Berlin/Passau - Diagnose gebrochenes Herz: Tapferkeit ist bei Liebeskummer fehl am Platz

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Diagnose gebrochenes Herz: Tapferkeit ist bei Liebeskummer fehl am Platz

Von: Annabel Trautwein, dapd
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Berlin/Passau. Nichts schmeckt mehr, die ganze Welt wirkt grau und an Schlaf ist nicht zu denken - Liebeskummer ist eine Qual für Körper und Seele. Wer von einem geliebten Menschen verlassen wird, weiß oft nicht wohin mit seinem Leid.

Einige verkriechen sich, ringen allein mit ihrem Kummer und versinken in Einsamkeit. Andere wollen tapfer sein und blenden den Schmerz aus, bis er sie erneut übermannt. Doch es gibt Auswege aus der Tristesse, sagen die Expertinnen Silvia Fauck und Marion Lang. Ihre Erfahrungen zeigen: Wer sich dem Herzschmerz stellt, kann lernen, das Leben wieder selbst zu gestalten.

Nach den Erfahrungen von Silvia Fauck hat Liebeskummer ein Image-Problem. „Die Leute sehen ihn immer noch als Schwäche an”, sagt die psychologische Beraterin aus Berlin, nach deren Konzept Liebeskummer-Praxen in ganz Deutschland arbeiten. Wer sich anderen anvertraue, höre oft spätestens nach einem Monat: „Jetzt reiß dich mal zusammen, es gibt ja schlimmere Probleme.”

Diese Ansicht teilten sogar viele Betroffene, sagt Liebeskummerberaterin Marion Lang aus Passau. „Gerade Männer folgen oft dem Motto Ein Indianer kennt keinen Schmerz oder Was mich nicht umhaut, macht mich nur noch stärker. Das ist natürlich Unsinn”, sagt sie.

Ein gebrochenes Herz könne sogar schwerwiegende körperliche Folgen haben, sagt Silvia Fauck. „Wen es erwischt hat, der kann richtig krank werden. Das reicht von Migräne über Magen-Darm-Probleme oder Depressionen bis hin zum Herzinfarkt. Das ist mittlerweile auch in Deutschland als Broken-Heart-Syndrom anerkannt.”

Der wichtigste Schritt für Liebeskummergeplagte ist demnach, sich den Herzschmerz einzugestehen. Erst dann könne neues Selbstwertgefühl gebildet werden und das Vertrauen wachsen, dass „irgendwann wieder jemand kommt, der mein Herz haben darf”, wie Silvia Fauck sagt. Doch auch die schmerzhaften Erkenntnisse seien wichtig und wertvoll, sagt Marion Lang: „Mit dem Schmerz teilen wir uns selbst etwas mit. Dem sollten wir uns öffnen.”

„Kein Mensch muss stark sein”

Tapferkeit ist für beide Expertinnen in dieser ersten Liebeskummerphase fehl am Platz. „Erlauben Sie sich, erst einmal durchzuhängen”, rät Silvia Fauck. „Kein Mensch muss in der Situation stark sein, das bildet man sich nur ein.”

Zunächst sollten Liebeskummerkranke sich um sich selbst kümmern. „Gerade in dieser Zeit ist es wichtig, sein eigener bester Freund zu sein”, sagt Marion Lang. Sport und Entspannung könnten ebenso helfen wie ein neuer Haarschnitt oder die Umgestaltung der Wohnung - auch um alte Erinnerungen loszuwerden.

„Kleine Wohlfühl-Projekte kann man sich auch in den Terminkalender schreiben - dann vergisst man sich selbst nicht so leicht. Denn es ist wichtig, in dieser Zeit Kraft zu schöpfen”, sagt die Liebeskummerberaterin.

Gut gemeinte, aber wenig hilfreiche Sprüche wie „Kopf hoch” oder „Sei froh, dass du ihn los bist” sollten sich Freunde und Angehörige verkneifen - und falls sie doch fallen, sollten Betroffene sie einfach überhören, raten beide Expertinnen. „Da kann man nur versuchen, ein bisschen Verständnis zu wecken.

Wenn das nicht hilft, sollte man sich nicht unverstanden und verzweifelt zurückziehen, sondern eine einfühlsame und fachliche Unterstützung in Anspruch nehmen”, sagt Marion Lang. Oft rührten aber solche Sprüche auch daher, dass die Ratgeber selbst hilflos seien, gibt Silvia Fauck zu bedenken. „Als Familienmitglied oder Freund fällt einem manchmal wirklich nichts anderes ein.

Man will den besten Kumpel oder die Tochter nicht leiden sehen - dann kommt man auf so dusselige Sachen.” Freunde und Familie sollten einfach da sein und ihre Hilfe anbieten. „Auch wenn man immer wieder hört: Nein danke, ich komme schon zurecht - immer wieder anrufen und nachfragen. Und wenn einer 20-mal ablehnt, hat man als guter Freund trotzdem nächste Woche wieder anzurufen”, meint Silvia Fauck.

Racheakte sorgen nur kurzzeitig für Erleichterung

Und wie geht es weiter mit der Ex-Partnerin oder dem Ex-Partner - Freunde bleiben? „Darauf sollte man auf keinen Fall hereinfallen. Das kann man knicken”, sagt Silvia Fauck. Wer hoffe, den oder die Ex über die Freundschafts-Schiene wieder zurückzuerobern, riskiere, daran zugrunde zu gehen.

„Wenn der eine Freundschaft meint und der andere noch tiefere Gefühle hat, ist von vornherein klar: Da bleibt einer auf der Strecke.” Auch von Racheaktionen, schnellen Affären zwecks Vergeltung oder Lästereien raten beide ab. „Das tut nur für fünf Minuten gut”, sagt Silvia Fauck. „Danach schämt man sich in Grund und Boden.”
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