Dortmund/Ruppichteroth - Demenz beeinflusst eine Paarbeziehung nachhaltig

Demenz beeinflusst eine Paarbeziehung nachhaltig

Von: Maria Hilt, ddp
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Dortmund/Ruppichteroth. Viele Liebende versprechen sich gegenseitige Unterstützung - in guten wie in schlechten Zeiten.

Doch wenn einer der beiden Partner an Demenz erkrankt, seine Persönlichkeit sich stark verändert und er sogar den Namen des anderen vergisst, wird die Beziehung auf eine harte Probe gestellt.

„Eine Demenz bringt nicht nur für den Patienten selbst starke Veränderungen mit sich, sondern erschüttert auch die Säulen der Beziehung zwischen dem Kranken und seinem Partner”, sagt Luitgard Franke, Professorin für Soziale Gerontologie an der Fachhochschule Dortmund.

Franke hat in einer Studie die Situation von Ehepartnern Demenzkranker untersucht und mehrere Kernprobleme ausgemacht. „Eine besondere Schwierigkeit für den gesunden Partner ist, dass ihm die Gefährtenschaft und die Intimität der Paarbeziehung verloren gehen”, sagt Franke. Der Demenzkranke falle als Lebensbegleiter weg, der die Sorgen und Freuden seines Partners teile, mit ihm Pläne schmiede und Entscheidungen treffe. „Das ist für den Gesunden besonders schwierig, da er gerade in dieser Situation die Ratgeberfunktion des Partners bräuchte”, sagt Franke.

Oft hätten Betroffene außerdem mit Loyalitätskonflikten zu kämpfen. „Sie fürchten, das Vertrauen ihres kranken Lebensgefährten zu verletzen, wenn sie ihm beispielsweise den Autoschlüssel wegnehmen oder mit anderen über die Situation zu Hause sprechen”, erklärt Franke. Dieses schlechte Gewissen rühre daher, dass das Verhältnis zwischen den beiden ständig zwischen der Paarbeziehung und der Pflegebeziehung hin und her wechsle. So treffe der gesunde Partner beispielsweise Entscheidungen für den Kranken, die aus pflegerischer Sicht notwendig sind. Im Rahmen der Paarbeziehung fühle er sich aber schuldig, weil er seinen Mann oder seine Frau vermeintlich übergangen hat.

„Die Demenz muss eine Paarbeziehung nicht zerstören”, betont Franke. Viele Paare hätten trotz allem den Wunsch, ihre Partnerschaft nicht aufzugeben. Und manch erlebten sogar, dass sich eine ganz neue Beziehung zwischen ihnen entwickle. „Wenn es eine gute emotionale Basis gab, kann ein Paar eine Partnerschaft auch trotz Demenz noch befriedigend leben”, ist sich auch Elisabeth Bäsch, Autorin des Ratgebers „Mein Partner ist mir entrückt, mein Partner ist ver...rückt”, sicher. Wer seinen kranken Partner mit Liebe begleite, erlebe oft die Momente als erfüllend, in denen der Patient seine Freude und Dankbarkeit zeige. „Man muss lernen, kleine Dinge zu schätzen”, sagt Bäsch. Außerdem gehe die Vertrautheit der Paarbeziehung auch durch die Demenz nicht verloren. „Wenn man früher gerne gemeinsam Tanzen war, dann kann man auch jetzt noch manchmal ein kleines Tänzchen machen - die Freude ist weiterhin da”, sagt die Sozialpädagogin aus Ruppichteroth in Nordrhein-Westfalen.

Wichtig sei, dass man sich gut über die Krankheit Demenz informiere. „So kann man besser unterscheiden, welches Verhalten des Kranken nun auf seine Demenz zurückzuführen ist und wo sich vielleicht altbekannte Charakterzüge wieder zeigen”, sagt Bäsch. Betroffene Paare sollten sich daher vom behandelnden Arzt umfassend beraten lassen. „Es geht darum zu wissen, was auf einen zukommt. So kann man auch frühzeitig abklären, welche Hilfe man in Anspruch nehmen kann”, sagt Bäsch.

„Eine frühe Diagnose der Erkrankung ermöglicht Paaren, viele Schritte noch gemeinsam zu planen”, sagt Luitgard Franke. Sie rät Betroffenen, diese Chance zu nutzen. Denn wenn beide Partner die Veränderungen noch gemeinsam einleiten, bringe das für den Pflegenden auch später Entlastung - denn er wisse dann, dass der Demenzkranke diese Entscheidungen mitträgt.

Trotz aller Liebe und Fürsorge für den Kranken ist es aber auch wichtig, dass Partner von Demenzpatienten ihr eigenes Wohlergehen nicht außer Acht lassen. „Man sollte sich klar machen, dass auch das eigene Leben nicht ewig dauern wird”, sagt Elisabeth Bäsch. Außerdem verliere man schnell die Paarbeziehung aus dem Blick, wenn man sich nur noch als Hilfeleistenden erlebe und den Partner nur noch als Kranken sehe. Sie empfiehlt Betroffenen daher, neben der Pflegeaufgabe ihr eigenes Leben weiterzuführen. „Ein freier Abend pro Woche ist ganz wichtig”, sagt Bäsch. Der Abstand helfe, zu sich selbst zurückzukehren und sich daran zu erinnern, was die Beziehung einmal ausgemacht habe.

Die Sozialpädagogin macht von Demenz betroffenen Paaren Mut, auch unkonventionelle Wege zu gehen. „Paare befinden sich hier in einer außergewöhnlichen Situation und die erfordert manchmal auch außergewöhnliche Lösungen”, betont Bäsch. So könne es für manche Beziehungen gut sein, wenn der Demenzkranke in einer betreuten Einrichtung lebt und der gesunde Partner zu Hause bleibt. Möglich wäre auch, dass der gesunde Partner besonders enge Freundschaften pflege, in denen er die Aufmerksamkeit bekomme, die er in seiner Partnerschaft nicht mehr erhalte. „Und man hat auch als Partner eines Demenzkranken durchaus das Recht, sich um sein eigenes Liebesleben zu kümmern”, sagt Bäsch. Schließlich sei es auch denkbar, eine neue Beziehung beginnen, ohne deshalb den kranken Partner im Stich zu lassen.
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