Bei Verdacht auf Kindesmisshandlung direkten Kontakt suchen

Von: dpa
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Von der Missachtung bis zum sexuellen Missbrauch, von der spontanen Ohrfeige bis zur tödlichen Misshandlung: Jedes fünfte Kind in Deutschland ist Opfer von Gewalt. Foto: ddp

Regensburg. Beim Verdacht auf Kindesmisshandlung durch Nachbarn oder Bekannte scheuen viele einen Anruf beim Jugendamt. Es gibt aber auch andere Wege, mit dem Problem umzugehen: Anstelle der Behörde kann zum Beispiel der Gang zu einer Familienberatungsstelle schon eine große Hilfe sein.

Wichtig ist, überhaupt etwas zu tun, sagte der Regensburger Erziehungsberater Hermann Scheuerer-Englisch im Gespräch mit dem dpa-Themendienst: „Wir haben in Deutschland eine Kultur des Wegsehens.” Wichtig sei aber „soziale Zivilcourage”.

„Der Großteil der Misshandlungsfälle ist das Resultat überforderter Eltern”, sagte Scheuerer-Englisch, der auch Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft für Erziehungsberatung in Bayern ist. Ursachen dafür seien zum Beispiel psychische Probleme oder Krankheiten, Alkohol- oder Drogensucht und soziale Isolierung. Deshalb könnten Eltern, die sich um Kinder in ihrem Umfeld Sorgen machen, auch den direkten Kontakt suchen: „Wenn es bereits eine Beziehung zu der Familie gibt, lässt sich vieles im Dialog lösen.” Wichtig sei dabei, nicht mit Vorwürfen, sondern lieber mit konkreten Ratschlägen in ein solches Gespräch zu gehen.

Denn viele überforderte Eltern hätten ganz konkrete Nöte, zum Beispiel finanzielle Probleme oder mangelnde Unterstützung bei der Erziehung des Kindes. Scheuerer-Englisch empfiehlt, Kontakt mit den Familienberatungsstellen aufzunehmen: „Man kann selbst dort anrufen oder den Eltern einfach einen Tipp geben.” Die Stellen bieten auch telefonische Beratung an. Die Bundeskonferenz für Erziehungsberatung hilft überforderten Eltern außerdem anonym im Internet.

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