien eher in den Oster- oder Herbstferien oder an verlängerten Wochenenden.”
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