Der Tannenbaum 2009 trägt Violett und Weiß

Von: Michaela Kaebe, ddp
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In diesem jahr liegen die Farben Türkis, violett und weiss im Trend. Foto: ddp

Frankfut a.M./Basel. „Auch der Weihnachtsbaum soll trendgerecht angezogen sein”: Das ist die Devise der Fachmesse „Christmas World” in Frankfurt. Hier werden die Weihnachtsbaum-Trends vorgestellt - und zwar bereits Anfang des Jahres. Dieses Jahr schlagen die Designer neben der Modefarbe Violett vor allem Weiß vor.

Kugeln, die wie Schneebälle aussehen, Schneeflocken aus Draht, Tannen- und Eiszapfen, Vögel und Schmetterlinge sollen den Baum schmücken. „Lange Zeit war in der Gesellschaft Schnelllebiges und Oberflächliches gefragt. Das Überangebot an Produkten und Informationen hat dazu geführt, dass viele Menschen das Bedürfnis haben, sich zurückzuziehen und auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Deshalb sind seit einiger Zeit authentische, reduzierte und individuelle Produkte angesagt, Handwerkliches und eben auch natürliche Materialien und Motive”, sagt Jutta Baumann, Objektleiterin der „Christmas World”. Verstärkt werde diese Tendenz durch die wirtschaftliche Krise, die sich auch in einem anderen Designschwerpunkt dieses Jahr äußere: „Märchen- und Spielzeugmotive sind ein Thema, das in wirtschaftlich schlechten Zeiten gerne aufgegriffen wird”, sagt die Weihnachtsexpertin. Es handele sich aber bei den Kollektionen dieses Jahres nicht um einen Retro-Trend, sondern um Neuinterpretationen bekannter Motive.

Eher ungewöhnlich sind „appetitlichen Eyecatcher” am Baum. Neben Plätzchen und Lebkuchenherzen gibt es Käsestückchen, Sushi und kleine Wein- oder Whiskyfläschchen als Baumschmuck. Wer kauft so etwas? „Im Vordergrund steht der ganzjährige Einsatz zu gastronomischen Events, Geburtstagen und Jubiläen. Weihnachten ist dabei nur ein Event, zu dem die originellen Anhänger zum Einsatz kommen können”, sagt Baumann.

Weihnachtsschmuck-Hersteller Johann Wanner aus Basel definiert den Trendbegriff ganz klar: „Wirklicher Trend ist nur das, was verkäuflich ist”, sagt der Unternehmer, der sich selbst als Modeschöpfer für Bäume bezeichnet. Auch er orientiert sich an der Damenmode: „Weihnachtsschmuck ist Modetrends und auch gesellschaftlichen Trends unterworfen”, sagt er. Allerdings könne man nicht alle Modefarben übernehmen. Erdtöne zum Beispiel passten gar nicht zu Weihnachten: Ihnen fehle der Glanz.

In diesem Jahr sind die Trendtöne der Mode passender mit Violett und Grau, das für den Weihnachtsschmuck durch Silber ersetzt wird. Dazu komme der Dauerbrenner Rosa. Daneben seien die Grundfarben Rot, Grün, Blau, Silber und Gold, die „Solid Colours”, zeitlos aktuell - allerdings von Land zu Land verschieden, erzählt der Weihnachtsschmuckspezialist: „In England sind die Solid Colours Rot und Grün typisch für Weihnachten, in Frankreich ist es eher Gold, in Deutschland Rot und Gold oder Rot alleine.”

Sein persönlicher Farbfavorit ist allerdings eine Farbe, die viele Menschen wohl nicht mit Weihnachten assoziieren: „Schwarz ist meine Lieblingsfarbe, es wirkt distinguiert und ist wie ein Spiegel, in dem die Lichter funkeln und wunderbar herauskommen, während alles andere diffus im Hintergrund bleibt.” Farbkombinationen bringen Spannung in den Baum, am besten im Verhältnis zwei zu eins, so Wanners Empfehlung. Der modisch angezogene Baum 2009 kann sich aber auch an den 60er Jahren orientieren.

Dann trägt er helle Blau- oder cremige Goldtöne oder, als Reminiszenz an die Petticoat-Röcke, rot mit weißen Tupfen. Auch der Baum der „neuen Bescheidenheit”, wie Wanner ihn nennt, ist von den 60er Jahren inspiriert: Er ist mit Strohsternen und roten Äpfeln geschmückt, um die Kerzen werden rote Schleifen gebunden, dazu kommen Pappmaché-Kugeln, die mit Engelmotiven bedruckt sind, und durchsichtige Glaskugeln in rot und grün. „Ein Baum, der in die Zeit passt, der bescheiden wirkt, aber nicht bescheiden aussieht, sondern sehr stilvoll”, meint Wanner.

Auch könne man mit diesem Trend den Schmuck, den man daheim in seiner Weihnachtskiste haben, gut kombinieren. „Der Familienschmuck ist ohnehin der wichtigste Teil des Baumschmucks, die neuen Sachen müssen sich ja erst bewähren”, sagt der Experte. Wie er herausfindet, was wirklich das Zeug zum Trend hat? „Zum Glück haben wir Schaufenster, da sehen wir, was die Leute mögen.” Vor allem die Kinder, verrät der Schweizer, seien ein untrügliches Barometer für gelungenen Weihnachtsschmuck. Wo die meisten kleinen Nasenabdrücke auf dem Schaufenster zu finden sind, da sind die echten Trends zu sehen.

Und was geht überhaupt nicht? „Die schlimmste Sünde ist, gar keinen Weihnachtsbaum aufzustellen”, sagt Wanner schmunzelnd. Gegen den Strich geht ihm alles, was gegen den Sinn der Dekoration geht: „Es geht ja darum, den Baum, die Natur zu ehren, das ist ein ganz alter, archaischer Brauch, den das Christentum übernommen hat”, erläutert er. Wer einen Baum zum Beispiel kopfüber aufhänge, habe nicht verstanden, um was es geht: „Das ist weder lustig noch trendy, das ist ein Anti-Baum, das braucht kein Mensch.” Zum Baumschmücken gehört für ihn immer ein gewisses Maß an Ehrfurcht: „Den Schmuck sollte man nicht einfach aufhängen. Man soll dekorieren. Mit Ruhe und Liebe.”
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