Das erste Jahr mit Kind

Von: Judith Csaba, ddp
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Elternpaar
Ein Elternpaar spaziert mit einem Kinderwagen über eine vereiste Wiese. Foto: ddp

Berlin. Das erste Jahr mit einem Baby ist voller wunderbarer Momente: An das erste Lächeln, zaghafte Gehversuche und das niedliche Gebrabbel des Kleinen werden sich Eltern ihr Leben lang mit Freude erinnern.

Trotzdem ist diese Zeit für jedes Paar auch sehr anstrengend, denn es gilt, mit wenig Schlaf auszukommen, die eigenen Bedürfnisse zurückzustellen und einen ganz neuen Familienalltag zu organisieren.

„Viele junge Eltern übersehen dabei, so früh wie möglich eine zeitliche und räumliche Insel für sich als Paar zu schaffen, wo Babythemen erstmal außen vor bleiben”, sagt der Berliner Familien- und Paartherapeut Christoph Uhl. Es sei jedoch enorm wichtig, nicht nur die Elternrolle, sondern weiterhin auch die Paarrolle zu leben, denn dies sei eine große Kraftquelle in dieser stressigen Zeit. „Die Paarbeziehung ist das Fundament der Familie. Man muss sie pflegen - auch unter Stress”, betont auch Joachim Römhild von der Familienberatungsstelle Ostkreuz in Berlin. Gelegentlich sei Sex eben wichtiger als Schlaf.

Gerade im ersten Lebensjahr des Kindes seien Rituale für das Zeitmanagement sehr hilfreich, sagt Uhl. „Es tut gut zu wissen: Jeden Mittwoch haben wir Zeit füreinander”, sagt der Sozialpädagoge. Damit solche Freiräume entstehen können, empfiehlt er, möglichst früh die erweiterte Familie oder, wenn keine Verwandten in der Nähe leben, Freunde und Nachbarn in die Kinderbetreuung mit einzubeziehen. Wenn es kein erweitertes Familiensystem gibt, sei das erste Jahr mit Kind nun einmal eine sehr große Belastungsprobe, sagt auch Römhild. „Als Kleinfamilie ist man in der ersten Zeit einfach ein Stück weit überfordert, da muss man eben durch. Diese Einstellung entlastet schon etwas”, sagt er. In gewisser Weise lerne sich ein Paar in dieser Zeit noch einmal neu kennen. Die neue Situation erfordere viel Anpassungsfähigkeit - auch von dem Partner, für den der Berufsalltag weitergeht. Beide Partner müssten anerkennen, wie viel der andere leistet und versuchen, einen Ausgleich dafür zu schaffen.

Damit der Alltag möglichst gut läuft, sei es wichtig, offen über Gefühle, Ängste und Frustrationen zu sprechen. „Ein Kind ist für jede Partnerschaft eine radikale Veränderung. Also müssen Paare sich darüber austauschen, was sie in dieser neuen Situation empfinden, was sie unzufrieden macht und was der neu entstandenen Familie gut tut”, erläutert Uhl. Jedes Paar müsse für sich die passenden Regelungen finden, um damit umzugehen, dass abends beide Partner erschöpft sind und ein Recht auf Freiheit haben.

Gerade Mütter, die mit ihren Kindern in den ersten Monaten zu Hause bleiben, kämpfen häufig mit einem schlechten Gewissen, wenn sie auch mal ohne Baby unterwegs sein wollen. „Es ist wichtig, dass junge Eltern lernen, sich gegenseitig zu unterstützen und darin bestärken, auch Interessen und Freundschaften außerhalb der Familie zu pflegen”, rät Uhl. Wenn Eltern gut zueinander seien und sich auch um sich selber kümmerten, käme dies letztlich auch den Kindern zugute, betont er.

Das gehe mit einem Baby oder Kleinkind allerdings natürlich nicht mehr in dem Maße wie zuvor - und auch dies gelte es zu akzeptieren, sagt Uhl. „Im ersten Jahr steht nun einmal das Kind im Vordergrund - aber es ist für ein Paar ja auch sehr schön, diese Zeit gemeinsam zu erleben und zu teilen.”
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