Das große Krabbeln: Läuse mögen alle Köpfe

Von: Bettina Levecke, dpa
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kopfläuse
Genau kontrollieren: Um Kopfläuse und ihre Eier zu finden, werden die Haare am besten sorgfältig mit einem Nissenkamm gekämmt. Foto: dpa

Wiesbaden/Hannover. Sie saugt Blut, legt Eier und krabbelt über Kopfhaut und Haare: Die „pediculus humanus capitis”, gemeinhin Kopflaus genannt, ist bei großen und kleinen Menschen extrem unbeliebt.

Seit Tausenden von Jahren nutzt sie den Menschen als Wirt, schmarotzt und bespeichelt ihn. Das juckt nicht nur, sondern ist auch irgendwie peinlich und unangenehm.

Niemand gibt gerne zu, Läuse zu haben, sagt Michael Forßbohm vom Gesundheitsamt in Wiesbaden: „Kopflausbefall erweckt bei vielen Menschen immer noch zu Unrecht den Gedanken, dass er eine Folge mangelnder Hygiene sei.” Doch das sei Quatsch. „Häufiges Haarewaschen gibt besonders saubere Kopfläuse”, ergänzt Jan Krüger, Vorsitzender der Deutschen Pediculosis Gesellschaft in Hannover.

Fakt ist: Die Laus sitzt auf dem Menschen. Mal auf dem einen, mal auf dem anderen. Die Übertragung erfolgt von Haar zu Haar, erklärt Ulrich Fegeler vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in Köln. „Deshalb trifft es vor allem Kinder, denn die stecken beim Spielen oder Lernen in der Schule noch richtig die Köpfe zusammen.”

Dabei springt die Laus nicht, sie hüpft noch nicht mal. „Läuse können nur krabbeln.” Und das am liebsten direkt am Haar. Kopfkissen, Mützen, Haarbänder oder Perücken interessieren die blutsuchende Laus nicht im geringsten. So wurde in 1000 Mützen australischer Grundschulkinder nicht eine einzige Laus gefunden, auf den Köpfen der Mützenbesitzer hingegen mehr als 4500 Exemplare.

„Jetzt im Herbst und Winter haben Läuse Hochsaison”, sagt Fegeler. Um andere Menschen vor dem Befall zu schützen, müsse mit dem Problem offen umgegangen werden. Eltern sollten in Kindergarten und Schule Bescheid geben und auch die Familie und das enge Umfeld informieren. „Kopfläuse haben sich meistens schon in einer Gruppe verbreitet, wenn sie entdeckt werden”, erklärt Forßbohm.

Ob ein Lausbefall vorliegt, lässt sich relativ einfach feststellen: „In Normalfall klagt das Kind über Juckreiz”, sagt Fegeler. Im Nacken oder an den Schläfen sind kleine rote Punkte zu finden, denn dort halten sich Läuse am liebsten auf. Unter einer Taschenlampe oder Lupe lassen sich auch Nissen im Haaransatz erkennen: „Das sind kleine, erst dunkle, später helle Eier, die wie eine Perlenschnur am Haar kleben.”

Jungen wurden früher einfach die befallenen Haare ratzekurz geschnitten, langes Mädchenhaar mit Chemiekeulen malträtiert. „Beides ist heute glücklicherweise nicht mehr erforderlich”, beruhigt Fegeler. Längst gibt es sanfte Methoden, zum Beispiel Produkte aus Kokos- oder Silikonöl, die die Läuse ersticken. Schärfer wirken Mittel mit Insektiziden, zum Beispiel Permethrin. „Allerdings gibt es Läuse, die gegen diese Gifte resistent sind.” Läusemittel sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Sie müssen aus eigener Tasche bezahlt werden, außer der Kinderarzt verschreibt sie.

Krüger empfiehlt die Kombination aus einem anerkannten Mittel und beständigem Kämmen. Dabei wird das Haar mit dem gewählten Mittel behandelt und anschließend mit einem sehr feinen Läusekamm gründlich ausgekämmt. „Zur Absicherung muss dann fünf Tage nach der Behandlung nochmal gekämmt werden und danach noch dreimal im Wochenabstand.” Eine Methode, die etwas Geduld und Konsequenz erfordert, denn besonders bei längerem Haar ist das feine Kämmen nicht ganz leicht.

Viele Eltern sind skeptisch, wenn es um chemische Läusemittel geht und wollen den Krabbeltieren auf natürlichem Wege den Garaus machen. Doch ob Essigwasser, Sonnenblumenöl oder Teebaumextrakte: „Es gibt keinen sicheren Hinweis darauf, dass solche Methoden fruchten”, sagt Fegeler. Hartnäckig halte sich auch das Gerücht, dass Kaisernatron die Eikleber der Läuse löst. Krüger relativiert: „Der Eikleber ist so stabil, dass häufig eher die Haare ausreißen, als dass sich die Eier ablösen lassen.”

Auch den Tipp von Saunabesuchen oder heißen Bädern liest man in Internetforen immer wieder. Doch Temperaturen, die für Läuse lebensbedrohlich sind, schaden auch dem Kinderkopf. „Zudem ist der Besuch einer öffentlichen Sauna mit Kopfläusen nicht anzuraten, wenn Sie nicht rausfliegen wollen”, sagt Krüger.

Waschaktionen sind im Prinzip überflüssig

Die Sorge, dass die Kopflaus Eier in Kissen, Kuscheltiere und Decken gelegt hat, führt oft zu Waschhysterie. Eine anstrengende Aktion, die man sich laut Jan Krüger von der Deutschen Pediculosis Gesellschaft auch sparen kann: „Das letzte, was Sie jetzt brauchen können, ist ein Berg Bettwäsche und ein Kind, das schreit, weil sein Lieblingskuscheltier tiefgefroren werden soll.” Ratsam sei es, Kämme und Bürsten zu reinigen und eine Woche zur Seite zu legen - beziehungsweise künftig jedem Familienmitglied eine eigene Bürste zur Verfügung zu stellen. Wer trotzdem auf Nummer Sicher gehen will, kann Kopfkissen und Co. bei 60 Grad waschen - das überlebt keine Laus.
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