Berlin - Der erste Urlaub zu zweit: Nur romantisch wird es nicht

Der erste Urlaub zu zweit: Nur romantisch wird es nicht

Von: Nina Apin, dpa
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Hand in Hand durch den Urlaub. Zu viel Zweisamkeit kann aber auch nerven. Foto: dpa

Berlin. Sie sind verliebt, unzertrennlich und können nicht genug voneinander kriegen. Für junge Paare gibt es kaum etwas Schöneres als die Vorstellung, gemeinsam in Urlaub zu fahren.

Viel ungestörte Zeit zu zweit kann die Beziehung vertiefen. Schlägt die Zweisamkeit aber in Langeweile und Streit um, passiert genau das Gegenteil. Ein paar Regeln helfen, dass aus dem ersten Pärchenurlaub ein Erfolg wird.

„Man sollte den ersten Urlaub zu zweit nicht mit Erwartungen überfrachten”, rät die Autorin Anja Maier aus Lehnitz (Brandenburg). Sie hat bereits einige Urlaubsdesaster miterlebt und empfiehlt jungen Paaren, erstmal mit der Clique zu verreisen. Das nehme den Druck, eine große Romanze erleben zu müssen - vor allem, wenn man noch nicht lange zusammen ist. „Man kann nicht ganze Tage damit ausfüllen, sich tief in die Augen zu sehen”, sagt Maier. Die Gruppe sorge für Dynamik und verhindert Langeweile. Außerdem seien Gruppenreisen oft billiger.

Auch Tanya Wegberg rät, den ersten Urlaub gemeinsam mit Freunden zu verbringen. „Wenn man sich doch nicht so gut versteht, sind zur Sicherheit noch die anderen da”, sagt die ehemalige Jugendberaterin aus Berlin. Allerdings erfordere ein Gruppenurlaub von den Verliebten Rücksicht: „Das Paar sollte sich nicht absondern oder aneinander kleben - sonst fühlen sich die anderen ausgegrenzt.” Ein Paar, das nur alleine sein will, sollte also lieber gleich zu zweit verreisen.

Ein Paarurlaub braucht allerdings gute Planung. Schon bei der Wahl des Urlaubsziels sollte man sich weitgehend einig sein. „Jeder sollte vorher sagen, was er sich erhofft”, rät Wegberg. Will einer bergsteigen und der andere in die Disco, sei Stress programmiert. Auch über die Finanzen muss rechtzeitig gesprochen werden, empfiehlt Maier: „Empfehlenswert ist eine gemeinsame Urlaubskasse, die den täglichen Bedarf deckt.”

Laura Weidinger plädiert für getrennte Kassen - auch beim Urlaub zu zweit. „Wenn jeder für sich zahlt, gibt es keinen Anlass zum Streit. Nur beim Essen sollte man zusammenlegen”, rät die 19-jährige Schülerin aus Berlin. Laura ist nach zwei Jahren Beziehung und mehreren Reisen inzwischen geübt im Pärchenurlaub.

Sie findet Urlaub zu zweit am besten. „Beim ersten Mal sollte der aber nicht länger als eine Woche dauern - sonst geht man sich schnell auf den Keks.” Reisen zusammen mit Freunden fand sie „etwas unentspannt” - es sei anstrengend gewesen, immer die Balance zwischen Gruppengefühl und Zweisamkeit zu halten. Der erste Pärchenurlaub in einem Ferienhaus an der Côte dAzur war dagegen ein voller Erfolg: Zusammen joggen, lesen, einkaufen und kochen - „man braucht was zu tun und eine Umgebung, in der man zusammen etwas entdecken kann.”

In Lauras Freundeskreis gab es schon Paare, die nach der gemeinsamen Reise keine mehr waren. Dass der erste Pärchenurlaub so eine Sprengkraft entfalten kann, liegt an der für beide ungewohnten Situation. Abseits des Alltags, den man bisher geteilt hat, lernt man sich ganz neu kennen - und entdeckt vielleicht auch Seiten am anderen, die gar nicht sympathisch sind. Wenn sich der Partner als Rechthaber oder Geizhals entpuppt, steht plötzlich die Beziehung infrage.

Tanya Wegberg bezeichnet einen Urlaub darum als „Schnelltest für Verliebte”. Wer in Urlaub fahre, müsse damit rechnen, dass die Beziehung hinterher anders ist als vorher. Dass es auch gut gehen kann, zeigen Laura und ihr Freund. Weil es beim ersten Mal so schön war, fuhren sie noch einmal zusammen an die Côte dAzur. Und sind jetzt verliebter als vorher.

Häufige Fallen im Urlaub

Er will klettern und sie auf Mallorca in der Sonne liegen. Treffen unterschiedliche Urlaubsinteressen aufeinander, sollte man sich vorher einigen. Und zwar in der Mitte. Wird einer von beiden zu seinem Glück gezwungen, kann der Urlaubsfriede schnell dahin sein. „Am besten, man fährt an einen Ort, an dem von vornherein klar ist, was man macht”, empfiehlt die Schülerin Laura Weidinger. „Zum Beispiel auf eine Skihütte.”

Idealerweise sollten beide ungefähr gleich viel zum Urlaub beisteuern. Hat einer deutlich weniger Geld, spricht man vorher besser darüber: Muss es wirklich die teure Städtereise nach Barcelona sein? Oder tut es auch Camping an der Ostsee? „Über Finanzen zu reden, scheint unromantisch, ist aber wichtig für die Harmonie”, sagt die Autorin Anja Maier. „Wenn einer den anderen aushalten muss, kann das schlechte Laune erzeugen.”

Ist Flirten mit Urlaubsbekanntschaften in Ordnung? Und wo hört der Spaß auf? „Da Urlaubsflirts häufig vorkommen, sollte man vorher offen darüber sprechen”, rät die ehemalige Jugendberaterin Tanya Wegberg. „Sonst entstehen Verletzungen, die schlecht wieder gutzumachen sind.”
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