München - Carsharing mit Papa

Carsharing mit Papa

Von: Aliki Nassoufis, dpa
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Absprachen müssen sein: Wollen Jugendliche das Auto der Eltern haben, müssen sie das vorher besprechen. Einfach davonfahren, wann es passt, provoziert mit Sicherheit Ärger. Foto: dpa

München. Lange geübt und gezittert, dann ist er endlich da: der Führerschein. Doch womit fahren, wenn die Fahrschulzeit vorbei ist? Ein eigenes Auto steht bei den wenigsten sofort vor der Tür. Deswegen müssen sich Fahranfänger meist einen Wagen mit ihren Eltern teilen. Keine einfache Sache - da prallen oft unterschiedliche Ansichten aufeinander.

Einfach mal so das Auto nehmen, wenn man will, ist keine gute Idee. Schließlich kann es ja sein, dass die Eltern es gleich für einen wichtigen Termin brauchen. Und wenn das Auto dann weg ist, gibt es jede Menge Ärger. Jutta Stiehler vom Dr. Sommer-Team der Zeitschrift „Bravo” rät daher, klare Absprachen zu treffen. „Das gilt für die Zeit, zu der die Tochter oder der Sohn das Auto ausleihen möchte ebenso wie für das Tanken.”

Viele Eltern werden sauer, wenn der Wagen mit fast leerem Tank zurückgebracht wird. „Jugendliche sollten sich verantwortlich zeigen und das Benzin, das sie verbrauchen, wieder nachfüllen”, sagt Stiehler. „Außer sie haben mit den Eltern etwas anderes vereinbart: Dass sie nichts dazuzahlen müssen beispielsweise oder zum Ausgleich mal das Auto waschen oder eine andere Arbeit übernehmen.”

Am besten sei: Tochter oder Sohn fragen rechtzeitig, ob und wann sie das Auto haben können. „Wichtig ist, sich an die vereinbarten Zeiten zu halten. Und wenns mal nicht klappt - anrufen und Bescheid sagen”, sagt Stiehler. „Denn: Eltern sorgen sich doch um ihre Fahranfänger und sind beruhigt, dass nicht ein Unfall der Grund für die Verspätung ist.”

Dabei muss Jugendlichen klar sein, dass der Wagen den Eltern gehört und diese entscheiden können, wann und was sie damit machen. „Wenn ein Elternteil das Auto für die Arbeit braucht, hat das Vorrang”, sagt Beate Friese vom Elterntelefon „Nummer gegen Kummer” aus Wuppertal. Praktisch sei, einen festen Plan zu machen und den für alle sichtbar aufzuhängen, zum Beispiel an den Kühlschrank. Dort steht drin, wer das Auto wie lange haben kann.

Da es nicht der eigene Wagen ist, müssen Teenager ihn ordentlich behandeln. „Sonst riskiert man, dass man ihn gar nicht mehr bekommt”, sagt Friese. Seinen Müll oder verschwitzte Sportklamotten im Auto rumliegen zu lassen, sei also keine gute Idee. „Eltern möchten das Auto meist so vorfinden, wie sie es hinterlassen haben.” Stiehler ergänzt: „Wem das Duftbäumchen stinkt oder die baumelnden Babyschuhe am Rückspiegel peinlich sind, kann ja beides für die Dauer der Benutzung in den Kofferraum packen.”

Wichtig ist auch, der Versicherung zu melden, dass ein weiterer Fahrer das Auto nutzt. „Viele Versicherungen verlangen dann einen höheren Beitrag, gerade wenn es sich um Fahranfänger handelt, bei denen das Risiko eines Unfalls höher ist”, sagt Maxi Hartung vom ADAC in München. Die Bedingungen und Kosten seien bei den Versicherungen jedoch verschieden, deswegen müsse man sich bei seinem jeweiligen Anbieter über die Konditionen informieren.

Fahren Jugendliche eine Schramme ins Auto oder bauen einen Unfall, sollten sie das nicht verheimlichen, sondern dazu stehen. „Das passiert einfach und ist kein Drama”, sagt Stiehler. „Eltern, die ihren Jugendlichen das Auto leihen, wissen doch, dass was schiefgehen kann. Sie waren schließlich auch mal Fahranfänger.” Eltern und Kinder könnten dann gemeinsam schauen, ob der Schaden in Eigenarbeit zu reparieren ist oder eine Werkstatt aufgesucht werden muss. Friese rät, vorab zu klären, wie man mit solchen Schäden umgeht. Zahlt man einen bestimmten Anteil oder stottert die gesamten Kosten ab? „Dann wissen beide Seiten Bescheid, wenn es passiert.”

Ist der Führerschein noch frisch, sind Eltern meist besonders skeptisch, wenn sie einem das Auto überlassen sollen. Dann kann es gut sein, sich ihr Vertrauen gewissermaßen zu erfahren. „Statt darauf zu bestehen, den Wagen alleine zu nehmen, kann man Eltern vorschlagen, ein paar Touren zusammen zu fahren”, sagt Friese. Möglich sind zum Beispiel Vorschläge wie: „Ich habe den Eindruck, dass ihr etwas unsicher seid. Kann ich nicht mal zum Supermarkt fahren, wenn wir einkaufen gehen? Oder wie wäre es, wenn ich am Wochenende fahre, wenn wir einen Ausflug machen wollen?”

So können Eltern sehen, wie ihr Kind fährt. Kritik sollte man sich dann natürlich anhören und nicht beleidigt zurückbrüllen. „Wenn Eltern merken, dass man gut fährt, haben sie weniger Sorgen, einem den Wagen zu leihen”, sagt Friese. Seit einigen Jahren können Jugendliche den Führerschein schon mit 17 Jahren machen, müssen aber bis zum 18. Geburtstag mit einer Begleitperson fahren. „Dann sehen Eltern als Beifahrer schon früh, was ihre Kinder können.”
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