Die Freuden des Alters genießen: Die Vorteile der späten Jahre

Von: Maria da Silva, dapd
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Senioren
Das Alter hat ein Imageproblem. Die meisten Menschen bringen es hauptsächlich mit Falten, Gebrechen und Langeweile in Verbindung. „Alt werden bedeutet jedoch nicht nur Verlust”, betont Elisabeth Schlumpf, Autorin des Buches „Wenn ich einst alt bin, trage ich Mohnrot”. Foto: dapd

Zürich. Das Alter hat ein Imageproblem. Die meisten Menschen bringen es hauptsächlich mit Falten, Gebrechen und Langeweile in Verbindung. „Alt werden bedeutet jedoch nicht nur Verlust”, betont Elisabeth Schlumpf, Autorin des Buches „Wenn ich einst alt bin, trage ich Mohnrot”.

Die Diplom-Psychologin aus Zürich empfiehlt, den Blickwinkel zu ändern und sich auf die positiven Seiten dieser Lebensphase zu konzentrieren. „Man muss sich im Alter eine neue Identität aufbauen. Betrachten Sie sich doch einfach mal als kostbare Antiquität”, schlägt Schlumpf vor.

Alte Menschen seien beispielsweise oft reifer, verständnisvoller und gelassener als junge. Ist das Berufsleben erst vorbei, kann man sich außerdem endlich Dinge erlauben, die man sich bisher verwehrt hat. „Man muss sich beispielsweise nicht mehr um Konventionen kümmern und kann anziehen, was man möchte”, sagt Schlumpf. Auch Begriffe wie Eile und Erfolgsdruck könnten Senioren getrost vergessen. „Wer alt ist, hat außerdem theoretisch jeden Tag die Freiheit, das zu tun, was ihm Spaß macht”, sagt die 79-Jährige. Zudem sei nun die Zeit, um auch seine Beziehungen zu überprüfen und sich unter Umständen von Menschen zu trennen, die einem nicht gut tun.

Allerdings könne nicht jeder diese Freiheit des Alters auch ausleben. „Viele Leute fallen im Ruhestand in ein Loch, weil ihnen die Struktur fehlt”, sagt Schlumpf. Man müsse erst lernen, seine Tage nicht mit „ich muss” zu überlasten, aber sie auch nicht zu leer werden zu lassen. „Dazu gehört auch zu spüren, wie viel Belastung einem gut tut - und Dinge zu verschieben oder abzusagen, die einem zu viel sind”, sagt Schlumpf.

Wichtig sei, dass man liebevoll mit sich umgehe und sich annehme - mit allen Einschränkungen, die das Alter so mit sich bringt. „Man sollte nicht irgendwelchen braun gebrannten Idealbildern von Senioren aus der Werbung nacheifern - damit quält man sich nur”, sagt Schlumpf. Alte Menschen seien nun mal weder faltenlos noch unbegrenzt fit. Wenn manche Dinge eben nicht mehr so gut klappen wie früher, sollte man lernen, Hilfe von anderen anzunehmen.

Warum nicht den jungen Mann im Zug fragen, ob er einem den Koffer auf die Gepäckablage hievt? Und anstatt sich zu ärgern, dass andere einen als Rentner einstufen, könnte man sich darüber freuen, dass sie einem einen Platz im Bus anbieten. „Dadurch entstehen auch immer wieder nette Begegnungen mit hilfsbereiten Menschen”, sagt Schlumpf.

Allerdings sollte man nicht resignieren und einfach alle Aufgaben an andere abgeben. „Das, was man noch alleine erledigen kann, sollte man auch tun”, betont Schlumpf. Außerdem sei es wichtig, dass man im Alter gut auf seine Gesundheit achte, sich regelmäßig untersuchen lasse, sich gut ernähre und ausreichend bewege. „Der Körper ist der Organisator des Alters - man sollte gut mit ihm umgehen.”

Vielen Menschen falle es schwer, alt zu werden, weil sie mit ihrer Vergangenheit hadern. „Die Trauer um verpasste Chancen hindert einen daran, ein gutes Gefühl fürs Alter zu entwickeln”, sagt Schlumpf. Daher gelte es, sich mit dem eigenen Leben zu versöhnen und anzuerkennen, dass manche Dinge nicht gut gelaufen sind oder dass man sich manchmal auch selbst im Weg stand. Es könne notwendig sein, dass man sich bei diesem Prozess von Freunden unterstützen lässt oder professionelle Hilfe sucht. „Manchmal entdeckt man aber auch, dass es eigentlich ganz gut war, dass man eine Chance verpasst hat und das Leben dadurch einen anderen Lauf nahm”, sagt Schlumpf.

Wichtig sei, dass man Träume und Pläne im Alter realistisch bewerte. „Die Möglichkeiten in dieser Lebensphase sind nun mal begrenzter als in jungen Jahren”, sagt Schlumpf. Wenn man einen Wunsch nicht mehr umsetzen könne, weil man beispielsweise körperlich nicht mehr in der Lage dazu ist, sollte man diese Tatsache akzeptieren. „Wenn man anerkennt, dass sich ein Traum nicht mehr erfüllen wird, kann das sehr entlastend sein”, sagt Schlumpf. Nun könne man sich damit beschäftigen, welche lang gehegten Wünsche sich im Alter vielleicht wirklich noch umsetzen lassen - beispielsweise durch ein Seniorenstudium in dem Fachgebiet, in dem man immer arbeiten wollte.

Elisabeth Schlumpf empfiehlt Senioren, sich auf jeden Fall eine sinnvolle Aufgabe zu suchen. „Kreuzworträtsel allein machen nicht zufrieden”, betont die Psychologin. Die Möglichkeiten, die Zeit des Alterns zu füllen, seien vielfältig. So könne man sich beispielsweise intensiv der Gartenarbeit widmen oder für ein soziales Projekt engagieren. Manche Senioren entdeckten auch das Reisen für sich, oder sie vertieften sich ins Schreiben von Büchern. „Es gibt im Alter so viel zu entdecken, was Spaß macht - und es ist eine wichtige Aufgabe, diese Lebensphase befriedigend für sich zu gestalten”, betont Schlumpf.
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