Das Leben nach dem Tod des Partners neu ordnen

Von: Christiane Löll, dpa
Letzte Aktualisierung:
Das Leben nach dem Tod des Partners neu ordnen
Nach dem Tod des Partners müssen sich Verwitwete erst wieder neu orientieren und eine Routine finden. Foto: dpa

Berlin/Hamburg. Der Tod des Lebenspartners stellt die Hinterbliebenen vor große Herausforderungen. Schmerz und Trauer, vielleicht auch Erleichterung nach einem langen Leiden, überwältigen die Witwen und Witwer. Neben diesen Gefühlen gilt es nun, den Alltag als Alleinstehender zu bewältigen.

„Heutzutage sind Goldene Hochzeiten keine Seltenheit, das heißt, die Paare haben oft sehr lange zusammen gelebt”, sagt Insa Fooken, Professorin für Psychologie an der Universität Siegen. „Dann kommt die Frage auf: Wie geht es nun für mich weiter?”

Für Frauen ist die Wahrscheinlichkeit größer, einmal ein Leben als Witwe zu führen, da ihre Lebenserwartung höher ist als bei Männern. „Tritt der Tod des Partners plötzlich ein, steht der Schock im Vordergrund, es folgt eine längere orientierungslose Phase als vielleicht bei Verwitweten, die ihren kranken Partner lange gepflegt haben”, sagt Silke Haase, niedergelassene Psychotherapeutin in Berlin. Für die Angehörigen und Freunde bedeutet das, genau zuzuhören, was dem Verbliebenen nun wichtig ist und welche Hilfe er braucht.

Entscheidend ist nach Auskunft der Experten, sich Zeit zu geben, mit dem einschneidenden Ereignis fertig zu werden. „Das erste Jahr nach dem Tod ist auf jeden Fall schwierig”, sagt Silke Haase. „Alles wird zum ersten Mal ohne den Partner erlebt, Weihnachten, Feste, Jahreszeiten.” In vielen Regionen sei zu Recht die Rede von einem traditionellen Trauerjahr.

Doch wer sind eigentlich die besten Ansprechpartner für Witwer und Witwen? „Eine Faustregel sagt, dass im ersten halben Jahr die Kinder und enge Angehörige wichtiger sind als Freunde”, sagt Insa Fooken. Danach sei es ratsam, sich nach außen zu öffnen und die Kinder zu entlasten. Für viele sei es tröstlich, Kontakt zu Selbsthilfegruppen, Ärzten, Psychologen oder Pfarrern zu haben. „Das ist aber sehr unterschiedlich. Manche suchen Kontakt zu anderen Verwitweten, andere möchten eher jemanden um sich, der neutral ist.”

Enttäuschend ist für viele Verbliebene auch der Verlust von Freundschaften nach dem Tod des Partners. Vor allem gesellige Kontakte, bei denen es um Unbeschwertheit geht, sind laut der Hamburger Professorin für Soziologie Betina Hollstein gefährdet. Stabiler seien enge Freundschaften oder Kontakte bei gemeinsamen Interessen wie Musik oder Sport.

„Schwierig sind manchmal auch Freundschaften zu Ehepaaren, mit denen man früher immer paarweise unterwegs war”, sagt Insa Fooken. „Andererseits sagen viele Verwitwete: Da stehen auf einmal Leute, von denen ich das nicht gedacht habe. Und andere, von denen ich dachte, dass ich auf sie zählen kann, kommen nicht.” Die Psychologin empfiehlt genau hinzuschauen, wer sich als Hilfe anbietet. „Vielleicht ist da jemand in der zweiten Reihe, den ich vorher gar nicht gesehen habe.”

So schwierig das neue Leben auch sein mag - laut Silke Haase offenbart sich für viele auch eine Chance: „Man kann sich noch einmal neu orientieren, vielleicht alte oder neue Interessen aufleben lassen”, sagt die Psychologin. Mit einem gewissen Abstand zum Todestag würden viele Verwitwete sich neue Hobbys suchen, durch die dann neue Bekanntschaften entständen.

Je nach Persönlichkeit hielten manche Menschen aber auch an ihrem alten Leben fest und hätten kein Interesse an Veränderung, fügt Insa Fooken hinzu. „Da gibt es nicht den einen Weg. Manche errichten eine Art Mausoleum für den Verstorbenen und lassen alles beim Alten, manche renovieren innerhalb kürzester Zeit das ganze Haus.”

Bei älteren Verwitweten gibt es durchaus Unterschiede zwischen Männern und Frauen, was das Leben nach dem Tod des Partners angeht. „Frauen sind häufig die, die für das soziale Leben und Beziehungen zu Verwandten zuständig sind”, sagt Insa Fooken. „Das heißt aber auch, dass viele von ihnen erwarten, dass sie schon irgendwie zurecht kommen als Witwe und sich Hilfe holen. Auf Witwer wird viel mehr zugegangen und Hilfe angeboten, weil doch die Sorge herrscht: Schafft der das alleine?”

Männer in älteren Generationen sind hingegen oft für die finanziellen Dinge des Haushalts zuständig gewesen. Witwen müssen sich da nun einarbeiten, zusätzlich stehen Aufgaben wie der Erbschein und das Beantragen von Witwenrente auf dem Plan. „Man ist in den ersten Monaten meist gar nicht in der Lage und willens, sich mit den notwendigen bürokratischen Aspekten zu beschäftigen”, sagt Betina Hollstein. „Wenn hier niemand zur Seite steht, kann es sein, dass Wichtiges manchmal erst zu spät in Angriff genommen wird und man finanzielle Ansprüche verliert.” Insbesondere Verwandte seien daher gefragt, den Verwitweten zu helfen.

Auch wenn die Trauer bei manchen Menschen sehr lange dauern kann: „Wenn sich jemand nur noch zurückzieht, sich nicht mehr über schöne Dinge freuen kann, wenn sich das Trauergefühl auch nach einem Jahr noch anfühlt wie am Todestag, dann sind dies vielleicht Zeichen einer ernsten Depression”, sagt Silke Haase. In diesem Fall sollten Betroffene sich professionelle Hilfe zum Beispiel bei Psychotherapeuten holen. Und Angehörige sollten sie dazu ermutigen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert