Frankfurt/Main - Die Kohle der Kinder: Wie Banken um kleinste Sparer buhlen

Die Kohle der Kinder: Wie Banken um kleinste Sparer buhlen

Von: Jörn Bender, dpa
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Banken Kinder
Kinder werden immer reicher. Das haben auch Banken erkannt - und werben schon früh um die Mäuse der Kleinen. Verbraucherschützer raten, Angebote genau zu vergleichen.

Frankfurt/Main. Fast drei Milliarden Euro - nie hatten Kinder in Deutschland so viel Geld zu Verfügung. Kein Wunder also, dass viele Banken die Minis schon früh überzeugen wollen, die Mäuse brav zur Bank zu tragen.

Und da Privatkunden gefragter sind denn je, fangen die Institute gerne schon ganz früh an mit der Kundenbindung.

Die HypoVereinsbank spendiert Legofiguren für jede dritte Einzahlung ab zehn Euro, die Commerzbank erbte von der Dresdner Bank das „Hipp Mein Baby Sparbuch” mit 20 Euro Startguthaben, Volksbanken verteilen Comic-Hefte mit Helden wie „Marc und Penny”, die Hamburger Sparkasse (Haspa) lockt junge Kunden mit Sparzinsen, von denen Erwachsene derzeit nur träumen können: vier Prozent auf dem „Mäusekonto”.

„Banken gehen ganz früh auf Kundenfang, denn es ist bekannt, dass viele Kunden ihrer ersten Bank treu bleiben”, sagt Dorothea Mohn, Geldanlageexpertin beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). „Sofern die Produkte gut sind und zum Bedarf der Kinder und Jugendlichen passen, ist dagegen nichts einzuwenden.”

Michael Mandel, Bereichsvorstand Private Kunden bei der Commerzbank, macht aus der Motivation keinen Hehl: „Kinder und Jugendliche sind zukünftige Kunden. Mit attraktiven Angeboten wie dem kostenlosen „Start-Konto” wollen wir sie für unsere Bank gewinnen. Das „Null-Euro-Girokonto” ist dann das passende Anschluss-Produkt, um sie auch nach Ausbildung oder Studium als Kunden zu halten.”

Große Konzerne haben längst erkannt, dass Kinder und Jugendliche ein bedeutender Wirtschaftsfaktor sind - mit steigender Tendenz. Die aktuelle „Kids-Verbraucher-Analyse” des Egmont Ehapa Verlages kommt nach repräsentativer Befragung von 1650 der gut sechs Millionen 6- bis 13-Jährigen in Deutschland zu dem Ergebnis: Mit durchschnittlich 27,18 Euro streicht Deutschlands Nachwuchs soviel Taschengeld ein wie nie in der 20-jährigen Geschichte dieser Studie.

„Rechnet man allein das Taschengeld und die Geldgeschenke der Kinder zwischen 6 und 13 Jahren zusammen, so stehen dieser Gruppe 2012 insgesamt 2,87 Milliarden Euro zur Verfügung”, erläutert Ehapa-Studienleiter Ralf Bauer.

Von diesem Kuchen wollen viele etwas abhaben. „Fast alle Banken bieten Kindern mehr Zinsen als Erwachsenen”, beobachtet Max Herbst von der Frankfurter FMH Finanzberatung, der Tarife vergleicht. Meist begrenzten die Institute jedoch die Anlagesumme, damit Eltern nicht eigenes Geld auf den lukrativeren Kinderkonten parkten.

Der Ehapa-Studie zufolge sparen 85 Prozent der Kinder zumindest einen Teil ihres Geldes. 82 Prozent haben ein Sparbuch, 16 Prozent ein Girokonto. Auf den Sparkonten der Kinder liegen nach Auskunft der Eltern im Schnitt 789 Euro. Die Kinder sparen für ein Handy (16 Prozent), einen Computer (13 Prozent) oder Spielzeug (10 Prozent).

Der Deutschen Bank geht es nach eigener Darstellung nicht nur um die Einlagen der Kunden der Zukunft. „Zum Sparen und Anlegen gehört auch ein Verständnis für Wirtschaft”, bringt es eine Sprecherin auf den Punkt. Mehr als 1300 Mitarbeiter des größten deutschen Geldhauses engagieren sich nach Angaben der Bank ehrenamtlich in der Initiative „Finanzielle Allgemeinbildung” an Schulen. Sie erklären Schülern, was es mit Vermögensaufbau, Krediten und Altersvorsorge auf sich hat.

„Es ist wichtig, Kinder frühzeitig an den Umgang mit Geld heranzuführen. Dazu zählt auch der Umgang mit Konten und Sparprodukten. Von einer festen Altersgrenze für das erste Konto halte ich nichts, das sollte im Einzelfall entschieden werden”, meint Verbraucherschützerin Mohn. „Die Eltern sollten im Blick behalten, ob das Angebot der Bank unabhängig von Geschenken wie Lego, Süßigkeiten oder was auch immer gut und sinnvoll ist.”
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