Depressionen belasten die Beziehung

Von: Maria da Silva, dapd
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Eine Depression belastet nicht nur das Leben des Betroffenen, sondern bringt auch den Alltag seines Partners aus dem Gleichgewicht. Foto: Harald Krömer

Berlin/Zürich. Eine Depression belastet nicht nur das Leben des Betroffenen, sondern bringt auch den Alltag seines Partners aus dem Gleichgewicht. „Depressive ziehen sich häufig zurück, sind lustlos, ihre Stimmungen sind unberechenbar”, weiß Jeannette Bischkopf von der Freien Universität Berlin.

Partner fühlten sich dadurch häufig abgelehnt. Hinzu kämen die ständigen Sorgen um den Erkrankten und auch praktischer Stress, da man dem anderen viele Alltagsaufgaben abnehmen müsse.

Partner von depressiven Menschen seien daher oft erschöpft und fühlten sich niedergeschlagen. „Dieser Entwicklung sollte man unbedingt entgegensteuern und auf sein eigenes Wohlergehen achten”, betont die Autorin des Angehörigen-Ratgebers „So nah und doch so fern”.

Denn wer seine Bedürfnisse vernachlässige, habe irgendwann auch keine Kraft mehr, sich um seinen Partner zu kümmern. „Bemüht man sich um Normalität, zeigt man außerdem auch dem Erkrankten, dass ein anderer Alltag möglich ist”, sagt die Diplom-Psychologin.

Für Entspannung sorgen

Wichtig sei, dass man zu der negativen Stimmung zu Hause einen Gegenpol setze, indem man sich beispielsweise mit Freunden treffe oder seinen Hobbys weiter nachgehe. Zudem sollte man sich bewusst darin üben, den Blick für schöne Momente zu schärfen und das Positive wahrzunehmen. „Angehörige sollten außerdem ihre Entspannungsfähigkeit trainieren, um immer wieder Abstand zu der belastenden Situation gewinnen zu können”, sagt Bischkopf.

Vielen helfe es, sich eingehend über die Krankheit ihres Partners zu informieren. „Auch der Austausch mit anderen Betroffenen, beispielsweise in einer Selbsthilfegruppe für Angehörige, tut vielen gut”, sagt Bischkopf. Die Züricher Diplom-Psychologin Ulrike Borst empfiehlt Angehörigen von Depressiven, darauf zu achten, dass sie in die Therapie des Betroffenen einbezogen werden.

„Es ist gut, wenn man regelmäßig darüber informiert wird, wie der Behandler die Situation einschätzt - beispielsweise im Rahmen regelmäßiger Sitzungen zu dritt”, sagt die Autorin des Ratgebers „Wenn die Liebe überschattet wird - Leben mit einem depressiven Partner”.

Verwandte und Freunde und Hilfe bitten

Um eine Überforderung zu vermeiden, sei es außerdem ratsam, Hilfe von außen anzunehmen. „Viele haben Angst, Außenstehende könnten denken, der Partner sei schuld an der Erkrankung des anderen”, sagt Ulrike Borst. Es sei jedoch wichtig, dass man diese Sorgen überwinde und Verwandte und Freunde in die Bewältigung des Alltags einbinde. Auch eine Haushaltshilfe oder ein Pflegedienst könnten in dieser Situation wertvolle Entlastung bieten.

Respekt einfordern

Depressive verhalten sich anderen gegenüber oft eher abweisend, sind sehr auf sich bezogen. „Man sollte sich immer wieder klar machen, dass dieses Verhalten des Partners mit seiner Krankheit zusammenhängt und nicht mit einer Beziehungskrise”, betont Jeannette Bischkopf. Wichtig sei allerdings auch, dass Partner sich nicht alles gefallen lassen.

„Wenn der Erkrankte abwertend oder unfreundlich ist, sollte man ruhig und klar sagen, dass man nicht so behandelt werden möchte”, empfiehlt Ulrike Borst. Es sei wichtig, dass man hier ein direktes Feedback gebe und seinem Partner ein gewisses Maß an Respekt abverlange. Ansonsten schaukle sich die schlechte Stimmung zwischen beiden häufig hoch und entwickle sich zum Konflikt. „Indem man auf klare Verhaltensregeln besteht, gibt man dem Depressiven außerdem Halt”, sagt Borst.

Sport hilft gegen Depressionen

Auch sonst kann man seinem erkrankten Partner durchaus Unterstützung bieten, betonen die beiden Expertinnen. „Gut ist, den anderen so oft wie möglich zu Unternehmungen zu animieren, die ihm früher Freude gemacht haben”, sagt Jeannette Bischkopf. Aktivität sei bei Depressionen besonders wichtig, betonen die beiden Expertinnen - „Sport wirkt sogar antidepressiv”, sagt Bischkopf. Könne sich der Partner nicht aufraffen, sollte man ihm deshalb allerdings kein schlechtes Gewissen machen.

Wer an Depressionen leidet, verspürt oft eine große Hoffnungslosigkeit. Bischkopf empfiehlt Angehörigen, mit diesem Thema möglichst offen umzugehen - auch mit eventuellen Suizidgedanken des Partners. „Der Gedanke an den Tod wird nicht dadurch verstärkt, dass man ihn ausspricht”, betont die Diplom-Psychologin.

Oft sei es eine große Entlastung für Betroffene, wenn sie über diese tiefe Verzweiflung offen sprechen können. Wichtig sei aber, Depressiven auch immer wieder Hoffnung auf Besserung zu machen. „Gut ist, wenn man von Menschen berichtet, die ihre Depression überwunden haben”, sagt die Expertin. Beispiele dafür finde man unter anderem auf der Internetseite kompetenznetz-depression.de.

Habe man Probleme mit der Situation oder mache man sich Sorgen um das Wohlergehen seines depressiven Partners, sollte man sich professionelle Hilfe holen, empfiehlt Bischkopf. In akuten Krisen bietet beispielsweise ein Krisendienst oder der sozialpsychiatrische Dienst Unterstützung. Diese Experten könnten auch vorbeikommen und die Situation einschätzen. „Das Wichtigste bei einer Depression ist die professionelle Therapie - die kann ein Angehöriger nicht ersetzen”, betont Jeannette Bischkopf außerdem.
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