Computer für Kinder: Der alte von Papa tuts auch

Von: Carina Frey, dpa
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Ein nagelneuer Laptop muss es als Einstiegsrechner für Kinder nicht sein. Aktuelle Spiele muss der PC aber schon abspielen können. Foto: dpa

Düsseldorf/Köln/München. Für ihre Kinder wollen viele Eltern nur das Beste. Beim ersten Computer muss es aber nicht gleich das leistungsstärkste Modell sein. Für den Nachwuchs kann auch der alte Familien-PC herhalten, vorausgesetzt er lärmt nicht und kommt noch mit gängiger Software klar. Genau hinschauen sollten Eltern beim Zubehör, denn das ist häufig alles andere als kindgerecht.

Dass schon kleine Kinder mit dem Computer umgehen, ist heute selbstverständlich. Ob sie dafür unbedingt einen eigenen Rechner brauchen, ist eher fraglich.

Jeder zweite 6- bis 7-Jährige nutzt zumindest ab und zu einen Computer. Das ergab die KIM-Studie 2008 des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest in Stuttgart. Bei den 12- bis 13-Jährigen sind es 95 Prozent. Ein Viertel der Kinder hat einen eigenen PC.

Laut Prof. Matthias Petzold spricht nichts dagegen, schon Vorschulkinder an den PC zu lassen. Sie sollten dort genau das tun, was ihnen Spaß macht, erklärt der Medienpsychologe, der an den Universitäten Düsseldorf und Köln lehrt. Das ist in der Regel spielen. Was Eltern beim PC für Kinder beachten sollten, im Überblick:

Was ein Kinder-Computer leisten muss: Kinder können einen gebrauchten Rechner bekommen, vorausgesetzt er ist nicht so alt, dass moderne Lernspiele nicht laufen, erklärt Jörg Schieb aus Meerbusch, Autor des Stiftung-Warentest-Ratgebers „Der Familien-PC”. Wenn das Spiel ruckelt oder hängt, sei der Rechner zu alt. Soll ein neues Gerät her, reiche in der Regel ein Durchschnitts-PC, wie er in jedem Laden steht. 1 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher sei Minimum, Festplatten fingen heute bei 100 GB an, was viele gar nicht füllen können.

Vor dem Kauf gilt: hinhören. Denn der Rechner muss leise sein, weil das Kindergehör empfindlicher auf Lärm reagiert als das von Erwachsenen, erläutert Schieb. Vor allem die hohen Frequenzbereiche sirrender Festplatten könnten beim Nachwuchs Schaden anrichten.

Die richtige Ausstattung kaufen: Wichtig ist der Monitor, der unbedingt ein scharfes Bild zeigen sollte, rät Schieb. „Wer seinem Kind einen alten Röhrenmonitor mit vermatschtem Bild hinstellt, quält es unnötig.” Er rät zu TFT-Breitbildmonitoren. Die Bildwiederholfrequenz sollte mindestens auf 85 Hertz eingestellt sein. Bei kleinen Kindern empfiehlt sich eine spezielle Kindermaus, sagt Christoph Gieger, Medienexperte beim Deutschen Jugendinstitut in München. Gewöhnliche Mäuse seien für Kinderhände oft zu groß.

Damit das Kind auf Dauer keine Rückenschmerzen bekommt, rät Prof. Petzold zu einem kritischen Blick auf den Arbeitsplatz. „Eine Grundregel lautet, dass die Oberkante des Bildschirms nicht höher als die Augenhöhe des Kindes sein darf”, erklärt er.

Den Familien-PC einrichten: Kinder brauchen am Anfang keinen eigenen Computer. Erst wenn sie selbstständig mit dem Rechner und Spiel- oder Lernprogrammen umgehen können, komme ein eigener Computer infrage, meint Petzold. Das sei meistens im Grundschulalter der Fall. „Ob es aber gleich zu Anfang sein muss, ist eine andere Frage”. Bis dahin kann der Nachwuchs den Familien-Computer nutzen. Nichts im Kinderzimmer verloren habe ein Internetzugang. Zum Surfen sollte der Familien-PC herhalten.

Damit Kinder dort keinen Unfug machen und aus Versehen das Steuerprogramm der Mutter löschen, bekommen sie am besten ein eigenes Benutzerkonto mit eingeschränkten Rechten. Das lässt sich bei Windows unter „Start”/„Systemsteuerung”/„Benutzerkonten” einrichten.

Kinder brauchen Anleitung: Egal ob am Familien-PC oder am eigenen Rechner - Kinder brauchen Unterstützung. Kleine Kinder hätten oft Probleme mit Tastatur und Maus, hat Gieger beobachtet. Zum Beispiel wüssten sie zwar, dass sie auf dem Bildschirm etwas bewegen sollen. „Sie konzentrieren sich dann voll auf die Maus und ihre Bedienung und sehen nicht, was zeitgleich auf dem Bildschirm passiert.” Auch mit Doppelklick und Scrollen hätten Kinder häufig Schwierigkeiten. Aber auch für inhaltliche Fragen müssten Eltern zur Verfügung stehen. „Kinder haben Fragen zu Programmen oder übersehen Dinge, auf die sie achten sollten”, ergänzt Prof. Petzold. Hier seien Eltern gefragt.

Zeiten am Computer regeln: Windows Vista bietet Eltern die Möglichkeit, Nutzungszeiten für Kinderkonten zu beschränken, erklärt Schieb. Darüber hinaus lasse sich einstellen, welche Spiele und Programme die Kinder nutzen dürfen. Bei Windows XP sei das weit eingeschränkter: Hier müssten Eltern spezielle Programme kaufen.

Technische Kontrollen könnten die Arbeit der Eltern aber nie ersetzen, sagt Prof. Petzold. „Eltern sollten die Spiele kennen und mit dem Kind beraten, wie es am besten eine bestimmte Spielzeit einhalten kann”, sagt er. „Die Eieruhr hinzustellen und beim Klingeln den Aus-Knopf zu drücken - das funktioniert nicht.”

Literatur: Jörg Schieb: Der Familien-PC, Stiftung Warentest, ISBN: 978-3-937-88057-0, 12,90 Euro.
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